Olivia Colman & Co.
Paris Fashion Week: Darum schickte Miu Miu Hollywood statt Models über den Laufsteg
Wer bei einer der wichtigsten Shows der Paris Fashion Week mit Bella Hadid, Kendall Jenner und einer Armada an internationalen Topmodels gerechnet hatte, dürfte am Sonntag kurz zweimal hingesehen haben. Auf dem Laufsteg von Miu Miu erschien plötzlich Olivia Colman. Die 52-jährige Oscarpreisträgerin, die man eher aus "The Favourite" oder "The Crown" als vom Catwalk kennt, präsentierte einen dunklen Leder-Look und lief mit zurückgebundenem grauem Haar durch das Palais d’Iéna.
Doch Colman war keineswegs die einzige Schauspielerin, die Miu Miu kurzerhand zum Model machte.
Hollywood erobert den Miu-Miu-Runway
Neben ihr liefen unter anderem Emma Corrin, Jamie Bell, Noah Jupe, Katherine Waterston, Louisa Jacobson, Chandler Kinney und Igby Rigney. Dazu kamen Schauspielerin und Tänzerin Hortense de Gromard, Ella Bleu Travolta sowie Künstlerin Bunny Rogers. Klassische Supermodels waren zwar ebenfalls vertreten – etwa Gigi Hadid und Liu Wen –, bildeten in diesem ungewöhnlichen Cast aber fast schon die Ausnahme.
Dass Gigi Hadid ausgerechnet ihr Miu-Miu-Debüt zwischen Oscarpreisträgerinnen und Hollywoodstars gab, zeigt ziemlich gut, worum es bei dieser Show ging: Die Persönlichkeit der Menschen in den Kleidern sollte mindestens genauso interessant sein wie ein perfekter Model-Walk.
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Warum Miu Miu lieber Charaktere als perfekte Models zeigt
Miu Miu nannte die Frühjahr/Sommer-Kollektion 2027 "Here and Now". Im Zentrum steht die Idee, ganz normale Kleidung aus unserem Alltag neu zu betrachten. Sportswear, Strick, Leder und Vintage-Teile treffen auf klassische Anzüge, Cocktailkleider und aufwendig bestickte Abendmode. Miu Miu beschreibt die Kollektion selbst als eine Aufwertung und Neuinterpretation jener Stücke, die unsere Alltagsgarderobe ausmachen.
Trackpants werden plötzlich elegant, Sport-BHs treffen auf funkelnde Röcke, Sneakers auf klassische Silhouetten. Miuccia Prada erklärte, die Kombination von Sport und Eleganz habe sie schon lange beschäftigt, diesmal habe sie diese Idee allerdings so konsequent wie noch nie umgesetzt.
Und genau hier wird auch das ungewöhnliche Casting interessant.
Denn wenn es in einer Kollektion um Kleidung aus dem echten Leben geht, erscheint ein Laufsteg voller Menschen mit wiedererkennbaren Gesichtern fast logischer als eine Reihe anonymer Models. Eine Olivia Colman bringt automatisch eine andere Geschichte, ein anderes Alter und eine andere Haltung mit auf den Laufsteg als ein 18-jähriges Newcomer-Model. Die präsentierte Kleidung bekommt dadurch einen Charakter.
Das Celebrity-Casting fügt sich also genau in die Idee der Kollektion ein: Mode soll nicht losgelöst von der Person funktionieren, die sie trägt.
Auch das Casting selbst erzählt eine Geschichte
Besonders spannend: Einige der ausgewählten Stars haben einen direkten Bezug zu Bewegung und Tanz. Jamie Bell wurde mit seiner Rolle als junger Tänzer in "Billy Elliot" weltberühmt, Hortense de Gromard absolvierte eine klassische Tanzausbildung in Paris. Auch Ella Bleu Travolta bringt über ihren Vater John Travolta eine offensichtliche Verbindung zur Tanz- und Popkultur mit.
Das passte zur gesamten Inszenierung. Der violette Runway erinnerte mit weißen Linien an einen Sportplatz, die Gäste saßen wie auf Tribünen. Dazu präsentierte Miu Miu eine neue Version seiner New-Balance-Kollaboration sowie eine Zusammenarbeit mit Wrangler.
Selbst die Schauspieler auf dem Laufsteg wirkten damit weniger wie klassisches Celebrity-Casting und mehr wie Teil einer durchdachten Besetzung.
Miu Miu macht das nicht zum ersten Mal
Ganz neu ist der Trick allerdings nicht. Miuccia Prada liebt es schon länger, die Grenzen zwischen Model, Schauspieler und Künstler verschwimmen zu lassen. In vergangenen Miu-Miu-Shows liefen bereits Gillian Anderson, Willem Dafoe und Troye Sivan, Emma Corrin stand ebenfalls schon für das Label auf dem Catwalk.
Andere Modehäuser setzen ihre A-Lister möglichst sichtbar in die Front Row. Miu Miu stellt sie einfach auf den Laufsteg.
Vielleicht ist auch genau das der Grund, warum die Marke derzeit so gut versteht, wie Mode im Jahr 2026 funktioniert: Eine Kollektion muss längst nicht mehr nur schöne Kleidung zeigen. Sie muss innerhalb weniger Sekunden eine Geschichte erzählen, die auch außerhalb der Fashion-Bubble verstanden wird. Und fest steht: Eine Oscarpreisträgerin auf dem Laufsteg schafft das zweifellos besser als Model Nummer 27.
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