Mehr als ein Vierteljahrhundert lang verteidigten sie ihn öffentlich – nun erheben vier Geschwister der Familie Cascio schwere Vorwürfe gegen den Nachlass von Michael Jackson. Eine Klage in Los Angeles sorgt erneut für Schlagzeilen rund um den "King of Pop".
Ende Februar reichten Edward, Dominic, Marie-Nicole und Aldo Cascio vor einem US-Bundesgericht in Los Angeles Klage gegen den Nachlass von Michael Jackson ein. Laut der 23-seitigen Klageschrift, die dem US-Magazin "Rolling Stone" vorliegt, werfen sie dem verstorbenen Musiker sexuellen Kindesmissbrauch und Kinderhandel über mehr als ein Jahrzehnt vor.
Jackson, der als "King of Pop" zu den einflussreichsten Musikern des 20. Jahrhunderts zählt, soll die Geschwister nach Darstellung der Kläger systematisch "genötigt und einer Gehirnwäsche unterzogen" haben – unter Einsatz seines Vermögens, seines Ruhms sowie eines weitreichenden Netzwerks aus Mitarbeitern und Beratern.
Enge Verbindung seit 1984
Die Beziehung zwischen Jackson und der Familie reicht laut Klage bis ins Jahr 1984 zurück. Damals lernte er den Vater der Geschwister, Dominic Cascio senior, als Manager des Helmsley Palace Hotels in New York kennen. Aus der Bekanntschaft entwickelte sich eine enge Freundschaft.
Den Vorwürfen zufolge soll Jackson das Vertrauen der Familie durch Geschenke und Zuneigung gewonnen haben, bevor er die Kinder isolierte, ihnen Drogen und Alkohol gab und jeden von ihnen individuell missbrauchte. Laut "Rolling Stone" sollen die mutmaßlichen Taten unter anderem auf der Neverland Ranch, während der "Dangerous World Tour" sowie in Privatresidenzen von Elizabeth Taylor und Elton John stattgefunden haben.
Scharfe Zurückweisung
Für den Nachlass meldete sich Anwalt Marty Singer zu Wort. Gegenüber People bezeichnete er die Klage als "einen verzweifelten Versuch weiterer Mitglieder der Familie Cascio, an Geld zu kommen". Bereits zuvor habe es ein Schiedsverfahren wegen zivilrechtlicher Erpressung gegeben.
Singer betont, die Familie habe Jackson über 25 Jahre lang verteidigt und seine Unschuld beteuert. Erst mit dem wirtschaftlichen Erfolg des Nachlasses seien Drohungen mit Enthüllungen verbunden gewesen – mit dem Ziel, "astronomische Geldsummen" zu erpressen.
Aussagen von Aldo Cascio
Aldo Cascio schildert laut dem "People"-Magazin, er habe nach dem Tod des Musikers im Jahr 2009 – nur drei Tage nach seinem letzten Gespräch mit Jackson – vor allem Erleichterung verspürt. "Ich musste auch traurig wirken. Ich wusste, dass ich diese Doppelrolle spielen musste", wird er zitiert.
Weiter heißt es: "Warum hat er mir das angetan? Ich hasste ihn und wusste, dass ich mich nicht davon befreien konnte. Ich musste mein ganzes Leben allein damit leben, und es war die Hölle."
Brisanter Zeitpunkt
Der Zeitpunkt der Klage sorgt für zusätzliche Aufmerksamkeit: Im April soll das mit Spannung erwartete Biopic "Michael" in die Kinos kommen. Das öffentliche Interesse am "King of Pop" dürfte damit erneut steigen.
Für den Nachlass, der laut "Rolling Stone" seit Jacksons Tod wirtschaftlich äußerst erfolgreich agiert, kommt die juristische Auseinandersetzung zu einem sensiblen Moment.