"ODYSSEY"-PREMIERE
"Geschmacklos!": Zendaya erntet für Ohrringe heftige Kritik
Zendaya kann auf dem roten Teppich eigentlich nichts falsch machen. Die Schauspielerin gilt als eine der größten Stil-Ikonen Hollywoods, ihre Looks werden gefeiert, kopiert und regelmäßig zu viralen Fashion-Momenten. Kontroversen? Fehlanzeige. Bis jetzt.
Denn ausgerechnet bei der Londoner Promotion für Christopher Nolans neues Film-Epos "The Odyssey" geriet nicht Zendayas weißes Kleid, sondern ihr Schmuck in den Mittelpunkt. Die 29-Jährige trug riesige goldene Ohrringe, die perfekt zu ihrer Rolle als griechische Göttin Athene zu passen schienen. Das Problem: Bei den auffälligen Goldscheiben soll es sich nicht um antik inspirierte Schmuckstücke, sondern um echte, möglicherweise bis zu 3000 Jahre alte Artefakte aus dem heutigen Iran handeln.
Antike Schätze wurden zu Luxus-Ohrringen
Die goldenen Plaketten sollen aus dem ersten Jahrtausend vor Christus stammen und dem sogenannten Ziwiye-Komplex aus dem iranischen Kurdistan zugerechnet werden. Der Londoner Händler Barron London beschreibt sie als antike iranische Goldmedaillons, die vom Juwelier Glenn Spiro mit Diamanten und 18-karätigem Gelbgold zu modernen Ohrringen umgearbeitet wurden.
Damit trug Zendaya streng genommen nicht einfach Vintage-Schmuck, sondern jahrtausendealte Kulturgegenstände als Red-Carpet-Accessoire. Genau das sorgt im Netz nun für eine ungewohnt heftige Kritik-Welle gegen den Hollywood-Star.
Archäologinnen und Kulturhistoriker stellen vor allem eine Frage: Wie gelangten die antiken Stücke überhaupt aus dem Iran nach London?
Herkunft der Ohrringe ist nicht ausreichend geklärt
Die genaue Provenienz – also der dokumentierte Weg vom ursprünglichen Fundort bis zum heutigen Besitzer – ist öffentlich nicht nachvollziehbar. Kritiker befürchten deshalb, dass die Goldplaketten aus illegalen Ausgrabungen stammen oder irgendwann ohne Zustimmung des Herkunftslandes verkauft worden sein könnten.
Die Archäologin und Social-Media-Creatorin "Dr. Archaeology" kritisierte, über die Reise der Artefakte aus ihrer mutmaßlichen Heimat sei kaum etwas bekannt. Ihrer Ansicht nach bestehe der Verdacht, dass solche Stücke geplündert und anschließend als exklusive Luxusware für eine reiche Elite gehandelt werden könnten. Statt echter Artefakte hätte problemlos eine hochwertige Replik verwendet werden können.
Auch der Londoner Autor und Experte für islamische Kunst und Geschichte Zirrar Ali bezeichnete Zendayas Auftritt als "geschmacklos" und als Fortsetzung "orientalistischer Praktiken". Wenn westliche Stars Kulturgüter aus anderen Regionen als Schmuck tragen, könne dies als Machtdemonstration verstanden werden: Eine wohlhabende Elite schmückt sich mit dem kulturellen Erbe eines anderen Landes.
Der Zeitpunkt macht den Auftritt noch heikler
Besonders brisant ist der Schmuck-Auftritt aufgrund des aktuellen Konflikts zwischen den USA und dem Iran. In den vergangenen Tagen führten die USA erneut militärische Angriffe auf Ziele im Iran durch. Dass ausgerechnet eine amerikanische Schauspielerin zur selben Zeit mutmaßlich iranische Kulturgüter als glamouröses Accessoire trägt, empfinden Kritiker daher als unsensibel.
In den sozialen Netzwerken fallen Begriffe wie "Kolonialismus-Chic". Andere User verteidigen Zendaya hingegen und weisen darauf hin, dass Schauspielerinnen ihre Red-Carpet-Looks normalerweise gemeinsam mit Stylisten, Designern und Schmuckhäusern zusammenstellen. Ob Zendaya über die umstrittene Herkunft und die offenen Fragen rund um die Ohrringe informiert war, ist nicht bekannt.
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Vom Fashion-Triumph zum PR-Problem
Eigentlich sollte der Look eine raffinierte Verbindung zwischen Mode und Film herstellen. Zendaya spielt in "The Odyssey", der am 16. Juli in den Kinos startet, die Göttin Athene. Das weiße Kleid, die geflochtene Hochsteckfrisur und die monumentalen Goldscheiben wirkten wie eine moderne Interpretation der Antike. Fashionmäßig war der Auftritt daher perfekt durchdacht – historisch und politisch allerdings weniger.
Es ist kaum vorstellbar, dass Zendaya mit den Ohrringen bewusst provozieren wollte. Vermutlich sollte der Schmuck lediglich ihre Rolle aufgreifen und dem Look einen echten historischen Wow-Effekt verleihen. Doch bei jahrtausendealten Objekten mit unklarer Herkunft reicht eine gute Styling-Idee nicht aus. Eine hochwertige Nachbildung hätte vermutlich genauso spektakulär ausgesehen – ohne eine Debatte über mögliche Raubkunst, kulturelle Aneignung und Machtverhältnisse auszulösen.
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