WKO-Machtkampf
Geheimer Ruck-Leak: "Walter wird nicht zurücktreten"
Nachdem zuletzt Protokolle von Gesprächen, die der Wiener Wirtschaftskammer-Präsident Walter Ruck (ÖVP) in vertrauter Runde geführt hat, geleakt wurden, steht der Unternehmer im Blickpunkt des öffentlichen Interesses. Es steht die Frage im Raum, ob der Kammerchef Einfluss auf die Vergabe von Posten und Wahl-Listenplätzen genommen hat.
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Wie "Profil" berichtet, könnte Ruck die Kandidatur eines seiner Söhne für die Wien-Wahl im vergangenen Jahr ermöglicht haben. Bekanntlich hat die damalige Döblinger ÖVP-Gemeinderätin Margarete Kriz-Zwittkovits auf ein neuerliches Antreten verzichtet. Brisant: Ruck selbst soll dazu den "Befehl" erteilt haben. Somit sei der Weg für Rucks Sohn freigeworden, als ÖVP-Spitzenkandidat im 19. Wiener Gemeindebezirk anzutreten. Das Wahlergebnis ließ schlussendlich aber nicht zu, dass dieser ein Mandat erhielt.
Kriz-Zwittkovits: "Stehen hinter Ruck"
Am Montag reagierte Kriz-Zwittkovits in einer Presseaussendung auf die "Medienberichte über angebliche Zitate um ein Transkript einer unbestätigten und potenziell illegal angefertigten Tonaufnahme". "Zu den Berichten über mein Nicht-Antreten kann ich festhalten, dass es dazu nie ein Gespräch mit Walter Ruck gab und dies meine freie Entscheidung war, nicht als Spitzenkandidatin zur Verfügung zu stehen. Die Kampagne gegen Walter Ruck läuft auch hier ins Leere", so die gebürtige Eisenstädterin.
In dem Dokument unterstreicht die Obmann-Stellvertreterin des Wirtschaftsbund Wien und Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Wien ihre Loyalität gegenüber dem WKW-Präsidenten: "Wir stehen hinter Walter Ruck, weil wir ihn aus jahrzehntelanger Zusammenarbeit genau kennen ... Wir wissen ja, dass Männer sich untereinander gern flapsig unterhalten – sofern das in dieser Form überhaupt stattgefunden hat. Was aber zählt, ist die Realität ... Und diese Bilanz ist zehnmal stärker, als es flapsige Sager in einer Männerrunde je sein könnten."
Bundeskanzler Stocker will Aufklärung
Bundeskanzler und ÖVP-Chef Christian Stocker verlangt unterdessen eine Aufklärung. Denn: Sollten die Vorwürfe der Wahrheit entsprechen, könne dies nicht ohne Konsequenzen bleiben. "Die medial kolportierten Aussagen sind zutiefst irritierend und widersprechen dem Frauenbild und Politikverständnis der Volkspartei", teilte er am Montag mit - alle Vorwürfe müssten aufgeklärt werden, fordert er.
Deutlich schärfer fiel die Reaktion von Martha Schultz, Präsidentin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), aus. "Wir befinden uns mitten in einem Reformprozess, um das in der Vergangenheit verspielte Vertrauen sukzessive wieder zurückzugewinnen. Aus diesem Grund haben mich die Aussagen von Walter Ruck umso mehr getroffen, denn diese entsprechen in keiner Weise unserem Weltbild noch unserer Kultur, wie Entscheidungen getroffen werden", so Schultz zur APA. "Ich bin überzeugt davon, dass sich Walter Ruck der Tragweite seiner Äußerungen bewusst geworden ist und weiteren Schaden von der Wirtschaftskammer abwenden will. Ich gehe davon aus, dass er die richtigen Schritte setzen wird."
"Keine Sorge, Walter wird nicht zurücktreten"
Im Wiener Wirtschaftsbund wird indes Stimmung für Ruck gemacht. In einer internen Mitteilung von WB-Direktor Florian Kollenz - sie liegt oe24 vor - heißt es: "Wir lassen uns wegen unbestätigter Aussagen aus einer potentiell illegal angefertigten Tonaufnahme unseren Präsidenten von niemandem herausschießen."
Kritik äußert Kollenz auch an der ÖVP und Wirtschaftskammer: "Wir hören täglich, dass sich Wiens Unternehmen mehr Einsatz der Bundesregierung gegen die Inflation und den Bürokratiewahnsinn erwarten, hier wäre ein Betätigungsfeld für Bundespolitiker zu finden, um sich sinnvoll zu beschäftigen. Es irritiert auch ein wenig, dass man nun Stimmen aus der Wirtschaftskammer Österreich wahrnimmt, wenn es gegen die eigenen Leute geht."
Und: "Keine Sorge, Walter wird nicht zurücktreten", heißt es in der Mitteilung. Denn die "Wirtschaftsbund Wien-Familie" halte zusammen, "wenn es notwendig ist".
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