"Unsterblich Wien"

Anklage gegen Küssel-Vertrauten & Hooligan

© BMI/DSN
Der 41-Jährige zählt laut DSN zu den "engsten Vertrauten" von Neonazi Gottfried Küssel. Jetzt wird Anklage gegen ihn erhoben.
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Die Staatsanwaltschaft Wien hat nach umfassenden Ermittlungen und zahlreichen Hausdurchsuchungen eine erste Anklage wegen Verstößen gegen das Verbotsgesetz gegen ein Mitglied der rechtsextremen Hooligan-Gruppe "Unsterblich Wien" erhoben. Der 41-Jährige zählt laut Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) zu den "engsten Vertrauten" des verurteilten Neonazis Gottfried Küssel.

Ermittelt wurde von der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst gegen "Unsterblich Wien", weil Anhänger der Gruppierung seit November 2021 immer wieder öffentlichkeitswirksam mit Lederkutten auftraten, auf denen sich stilisierte NS-Symbole befanden. Im September 2023 wurden bei 13 Verdächtigen Hausdurchsuchungen in Wien und Niederösterreich durchgeführt und dabei zahlreiche NS-Devotionalien festgestellt.

SS-"Totenkopf" auf Lederkutte

Einer von ihnen dürfte sich nun vor Gericht verantworten müssen. Laut DSN handelt es sich bei dem Angeklagten "um einen seit Jahren ideologisierten bzw. indoktrinierten Angehörigen der neonationalsozialistischen Szene". Im Zuge der Ermittlungen wurden unzählige Bezüge des Angeklagten in die rechtsextreme bzw. nationalsozialistische Szene festgestellt, unter anderem zähle er zu den "engsten Vertrauten" von Gottfried Küssel und dessen "Ferialverbindung Imperia".

Aus seiner Ideologie habe der Mann jedenfalls keinen Hehl gemacht. So trat er mehrmals mit Lederkutte auf, auf deren Rückseite ein der SS-Division "Totenkopf" nachempfundener Totenkopf zu sehen war. Auf der Vorderseite zu sehen war eine Fahne, die der Reichskriegsflagge zur Zeit des Nationalsozialismus nachempfunden ist. Dabei waren statt des Hakenkreuzes die Buchstaben FAK (Abkürzung des Fußballklub Austria Wien) und statt des Eisernen Kreuzes ein Weißes Kreuz auf rotem Grund abgebildet. Die übrigen Segmente waren in violett statt rot gehalten. Der Name "Unsterblich" war ebenfalls auf der Kutte festgehalten. Auch ein T-Shirt mit dem Totenkopf sowie der Abkürzung "HH" für die Parole "Heil Hitler" soll er getragen haben.

Für die Staatsanwaltschaft ist dadurch ein Verstoß gegen das Verbotsgesetz gegeben - trug er die Kutte doch unter anderem bei einem Auswärtsspiel der Wiener Austria in Maria Enzersdorf im März 2022 und somit für jedenfalls mehr als 30 Leute wahrnehmbar. Obwohl er bereits im November 2022 wegen eines Verstoßes gegen das Verbotsgesetz verurteilt wurde, zeigte er sich auch danach noch mit nationalsozialistischer Symbolik in der Öffentlichkeit, etwa bei einer weiteren Sportveranstaltung in Schwechat im März 2023. Prozesstermin gibt es allerdings noch keinen, die Anklage liegt derzeit noch aufgrund eines Einspruchs beim OLG.

NS-Devotionalien und Messer gefunden

Darüber hinaus hält die Staatsanwaltschaft ihm den Besitz von NS-Propagandamaterial und einen Verstoß gegen das Waffengesetz vor. Bei der Hausdurchsuchung wurden zahlreiche einschlägige CDs mit nationalsozialistischen Songtexten festgestellt. Ein Auszug: "Die BRD (Bundesrepublik Deutschland, Anm.) ist uns egal und völlig gleich, denn unsere Heimat ist das Deutsche Reich. Die Republik ist uns egal, vollkommen gleich, denn unser Auftrag ist und bleibt das Deutsche Reich." Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er das Material auch mit dem Vorsatz der Verbreitung besaß.

Außerdem fand man bei ihm ein Messer mit einer Gesamtlänge von 18 cm und Klingenlänge von 8 cm, beidseitig scharfkantig geschliffen, obwohl ihm der Besitz von Waffen verboten war. In seiner Kutte war sogar eine eigens angefertigte Messerhaltung dafür. Der Angeklagte verweigerte im Laufe des Ermittlungsverfahrens die Aussage.

"Unsterblich Wien" bereits 2013 von Austria ausgeschlossen

"Unsterblich Wien" ist ein ehemaliger Fanclub der Wiener Austria. Im Rahmen einer Adaptierung des Maßnahmenkataloges gegen Radikalismus und Antisemitismus des Vereins wurden bereits 2013 alle namentlich bekannten Mitglieder und Unterstützer der Vereinigung mit Hausverboten belegt. Der Gruppierung wurde zudem der Fanclub-Status entzogen, und sie wurde aus dem Verein ausgeschlossen. Gegen mehrere Mitglieder gelten derzeit österreichweite Stadionverbote.

"Bei 'Unsterblich Wien' handelt es sich um eine mehrheitlich neonazistische Hooligangruppe des FK Austria Wien. Über die Stadien hinaus erhielt die Gruppe 2013 nach einem Angriff auf einen migrantischen Verein im 'Ernst-Kirchweger-Haus' in Wien-Favoriten Aufmerksamkeit", sagt der Rechtsextremismusforscher Andreas Peham vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes gegenüber der APA über die Gruppierung. 'Unsterblich Wien' unterhalte auch gute Kontakte zu neonazistischen Hooligans in ganz Europa, insbesondere zu jenen aus Bratislava und Brno.

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