Erschreckende Zahlen

Jeder 14. in Wien in Mindestsicherung

U-Bahnzug der Linie U3 fährt in den Bahnhof Ottakring in Wien ein.
© Peter Gugerell,
Österreichweit beziehen mehr als 200.000 Menschen Mindestsicherung oder Sozialhilfe. Wenig überraschend: In Wien ist die Dichte mit Abstand am höchsten. Rund 55.000 könnten sofort arbeiten. "NEOS und SPÖ dürfen die Realität nicht ignorieren", heißt es von der Volkspartei.
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Im Jahr 2024 war jeder 14. Einwohner der Bundeshauptstadt Mindestsicherungsbezieher. Im Bundesdurchschnitt ist es jeder 45., in Oberösterreich nur jeder 268. Einwohner. Auch alle anderen Bundesländer liegen deutlich unter dem Wiener Wert, wie eine Grafik der Agenda Austria zeigt.

Kreisdiagramm zeigt, dass in Wien jeder 14. Einwohner Mindestsicherung bezieht, österreichweit jeder 45.
Mindestsicherung: In Wien bezieht jeder 14. Einwohner Mindestsicherung © Agenda Austria

Hohe Kosten

Im Jahr 2025 verzeichnete Wien erneut Höchststände bei der Mindestsicherung. Die Ausgaben der Bundeshauptstadt beliefen sich auf über 1,13 Milliarden Euro.

  • 146.983 Wiener bezogen im Jahr 2025 die Wiener Mindestsicherung.
  • Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl um 2.205 Personen (-1%) gesunken.
  • 51% der Bezieher waren männlich (75.589 Personen) und 49% weiblich (71.394 Personen).
  • Vor zehn Jahren waren noch 12.500 Personen weniger in Wien in der Mindestsicherung, nämlich exakt 134.428 Menschen.

Die 146.983 Mindestsicherungsbeziehenden setzen sich zusammen aus

  • 57.400 Minderjährigen (0 bis 17 Jahre; 29.731 Buben, 27.669 Mädchen),
  • 13.250 arbeitsfähigen jungen Erwachsenen (18 bis 24 Jahre; 7.466 Männer, 5.784 Frauen),
  • 62.863 arbeitsfähigen Personen (25 Jahre bis gesetzliches Pensionsalter; 32.078 Männer, 30.785 Frauen) und
  • 13.470 dauerhaft arbeitsunfähigen Personen und Personen im Pensionsalter.

Rund 55.000 könnten sofort arbeiten

54.431 Beziehende stehen dem Arbeitsmarkt uneingeschränkt zur Verfügung, das heißt sie können sofort Arbeit aufnehmen und haben keine Einschränkungen wegen Betreuungspflichten oder einer laufenden Ausbildung.

2025 bezogen laut der Einmalzählung 179.097 Wiener*innen die Mindestsicherung, davon waren 93.253 Männer und 85.844 Frauen - diese Zahl zeigt, wer zumindest einen Monat im Jahr 2025 die Mindestsicherung bezogen hat.

Figl: "Wien darf kein Sozialmagnet bleiben"

Mit Verweis auf aktuelle Berechnungen der Agenda Austria erneuern der Landesparteiobmann der Wiener Volkspartei, Markus Figl, und Sozialsprecherin Gemeinderätin Ingrid Korosec ihre Forderung nach einer umfassenden Reform der Wiener Mindestsicherung.

"Wenn jeder 14. Wiener Mindestsicherung bezieht, dann ist das kein Zeichen eines funktionierenden Sozialsystems, sondern ein deutlicher Beleg dafür, dass Wien dringend Reformen braucht. Die Zahlen der Agenda Austria bestätigen genau das, worauf wir seit Jahren hinweisen: Die Wiener Mindestsicherung ist viel zu großzügig ausgestaltet und wirkt geradezu als Sozialmagnet", benennt Figl die Zustände in der Hauptstadt.

Denn in Wien ist es jeder 14. Einwohner, der Mindestsicherung bezieht, während es in Oberösterreich nur jeder 268. Einwohner ist. Pro Einwohner gibt die Bundeshauptstadt mit 487 Euro auch ein Vielfaches aller anderen Bundesländer aus.

"Ein Sozialsystem muss Menschen in schwierigen Lebenslagen unterstützen und sie möglichst rasch wieder in Beschäftigung bringen. Es darf aber keine dauerhafte Alternative zum Erwerbseinkommen werden. Leistung muss sich in Wien endlich wieder lohnen", betont Korosec.

"NEOS und SPÖ dürfen Realität nicht ignorieren"

Die Wiener Volkspartei fordert sofort eine umfassende Reform der Wiener Mindestsicherung. Dazu zählen insbesondere eine Staffelung der Kinderrichtsätze bei Mehrkindfamilien nach dem Vorbild anderer Bundesländer, stärkere Sanktionen bei mangelnder Arbeitsbereitschaft und klare Regeln gegen Missbrauch.

"Die Zahlen der Agenda Austria sind ein weiterer Weckruf. SPÖ und Neos dürfen die Realität nicht länger ignorieren. Wien braucht endlich ein Sozialsystem, das jenen hilft, die Hilfe brauchen, gleichzeitig aber Leistung fördert und Fehlanreize konsequent beseitigt", so Figl.

"Arbeit muss attraktiver sein als der Bezug von Sozialleistungen"

Die Statistik verdeutlicht die erheblichen Unterschiede zwischen den Bundesländern und wirft Fragen nach ihren Ursachen auf. Ein leistungsfähiger Sozialstaat soll Menschen in Not wirksam unterstützen, gleichzeitig aber auch Anreize setzen, damit sich Erwerbsarbeit gegenüber dem Bezug von Sozialleistungen lohnt, heißt es von der Agenda.

"Ein Sozialstaat muss jenen helfen, die Hilfe brauchen. Und nicht jenen, die durchschaut haben, wie man am einfachsten möglichst viele Leistungen bekommt. Gleichzeitig muss Arbeit attraktiver sein als der Bezug von Sozialleistungen", sagt Agenda Austria-Ökonom Dénes Kucsera.

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