Nach Flydubai-Angriff
"Wie 11. September" - Al-Kaida ruft zu neuen Flugzeug-Anschlägen auf
Nach dem vereitelten Angriff auf einen Flydubai-Flug sorgt nun ein neuer Terror-Aufruf für internationale Besorgnis. Eine der Al-Qaida nahestehende Publikation hat zu weiteren Attacken auf Passagierflugzeuge aufgerufen und dabei ausdrücklich die Anschläge vom 11. September 2001 als Vorbild genannt. Der Aufruf steht dabei in direktem Zusammenhang mit dem Angriff auf den Flydubai-Flug FZ1073 von Dubai nach Tel Aviv.
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Bei dem Vorfall am Mittwoch hatte der 29-jährige omanische Co-Pilot Hamam al-Hammami den Kapitän im Cockpit mit einer Notfall-Axt angegriffen und versucht, die Kontrolle über die Maschine zu übernehmen. Der Pilot wurde verletzt, konnte jedoch die Cockpittür öffnen. Daraufhin griffen Besatzungsmitglieder und Passagiere ein und überwältigten den Angreifer. Das Flugzeug geriet während des Angriffs in einen starken Sinkflug und verlor innerhalb kurzer Zeit mehrere Tausend Meter an Höhe. Schließlich wurde die Maschine nach Tabuk in Saudi-Arabien umgeleitet und konnte dort sicher landen.
Die Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate stufen den Vorfall inzwischen offiziell als versuchten Terroranschlag ein. Generalstaatsanwalt Hamad Saif Al Shamsi erklärte, der Co-Pilot habe versucht, die Kontrolle über das Flugzeug zu erlangen. Die Ermittler untersuchen weiterhin sein Motiv, mögliche Verbindungen zu anderen Personen oder Organisationen sowie digitale und physische Spuren.
Hinweise auf Radikalisierung
Besonders brisant ist der Hintergrund des mutmaßlichen Täters. Al-Hammami soll zuvor bei der staatlichen Oman Air gearbeitet haben. Nach Angaben mehrerer Medien wurde er dort wegen Bedenken hinsichtlich extremistischer Ansichten vom Flugbetrieb abgezogen beziehungsweise nicht mehr als Pilot eingesetzt. Später wechselte er zu Flydubai. Warum er trotz dieser Vorgeschichte als Co-Pilot eingesetzt werden konnte, gehört zu den Fragen, die nun untersucht werden.
Auch seine Aktivitäten in sozialen Netzwerken stehen im Fokus. Nach dem Angriff erschienen auf seinen Profilen Beiträge, obwohl er zu diesem Zeitpunkt bereits festgenommen worden war. Darunter sollen Aufnahmen aus Cockpits sowie Bilder des früheren Al-Qaida-Chefs Aiman al-Sawahiri gewesen sein. Auch der Name des jordanischen Arztes Humam al-Balawi tauchte auf. Balawi hatte 2009 bei einem Selbstmordanschlag auf einem CIA-Stützpunkt in Afghanistan mehrere Menschen getötet und galt als Unterstützer von Al-Qaida. Unklar ist allerdings, wer die Beiträge veröffentlichte und ob sie möglicherweise bereits vor dem Angriff zur automatischen Veröffentlichung vorbereitet worden waren.
Al-Qaida nutzt den Vorfall für Propaganda
Vor diesem Hintergrund gewinnt der neue Aufruf aus dem Al-Qaida-Umfeld besondere Bedeutung. Die Terrororganisation beziehungsweise ihr nahestehende Kreise versuchen offenbar, den Vorfall propagandistisch auszuschlachten und Nachahmer zu mobilisieren. Dabei wird der Angriff vom 11. September als historisches Beispiel für Anschläge mit Passagierflugzeugen herangezogen.
Ob der Flydubai-Angriff tatsächlich von Al-Qaida gesteuert oder inspiriert wurde, ist derzeit allerdings nicht abschließend geklärt. Die Ermittlungen sollen gerade klären, ob al-Hammami Verbindungen zu einem Terrornetzwerk hatte oder eigenständig handelte. Auch die israelischen Sicherheitsbehörden untersuchen den Fall. Fest steht bislang: Der Angriff ereignete sich auf einem Flug nach Israel, und die Ermittler prüfen neben der persönlichen Radikalisierung des Co-Piloten auch mögliche organisatorische Verbindungen.
Der Fall wirft damit nicht nur Fragen zur Sicherheit im Cockpit auf. Er beschäftigt die Behörden auch deshalb, weil al-Hammami trotz früherer Bedenken gegen seine Person Zugang zum Cockpit eines internationalen Passagierflugzeugs erhielt. Wie es dazu kommen konnte und ob weitere Personen von seinen Plänen wussten, soll die laufende Untersuchung klären.
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