Enttäuschung

Quoten-Debakel für Silbereisen: Ist der Schlager-König entzaubert?

Früher funktionierte jede Sendung, in der Florian Silbereisen zu sehen war auch mehrmals. Heute scheint das laut "schlagerprofis.de" nicht mehr der Fall zu sein. 

Das Konzept funktionierte über Jahre hinweg wie ein verlässliches Schweizer Uhrwerk. Machen wir uns nichts vor: Die Shows rund um Florian Silbereisen sind im Schlager-Genre nach wie vor das unangefochtene Maß aller Dinge. An diesem Denkmal rüttelt so schnell kein anderes Format – die eingeschworene Fangemeinde liebt „ihren“ Flori und das dahinterstehende Erfolgskonzept, das einst von Michael Jürgens maßgeschneidert wurde.

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„Da beißt die Maus keinen Faden ab“, wie es im Branchenjargon so treffend heißt. Dieser gleißende Erfolg strahlte über einen beachtlichen Zeitraum hinweg auch auf die zahlreichen Wiederholungen ab. Doch während diese Strategie – mit Verlaub – bei Kollegen wie Andy Borg nach wie vor recht gut funktioniert, mutiert die Zweitverwertung bei Florian Silbereisen mittlerweile keineswegs mehr zum Selbstläufer.

Silbereisens
© ORF/Screenshot

Ernüchternde Zahlen beim „Platzhirsch“

Das jüngste Beispiel dieser programmstrategischen Ermüdung lieferte die Wiederholung der Schlagerchampions 2026. Hierbei handelt es sich – genau genommen – um die noch immer „aktuellen“ Silbereisen-Show, da seither keine neue Sendung mehr produziert wurde. Die daraus resultierenden Quotenwerte präsentieren sich jedoch mehr als ernüchternd.

Deutschlandweite Zahlen sollen zwar fehlen, aber für die Top-25 der TV-Charts habe es schlichtweg nicht gereicht. Und die Zahlen aus dem Sendegebiet des Westdeutschen Rundfunks (WDR) zeichnen ein überaus „übersichtliches“ Bild:

  • Zuschauerzahl: Lediglich 0,19 Millionen Zuseher im (traditionell sehr großen) WDR-Sendebereich.
  • Marktanteil: Magere 5 Prozent in der regionalen Kernzielgruppe.

Diese Werte sind, das muss man in aller Deutlichkeit sagen, alles andere als gut.

Der Quoten-Vergleich: Silbereisen vs. Borg

Gewiss muss man zur Ehrenrettung der Programmverantwortlichen anführen: Gegen „König Fußball“ ist es im Hauptabendprogramm denkbar schwer, mit der bloßen Konserve einer Schlagersendung zu punkten. Der direkte Vergleich mit der Konkurrenz schmerzt dennoch. Andy Borg etwa lockte mit seinem Schlager-Spaß-Best-Of zeitgleich in Deutschland fast eine Million Menschen vor die Bildschirme – ein Wert, der mit der Silbereisen-Wiederholung bei weitem nicht gelungen sein dürfte.

 


 

Auch der Blick auf den österreichischen Markt – wo der Schlager traditionell eine tragende Säule des öffentlich-rechtlichen Hauptabends darstellt – bestätigt diesen Trend. Während die Erstausstrahlungen der Silbereisen-Spektakel im ORF regelmäßig verlässliche Spitzenquoten und Marktanteile jenseits der 15-Prozent-Marke einfahren (oftmals im Bereich von 400.000 bis 500.000 Zusehern), verpufft der Effekt bei den wiederholten Ausstrahlungen in den Regionalsendern auch beim österreichischen Publikum zunehmend. Die Seher weichen in Ermangelung von echtem Neuigkeitswert immer öfter auf alternative Kultur- oder Sportprogramme aus.

Hoffen auf den „Schlagerbooom“

Der Fairness halber sei an dieser Stelle jedoch erwähnt, dass das Pendel schon bald wieder in die andere Richtung ausschlagen dürfte. Es steht außer Frage, dass die nächste „neue“ Silbereisen-Show, der bevorstehende Schlagerbooom Open Air, wieder ein extrem großes Millionenpublikum vor den TV-Geräten versammeln wird.

Dennoch bleibt ein schaler Nachgeschmack und eine fundamentale Lehre für die Senderchefs. Die aktuellen Quotenwerte der Wiederholung demonstrieren eindrucksvoll, dass die in Mode gekommene Strategie der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, das Programm „wie bekloppt“ mit Wiederholungen zu bespielen, an ihre Grenzen stößt. Wenn selbst der absolute Platzhirsch des Genres im Archiv-Modus schwächelt, sollte das den Programmverantwortlichen durchaus zu denken geben.

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