Das oe24-Interview

Pizzera über Seiler: "Ich hoffe, dass er sich von sich erholt hat!"

Zwei Männer in bunten Hemden sitzen am Pool und unterhalten sich entspannt.
© YouTube
Mit dem eindringlichen AUT of ORDA-Hit "Papa" macht Paul Pizzera körperliche und seelische Gewalt an Kindern zum Thema. Das oe24-Interview über "gsunde Watschen", befreiende Tränen und seinen Ex-Band-Kollegen Christopher Seiler.
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Mit dem neuen Song "Papa" vertonen Sie körperliche und seelische Gewalt an Kindern

Paul Pizzera: Der Song ist sehr emotional und auch sehr wichtig. Die Idee dahinter war mir, dass man den Schützenswertesten in der Gesellschaft eine Stimme gibt. Eben den Kindern. Das ist natürlich ein schwieriges Thema. Aber schwierig ist oft ein anderes Wort für notwendig!

Ein Sänger kniet singend auf der Bühne, daneben spielt ein Gitarrist, buntes Licht im Hintergrund.
Paul Pizzera vertont mit dem neuen AUT of ORDA-Hit "Papa" auch seine schwere Kindheit. © Thomas Zeidler

Wieviel ist autobiografisch?

Pizzera: Ja es gab die "gsunde Watschen". Das ist keine künstlerische Freiheit. Und es tut auch gut das zu erwähnen, denn warum soll ich mich schämen, dass ich schlecht behandelt wurde? Und  Ja ich war auch Bettnässer. Bis sieben, glaube ich. Das war Ängsten geschuldet. Dazu steh ich auch! Und ich glaube, dass auch das mehr Kinder betrifft, als man sich vorstellen kann!

Wie schwierig war das Aufarbeiten?

Pizzera: Das war total befreiend. Es ist natürlich so wie bei jedem Song, dass nicht alles autobiografisch ist, aber ich habe wirklich keine schöne Beziehung gehabt zu meinem Erzeuger. Aber es war total befreiend und schlummerte schon länger in mir.

So klingt der emotionale Song "Papa":

Eine Art Therapie?

Pizzera: Für mich ist der Song auf jeden Fall befreiend. Auch weil es eben so war und man den Menschen auch damit sagen kann, dass sie nicht alleine sind. Ein befreiender Song!

Sie sagen Erzeuger und nicht Papa…

Pizzera: Das Wort "Papa" muss man sich erst verdienen. Ja, Du hast mir das Leben geschenkt. Gratuliere! Du hast mich in die Welt hineingeworfen, also sei dann auch da für mich! Und sonst nimm ein Kondom! Ich bin mit 17 ausgezogen Und habe auch keinen Kontakt mehr. Und das ist gut so. Es geht mir jetzt besser. Und ich würde es auch nicht wollen, wenn er sich jetzt wegen dem Song bei mir meldet.

Das sind die Tourdaten von AUT of ORDA:

  • Samstag 2. Oktober 2026: Salzburg, Szene
  • Sonntag, 3. Oktober 2026: Amstetten, Pölz Halle
  • Donnerstag, 8. Oktober 2026: Graz, Orpheum
  • Freitag 9. Oktober 2026: Linz, Posthof
  • Samstag 10. Oktober 2026: Wien, Gasometer
  • Freitag 9. Juli 2027: Finkenstein, Burg Arena
  • Samstag 10. Juli 2027 Langenlois, Langenlois Bloomt

Ab 2. Oktober gehen Sie damit auch auf Tour. Welche Reaktionen des Publikums erwarten Sie?

Pizzera: "Papa" lädt dazu ein, seinen eigenen Film vor sich ablaufen zu lassen und sich in diese angenehme Schwere reinfallen zu lassen. Jedes Gefühl soll dazu raus: Auch Tränen!  Denn es gibt auf der ganzen Welt keinen Menschen, dem es schlechter geht, nachdem er geweint hat. Tränen sind fein und befreiend! Wenn du traurig bist, ist das nur der Beweis dafür, dass deine Seele noch funktioniert.

Weiße Maus auf blauem Hintergrund, darüber der Text „AUT of ORDA“ und unten „Die Leichtdichtheit des Seins“.
AUT of ORDA liefern am 18. September das neue Album "Die Leichtdichtheit des Seins". © töchtersöhne records

Am 18. September kommt das neue Album "Die Leichtdichtheit des Seins"

Pizzera: Da sind natürlich nicht nur so schwere Themen wie "Nazis gegen Rechts" oder "Papa" drauf, sondern auch  "No-Brainer". Weil das Leben manchmal eben profan ist und dann wieder sehr seriös. Und genau diesen Spagat wollen wir schaffen.

Drei Männer sitzen entspannt auf einem Sofa und lächeln in die Kamera.
Paul Pizzera, Daniel Fellner und Christopher Seiler gründeten 2023 AUT of ORDA. Seiler steig 2024 aus. © Thomas Zeidler

Das ist das erste Album ohne Chistopher Seiler …

Pizzera: Jetzt ist die Spielwiese noch größer, Noch freier. Noch unbeschwerter. Beim ersten Album hatten wir noch ein bisschen Zeitdruck. Jetzt machen wir wirklich Musik um der Musik willen. Und sprechen dabei auch Themen an, die eben nicht so verträglich sind.

Haben Sie noch Kontakt zu Seiler?

Pizzera: Nein, aber es ist durch seinen Ausstieg jetzt nicht so viel anders, weil ja ohnedies Daniel und ich die meiste Hackn gemacht haben! Ich hoffe, dass er sich von sich erholt hat. Und dass er das durchzieht, was er den Leuten gesagt hat!

Seiler? "Ich möchte jeden Menschen, den ich kenne, grüßen können!"

Was, wenn sie sich wieder treffen?

Pizzera: Ich möchte jeden Menschen, den ich kenne, grüßen können. Und alles andere schauen wir dann an, wenn es so weit ist.

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