Ernährungstipps von Hundertjährigen

Mit dieser Ernährung können Sie (fast) ewig leben

Alte Menschen
© Getty Images
Seit Jahrhunderten träumen die Menschen vom Heiligen Gral, der dem Besitzer ewige Jugend bescheren soll. COOKING könnte ihn nun gefunden haben  – in den Ernährungsgewohnheiten der Menschen, die weit älter als der Durchschnitt werden.
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Wer im Fernsehen oder in der Zeitung mit der Vitalität und Gesundheit vieler Film-Ikonen und öffentlicher Persönlichkeiten konfrontiert ist, den kann schnell einmal der Neid treffen. So reckt Hollywood-Haudegen Clint Eastwood auch mit 90 Jahren noch sein weltberühmtes Antlitz in die Kamera und dreht jährlich einen neuen Film, Julie Andrews ist mit 85 noch genauso elegant und strahlend wie in den Fünfzigern am Broadway in „My Fair Lady“ und Sexsymbol Brigitte Bardot hat auch mit 86 noch ihre berühmte Mähne, die zwar heute mehr grau als blond, aber noch genauso dicht ist.

Die Wunderwaffen der Hundertjährigen

Was ist ihr Geheimnis? Wie hält man sich auch im hohen Alter gesund und – körperlich wie optisch – jung? Im Falle vieler Stars sind es wohl kosmetische Hilfsmittel, die das Erscheinungsbild verjüngen. Das wahrscheinlich berühmteste royale Urgestein aller Zeiten, die 94-jährige Queen Elisabeth II., schwört darüber hinaus auf Gin, den sie mittlerweile sogar selbst produzieren lässt. Aber auch wir Normalsterblichen, die ohne ein ganzes Team von Schönheits- und Gesundheitsspezialisten auskommen müssen, können unsere Wahrscheinlichkeit, hundert Jahre alt zu werden, erhöhen. Wie? Mithilfe der Ernährung!

An diesen Orten leben die Menschen (fast) ewig

Dass der Schlüssel eines langen Lebens unter anderem in der richtigen Ernährungsweise liegt, wissen die Menschen in den sogenannten „Blue Zones“. Aus anthropologischer Sicht bezeichnen diese Zonen Orte, deren Bewohner statistisch gesehen überdurchschnittlich alt werden. Dan Buettner, der das Konzept einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machte, erforschte in der „National Geographic“-Dokumentation „The Secrets of a Long Life“ folgende fünf „Blue Zones“:

  • Die Region Okinawa in Japan
  • Die Ägäis-Insel Ikaria (zählt zu Griechenland)
  • Ogliastra auf der Mittelmeerinsel Sardinien (gehört zu Italien)
  • Die Halbinsel Nicoya (Costa Rica)
  • Die Stadt Loma Linda (im US-Bundesstaat Kalifornien)

In all diesen Regionen gibt es weitaus mehr Hundertjährige, als im Rest der Welt, auch Übergewicht, Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen sind seltener. In all diesen Gegenden schauen die Menschen bewusst auf ihre Ernährung, auf viel Bewegung und engen sozialen Zusammenhalt.

Die Ernährungsgeheimnisse der Hundertjährigen

Was essen Menschen, die extrem alt werden? Was sind eher „Ablebensmittel“ (ein Begriff den Dr. Gary Fraser von der Universität Loma Linda prägte), und sollten vermieden werden? Das sind die Lebenselixiere der betagten Bewohner*innen der „Blue Zones“:

Wenig Fleisch

Sowohl die Japaner in der Präfektur Okinawa, als auch die Inselbewohner auf Sardinien und im Ägäischen Meer inkorporieren nur wenig Fleisch in ihre Rezepte. Auch viele Bewohner von Loma Linda werben für eine vegetarische oder vegane Lebensweise. Die überwiegende Mehrheit der „Blue Zones“-Bewohner setzt auf eine pflanzenbasierte Diät mit viel Gemüse.

Die westliche Wissenschaft unterstützt dieses Vorgehen: So empfiehlt beispielsweise die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch in der Woche zu konsumieren. Darüber hinaus hat die Krebsforschungsagentur der WHO verarbeitetes Fleisch (also Salami, Würstel, Räucherfleisch, ..) als „krebserregend“ (Gruppe 1) eingestuft. Es befindet sich damit in der gleichen Gruppe wie Tabakrauch und UV-Strahlung. Unverarbeitetes rotes Fleisch gilt dort immerhin noch als „wahrscheinlich krebserregend“ (Gruppe 2A).

Frisch und regional

Etwas, das alle hier angeführten Regionen verbindet, ist ihr Zugang zu frischem Obst und Gemüse. Generell sind die Bewohner in den „Blue Zones“ darauf bedacht, möglichst viel frisch zu kochen. Salzhaltige Fertiggerichte, vor Zucker strotzende Softdrinks und künstliche Süßungsmittel sowie Konservierungsstoffe kommen hier nicht auf den Tisch. Stattdessen setzt man auf regionale, traditionelle Küche. Diese besteht in Japan aus Algen, Tofu und Reis, in der mediterranen Küche sind vor allem Olivenöl, buntes Gemüse und Fisch zentral.

Hülsenfrüchte

Ein weiteres Element, das alle „Blue Zones“-Küchen gemeinsam haben, ist der Fokus auf Hülsenfrüchte. So werden auf Okinawa beispielsweise Sojabohnen und -sprossen in allen Verarbeitungsformen zubereitet, auf Sardinien ist die Favabohne (auch Ackerbohne genannt) fast täglich Teil des Speiseplans.

Maßhaltung

Kaum jemand in den „Blue Zones“ ist übergewichtig. Das liegt einerseits daran, was gegessen wird und wie viel sich die Menschen bewegen, aber auch die Menge des Essens ist entscheidend. So folgen viele Japaner beispielsweise der konfuzianischen Regel, nach der man nur so viel essen soll, bis der Magen zu 80 Prozent gefüllt ist.

Das Leben genießen, nicht die Genussmittel

Sehr viele Menschen in Loma Linda gehören der evangelischen „Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten“ an. Anhänger dieser religiösen Untergruppe leben bis zu zehn Jahre länger als durchschnittliche Einwohner Amerikas. Sie essen nicht nur viele Nüsse, Hülsenfrüchte und Obst, sondern verzichten weitgehend auf Alkohol und Tabak. Auch Zucker, Salz und Kaffee gibt es bei Adventisten nur in kleinen Maßen.

Anstatt sich den Genussmitteln hinzugeben, wird hier auf den Genuss der Zeit und der Natur gesetzt. Am Sabbat wird jede Woche ein Ruhetag eingelegt, außerdem bewegt man sich viel an der frischen Luft und hält enge soziale Kontakte innerhalb der Gemeinde.

Fazit

Ob man dem religiösen Zugang der Adventisten zugeneigt ist, oder nicht, ist für die Lebenserwartung wahrscheinlich egal. Aber von ihrem Bewusstsein, den Körper als „Tempel“ zu betrachten, und ihn mit guter Ernährung, regelmäßiger Bewegung und einem stressreduzierten, sozial fokussierten Lebensstil zu ehren, können wir uns einiges abschauen. Und wer weiß? Vielleicht schaffen wir es dann auch bis zum 100. Geburtstag.

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