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Marko: "Beschämend für die Formel 1"

Marko (Mitte) im Mai 2025 im Gespräch mit Verstappen (r.) und Horner.
© gepa
Helmut Marko über den Chaos-GP in Malaysia, Verstappens ersten Sieg mit dem Red-Bull-Motor und die Biografie von Christian Horner, in der der 83-jährige Grazer sein Fett abbekommt.
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Vor einem Jahr hätte man  Marko zwischen den Rennen in Malaysia und Singapur vermutlich nur für ein kurzes Telefon-Statement erreicht. Doch nach seinem Rückzug aus der Formel 1 verbringt der "Doktor" die Renn-Wochenenden entspannt vorm TV. Und obwohl er täglich in seinem Grazer Büro seine Hotel-Angelegenheiten regelt, bleibt ihm auch Zeit, den goldenen Herbst u. a. in seiner Forstwirtschaft bei Graz zu genießen.

oe24: Herr Marko, wie haben Sie den Chaos-GP in Malaysia erlebt?

HELMUT MARKO: Ganz entspannt vorm Fernseher, wie ein normaler Formel-1-Konsument. Die Zusatz-Bildschirme, die ich einrichten ließ, hab ich schon nach dem ersten Grand Prix abgebaut. Mir reicht inzwischen das, was ich im Fernsehen sehe, wobei die Warterei wegen der langen Regenunterbrechung richtig langweilig war. Dass ein Highend-Produkt wie die Formel 1 durch ein Software-Problem gestoppt wird, ist schon beschämend. Andererseits hilft diese Blamage, dass man wieder umdenkt. Die Rückkehr zum V8-Motor mit Turbo 2030 ist so weit ich weiß beschlossene Sache.

oe24: Wobei das Renn-Ergebnis dann nach Ihrem Geschmack war, oder?

MARKO: Das Rennen selbst war dann toll, wobei ich mich über ein echtes Regenrennen gefreut hätte, aber dazu hat man zu lange gewartet. So hab ich mich mit Max gefreut und mit Red Bull für den ersten Sieg mit dem eigenen Motor. Es ist schon beeindruckend, was da gelungen ist. Denken Sie nur zurück, wie lange zum Beispiel Honda damals gebraucht hat ...

"Singapur ist der einzige Sieg, der Max noch fehlt"

oe24: Aber genau das haben Sie beim Saisonstart vorausgesagt - dass es am Anfang schwierig werden würde und dass Sie Red Bull in der zweiten Saisonhälfte den ersten Sieg mit dem eigenen Motor zutrauen würden ...

MARKO: Dabei war das Chassis schuld, dass es nicht schon früher geklappt hat. Max hat gemeint, dass er es für möglich hält, in Singapur (beim nächsten GP am 11. Oktober, d. Red.) endlich zu gewinnen. Das ist bekanntlich der einzige Sieg, der ihm noch fehlt.

oe24: Haben Sie mit Max Verstappen seit Sonntag gesprochen?

MARKO: Ich hab ihm eine Nachricht geschickt und ihm gratuliert. Er hat sich bedankt und gemeint, dass er sich schon auf Singapur freut.

oe24: In unserem letzten Gespräch meinten Sie, dass es richtig war, dass er bei Red Bull bleibt.

MARKO: Malaysia hat gezeigt, wozu Max imstande ist. Es hat mit einem starken Training am Freitag begonnen, auf das Red Bull sukzessive aufbauen konnte. Dass Antonelli im Rennen mit dem starken Start gegengehalten hat, war erfrischend - genauso wie der aggressive Fahrstil, mit dem er mich immer wieder beeindruckt.

oe24: Erwarten Sie, dass das Duell Verstappen gegen Antonelli die WM 2027 wieder spannend machen wird?

MARKO: Davon können Sie ausgehen.

Marko über Horner-Biografie: "Schumacher hat sehr gut reagiert"

Am 22. Oktober erscheint die Autobiografie von Christian Horner ("Drive"), in der der ehemalige Red-Bull-Teamchef behauptet, Marko, damals Motorsportberater bei Red Bull, hätte den jungen Max Verstappen überhaupt nicht im Team haben wollen, wobei Papa Jos eine entscheidende Rolle gespielt haben soll.

Marko: "Ich ignoriere das so weit wie möglich. Ralf Schumacher hat da sehr gut reagiert." Der Sky-Experte bezeichnete die Horner-Darstellung als "absolut gelogen" und erinnert sich so an die Geschichte: "Marko hat Max im zarten Alter von elfeinhalb Jahren angesprochen. Damals sagte Jos, dass es ihm noch zu früh sei. Daraufhin war der Doktor, wie man ihn kennt, ein bisschen eingeschnappt und meinte: ,Okay, wenn du nicht willst, dann eben nicht.'"

Marko: "Es war gut so, wie es gelaufen ist. Max war damals im Kart erfolgreich, und davon hatten wir keine Ahnung. Später in der Formel 3 hätte man sich wieder angenähert, und daraus ist die beispiellose Erfolgsstory entstanden. Marko: "Ich hab Max in die Formel 1 geholt und musste mich beim ersten Rennen für Red Bull in Barcelona (das Verstappen gewann, d. Red.) gegen Horner durchsetzen. Der meinte, Max wäre zu jung, zu unerfahren ..."

Ob er die Horner-Biografie lesen wird, weiß Marko noch nicht. Zeit hätte er jetzt jedenfalls dafür.

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