Der Social-Media-Trend Lymphatic Jumping setzt auf wenige Minuten federnder Bewegungen am Morgen und soll den Körper schonend in Schwung bringen.
Das Lymphsystem ist ein zentraler Bestandteil des Immun-und Flüssigkeitssystems des Körpers. Es übernimmt die Aufgabe, überschüssige Gewebsflüssigkeit, Stoffwechselabfallprodukte, Entzündungsstoffe sowie Immunzellen aus dem Gewebe zurück in den Blutkreislauf zu transportieren. Im Unterschied zum Herz-Kreislauf-System verfügt das Lymphsystem jedoch über keine eigene Pumpe.
Der Transport der Lymphe ist daher vollständig auf äußere Einflüsse angewiesen, insbesondere auf Muskelbewegungen, Druckveränderungen im Gewebe und die Atmung. Ohne ausreichende Bewegung fließt die Lymphe nur sehr langsam, was die Entstehung von Stauungen begünstigen kann.
SO FUNKTIONIERT‘S
Lymphatic Jumping greift mehrere dieser physiologischen Mechanismen gleichzeitig auf. Eine zentrale Rolle spielt dabei die sogenannte Muskelpumpe. Bei rhythmischen Bewegungen spannen sich die Muskeln wiederholt an und entspannen sich anschließend. Dadurch werden die Lymphgefäße sanft zusammengedrückt. Da diese Gefäße mit Einwegklappen ausgestattet sind, wird ein Rückfluss der Lymphe verhindert, sodass sie schrittweise in Richtung Herz weitergeleitet wird. Besonders Bewegungen der Beine sind in diesem Zusammenhang wirksam, da sich dort ein großer Teil der Lymphflüssigkeit sammelt.
EFFEKTE
Ein weiterer wichtiger Effekt ergibt sich aus dem kontinuierlichen Wechsel von Druck und Entlastung. Beim sanften Hüpfen oder Federn wird das Gewebe beim Aufkommen leicht komprimiert, während es sich in der anschließenden Entlastungsphase wieder ausdehnen kann. Dieser Wechsel unterstützt den Flüssigkeitsaustausch im Zwischenzellraum und erleichtert den Abfluss der Lymphe aus dem Gewebe in die Lymphgefäße. Harte, abrupte Sprünge sind für das Lymphsystem hingegen weniger günstig, da sie zwar muskulär fordernd sind, jedoch den gleichmäßigen Druck-Entlastungs-Wechsel unterbrechen und gleichzeitig die Gelenke stärker belasten.
Eine unterstützende Funktion übernimmt zudem die Atmung. Große lymphatische Sammelgefäße verlaufen durch den Brustraum. Bei einer tiefen Einatmung entsteht dort ein Unterdruck, der die Lymphe in Richtung Herz ansaugt, während die Ausatmung den Druckausgleich fördert. Wird Lymphatic Jumping mit einer ruhigen, tiefen Atmung kombiniert, kann der lymphatische Abtransport deutlich verstärkt werden.
ALLTAGSTAUGLICH
Lymphatic-Jumping-Übungen lassen sich unkompliziert in den Alltag integrieren. Eine besonders sanfte Variante ist das Hüpfen auf der Stelle, bei dem Sie leicht aus den Fußgelenken federn, die Knie nur minimal beugen und auf eine weiche, kontrollierte Bewegung achten. Eine weitere Möglichkeit stellen sogenannte High Knees dar, bei denen Sie in lockerem Tempo abwechselnd die Knie anheben.
Auch Jumping Jacks können sanft ausgeführt werden, indem Sie die Beine seitlich öffnen, die Arme über den Kopf führen und darauf achten, weich zu landen. Ebenso effektiv ist simuliertes Seilspringen ohne echtes Seil, bei dem durch gleichmäßiges, sanftes Hüpfen ein rhythmischer Bewegungsfluss entsteht. Diese Übungen eignen sich besonders gut für kurze Bewegungspausen im Alltag oder zwischendurch am Schreibtisch.