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Klagen, Dossiers & Intrigen im Rennen um ORF-Top-Job

ORF-Zentum am Küniglberg
ORF-Zentum am Küniglberg © APA/GEORG HOCHMUTH

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ORF-Wahlschlacht. Es könnte die wohl schmutzigste Wahl seit Jahrzehnten werden. Indem Favoriten mittels Klagen, Gerüchten und Dossiers zu Fall gebracht werden sollen und die Regierung gleich mit stürzen könnte. Die Rede ist von der – erraten! – der ORF-Generaldirektorenwahl und den diversen politischen Ränkespielen vor und nach der Wahl am 11. Juni.

VP & SP im "patscherten Postenschacher"

Vorab: Der bisherige APA-CEO Clemens Pig – der Medienmanager galt als bislang durchaus unabhängig – ist an sich der klare Favorit. Aber: Die ÖVP ließ ebenso wie Teile der SPÖ frühzeitig kolportieren, dass der Tiroler der Kandidat von Bundeskanzler Christian Stocker sei und, dass Wiens Bürgermeister Michael Ludwig und SPÖ-Chef Babler das abgesegnet hätten. ÖVP-General Marchetti sprach seine Vorliebe für Pig sogar offiziell aus. Für die Konkurrenz von Pig und natürlich sämtliche andere Parteien ein gefundenes Fressen.

Klagen. Im oe24-Gespräch kündigt ORF-FPÖ-Stiftungsrat Peter Westenthaler bereits Klagen oder Anzeigen im Fall eines Pig-Sieges an. Er erhebt den klaren Vorwurf "des grauslichen Postenschachers". Das soll freilich auch den einen oder anderen ORF-Stiftungsrat einschüchtern, der immerhin persönlich haftet. Nach dem erstinstanzlichen Urteil gegen Ex-ÖVP-Klubchef August Wöginger ist die Nervosität in den Parteien höher als sonst.

Derzeit gebe es vor allem "Anzeichen für einen besonders patscherten Postenschacher", sagen selbst ÖVPler und SPÖler mit gewisser Distanz zu Stocker und SPÖ-Stiftungsratsvorsitzendem Heinz Lederer. Pig sei aber weiterhin der ¬klare Favorit.

Klage von Doskozil in Vorbereitung

Wer ebenfalls – es wäre nicht die erste Klage – ein juristisches Vorgehen gegen diese Vorgangsweise prüfe, sei Burgenlands SPÖ-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. Sein Stiftungsrat, ebenso wie jener, der von Babler entsandt wurde, Leonard Dobusch, dürften sich nicht an mutmaßliche Vereinbarungen halten wollen. Sie könnten, ebenso wie vereinzelte ÖVP-Stiftungsräte und die pinken Aufsichtsräte für den zweiten Favoriten, Ex-Puls4-Chef Markus Breitenecker stimmen. Er dürfte allerdings die ORF-Betriebsräte gegen sich haben. Sie könnten noch Dobusch Richtung Lisa Totzauer ziehen. Sie, die ORF-Magazin-Chefin, hat die ORF-Korrespondenten und einige Frauen im ORF-Stiftungsrat hinter sich.

Blaue Reserve. Als Vierte im Bunde – es haben sich weit mehr beworben, aber mit keinen Chancen – ist auch ORF3-Chefin Kathrin Zierhut ins Rennen um den ORF-Chefjob gestiegen. Sie ist eine Personalreserve der FPÖ, gilt als Ex-Personalchefin des ORF als qualifiziert und dürfte die Stimmen der blauen Stiftungsräte erhalten.

Sie könne – als qualifizierte Frau – im Nachhinein klagen. Andere glauben, sie könnte sich so einen anderen Top-Job – die kaufmännische Direktion – vom neuen ORF-Chef (Chefin) sichern. Der Haken: Das ist der Job, den die SPÖ für sich beansprucht.

Lachende Dritte bei Wahl am 11. Juni?

Stichwahl-Krimi. Die Türkisen innerhalb der ÖVP – sie wollten ursprünglich Krone-Hit-Chef Philipp König, dürften ebenfalls diesen Job oder jenen des COO (derzeit gibt es diesen Posten im ORF nicht) für König beanspruchen.

Und jetzt wird es spannend: Es könnte nämlich sein, dass im ersten Wahlgang – das war selbst bei Alexander Wrabetz einst so – noch keiner die benötigte Mehrheit von 17 Stiftungsräten habe.

Dann könnte es zu einer Stichwahl zwischen Pig und Breitenecker oder Pig und Totzauer kommen. Je nachdem, wer dann in wessen Team einen Platz habe, "könnte dann eine Mehrheit haben". Clemens "Pig bleibt der klare Favorit, aber wenn es so schmutzig weiter geht, kann es am 11. Juni eine Überraschung samt lachendem Dritten oder lachender Dritter geben", sagen einige ORF-Insider.

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