Mega-Streit
"Einschüchterung" – FIFA-Direktor attackiert Infantino
Eine Mehrheit der FIFA-Mitgliedsländer hat sich gegen die umstrittenen Investorenpläne des Weltverbands ausgesprochen. Die 55 Mitgliedsverbände der Europäischen Fußball-Union (UEFA) hatten am Donnerstag in diesem Konnex gar mit einem WM-Boykott gedroht. Gegen die Pläne stellten sich auch die Verbände für Nord-, Mittelamerika und Karibik (CONCACAF/35) und Asien (AFC/46) - in Summe eine Mehrheit von 136 Stimmen. Zudem trat ein hochrangiger FIFA-Funktionär aus Protest zurück.
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"Als leitender Berater des FIFA-Präsidenten, früherer Banker und lebenslanger Fußball-Fan kann ich nicht tatenlos zusehen, wie die FIFA den Verkauf einer Beteiligung an der Weltmeisterschaft in Erwägung zieht", schrieb Carlos Cordeiro - ehemaliger Präsident des US-Verbandes, seit 2021 für die FIFA tätig. Er betonte, an den Plänen nicht beteiligt gewesen zu sein und diese entschieden abzulehnen. "Es ist ein schlechtes Geschäft für die FIFA-Mitgliedsverbände, ein schlechtes Geschäft für den Fußball und ein schlechtes Geschäft für die langfristige Zukunft dieses Sports", schrieb er. Cordeiro vertrat den Weltverband zuletzt in der Task Force des Weißen Hauses zur WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko.
FIFA-Direktor attackiert Infantino
Laut Nachrichtenagentur AP war der Funktionär in den vergangenen Wochen mehrfach zu Arbeitsbesuchen im Weißen Haus. Auch Betriebsdirektor Kevin Lamour scherte aus. Der französisch-schweizerische Doppelbürger warf Infantino vor, die Mitarbeiter hintergangen zu haben. Sie hätten Besseres verdient als Missachtung und Einschüchterung, hieß es in einem Schreiben, das der AP vorliegt. "Es ist das Projekt einer Person", schrieb Lamour und forderte indirekt Konsequenzen. "Nicht nur darf dieses Projekt nicht weitergehen. Aber die Zeit ist nun gekommen, dass sich die politischen Entscheidungsträger im Fußball die richtigen Fragen stellen und die richtigen Entscheidungen treffen." Seinen Rücktritt erklärte Lamour nicht. Er begründete dies mit der Verpflichtung gegenüber seinen Kollegen.
FIFA kontert: "Niemand verkauft den Fußball"
Noch vor Cordeiros Rücktritt und dem AFC-Veto zu den Plänen hatte sich am Freitag die FIFA gemeldet, man wolle trotz heftiger Kritik und Boykott-Drohungen am Vorhaben zur Gründung einer kommerziellen Tochtergesellschaft festhalten: "Unser geplanter Konsultationsprozess wurde durch irreführende Medienberichte gestört. Wir werden diesen Konsultationsprozess fortsetzen, um sicherzustellen, dass jeder Mitgliedsverband seine Stimme auf der Grundlage der tatsächlichen Fakten abgeben kann."
"Niemand verkauft den Fußball", beteuerte der Weltverband. "Das ist etwas, was die FIFA niemals in Betracht ziehen würde." Die FIFA Forward Enterprise (FFE) sei ausschließlich vorgeschlagen worden, um sicherzustellen, dass alle FIFA-Mitgliedsverbände die Möglichkeit haben, die kommerziellen Chancen des Fußballs in ihren jeweiligen Ländern sinnvoll zu nutzen. Wegen der Pläne sollte es "jedem Mitgliedsverband gestattet sein, den Vorschlag zu prüfen und bei der Gestaltung seiner eigenen Zukunft mitzureden."
Die FIFA hatte am Dienstag angekündigt, über die geplante Tochtergesellschaft FFE mehr als vier Milliarden Dollar (3,49 Mrd. Euro) von externen Investoren einwerben zu wollen. Auch künftige WM-Turniere sollen dann unter dem Dach der neu gegründeten FFE organisiert werden, dessen Mehrheitseigentümer der Weltverband wäre. Der Weltverband setzte mit 19. September eine Frist für die Zustimmung zum geplanten Investorendeal und versprach im Gegenzug eine Sonderzahlung.
"Fußball hätte nicht in diese Lage gebracht werden dürfen"
Die UEFA inklusive dem österreichischen Verband (ÖFB) hatte am Donnerstag betont, solange Europa eine Stimme habe, werde der Fußball nicht zum Verkauf stehen. "Europas Position ist eindeutig. Wir werden diesem Modell niemals unsere Legitimität verleihen. Niemand hat das moralische Recht, etwas zu verkaufen, das er lediglich treuhänderisch für die nächste Generation verwaltet", schrieb die UEFA nach einer Dringlichkeitssitzung. Norwegens Verbandspräsidentin Lise Klaveness sprach von einer "sehr ernsten Situation für den Fußball. Es ist dramatisch."
Asiens Verband folgte im Wesentlichen der Argumentation. Der AFC glaubt, dass der vorgeschlagene FFE realistischerweise nicht die erforderliche breite Zustimmung und Einheit erhalten kann, um weiter voranzukommen. Asiens Mitgliedsverbände lehnen die Pläne zwar nicht kategorisch ab, kritisieren aber die "beispiellosen Spaltungen, die sich in der gesamten Fußballwelt gezeigt haben". Dass ein WM-Boykott öffentlich diskutiert werde, "sollte jeden beunruhigen, dem die Zukunft unseres Sports am Herzen liegt. Der Fußball hätte niemals in eine solche Lage gebracht werden dürfen."
Die Debatte zeige zudem "grundlegende Schwächen" in den FIFA-Entscheidungsprozessen. Der Weltverband müsse für mehr Transparenz sorgen und Reformen anstoßen. "Dies ist nicht das erste Mal, dass wichtige Interessengruppen mit bedeutenden Initiativen konfrontiert werden, nachdem die Richtung offenbar bereits festgelegt wurde. Ein solcher Ansatz untergräbt das Vertrauen in das Führungssystem der FIFA und schmälert die Autorität ihrer satzungsmäßigen Gremien." Echte Demokratie beinhalte außer der Stimmabgabe auch Beratung, Beteiligung und transparente Führung.
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