Harte Ansage
Torwart-Legende Kahn geht auf deutschen Fußball los
Hierzulande werde Sport noch immer in der Überzeugung betrieben, "dass allein der Sport für sich sprechen muss".
Hierzulande werde Sport noch immer in der Überzeugung betrieben, "dass allein der Sport für sich sprechen muss". In den USA dagegen werde er "konsequent als Gesamterlebnis gedacht – vom College-Sport bis zur NFL". Der Ex-Boss sieht zwar "eine einzigartige Fankultur und eine starke emotionale Bindung", warnt jedoch vor deutlichen Defiziten.
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Kahn fordert echten Mut
Er bemängelt: "zu viel Angst vor Kritik, zu wenig Mut zur Inszenierung. Zu viel Verwaltung, zu wenig Vision." Kahn stellt klar: "Wäre es ein Fehler, zu fordern, Deutschland solle das US-System einfach kopieren". Tradition dürfe aber "nicht dazu führen, notwendige Veränderungen zu blockieren". Der deutsche Fußball müsse nicht werden wie der US-Sport, "aber er muss verstehen, warum dieser weltweit so erfolgreich ist – und den Mut haben, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen".
Der deutsche Fußball verliert
Ein weiterer zentraler Punkt betrifft die Athleten selbst. In den USA werden Sportler früh als eigene Persönlichkeiten aufgebaut, da Selbstinszenierung Teil des Systems ist. Der ehemalige Nationalkeeper betont: "Die Sportler haben Profile, Haltung, Ecken und Kanten. Sie sind nicht nur Leistungsträger, sondern auch Identifikationsfiguren. Daraus entstehen Geschichten – und aus Geschichten entsteht Bindung." Im deutschen Fußball werde dagegen "Individualität weniger gefördert, es geht vor allem um Fehlervermeidung und Kontrolle". Vieles wirke dadurch zwar hochprofessionell, aber auch deutlich "glatter und berechenbarer".
Kahn warnt vor Glätte
Ohne markante Charaktere fehlen laut der Analyse die notwendigen Emotionen im Spiel. Der Ex-Boss zieht daraus einen klaren Schluss: "Spieler sind nun einmal Projektionsflächen. Und ohne diese verliert ein Sport an Strahlkraft – gerade in einem globalen Wettbewerb um Aufmerksamkeit." Wer nur darauf hoffe, dass der Sport für sich selbst spricht, habe in diesem harten Wettbewerb bereits im Vorfeld verloren. Obwohl der Kritiker als langjähriger Vorstand selbst Teil des Apparats war, ist seine Sichtweise ein wichtiger Impuls für die Zukunft. Ob die Verantwortlichen der Branche nun zuhören, bleibt abzuwarten; bislang deutet wenig darauf hin.
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