Die belarussische Musikerin und Bürgerrechtlerin war nach fünf Jahren politischer Gefangenschaft erst im vergangenen Dezember aus der Haft entlassen worden
Die belarussische Bürgerrechtlerin Maria Kalesnikava wird die Festrede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele 2026 halten. Die 44-jährige Flötistin, Dirigentin und Kulturmanagerin saß wegen ihres Engagements gegen das Regime von Diktator Alexander Lukaschenko fünf Jahre lang in ihrer Heimat im Gefängnis. Kalesnikava ist Trägerin des renommierten Karlspreises, der an Personen vergeben wird, die sich um die europäische Einigung und den Frieden in Europa verdient gemacht haben.
"Kalesnikava vermittelt mit ihrer Haltung Mut und Zuversicht in herausfordernden Zeiten und hat gezeigt, dass ein Unrechtsregime nichts mehr fürchtet als Zivilcourage und das gewaltfreie Eintreten für Bürgerrechte. Ihre Rede wird diesen Festakt zu etwas Besonderem machen", betonte Salzburgs Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP) am Freitag in einer Aussendung. Für Interimsintendantin Karin Bergmann ist die Wahl der Rednerin ein Zeichen für Zuversicht "in diesen schwierigen Zeiten". "Kalesnikava ist der Beweis, dass es die Kunst ist, die uns Menschen Lebensmut und Halt gibt. Immer wird die Sprache von Musik und Poesie stärker sein als Gewalt, Tyrannei und Willkür."
Maria Kalesnikava
Festakt am 26. Juli
Mit Vitali Alekseenok wird ein belarussischer Musikerkollege von Kalesnikava gemeinsam mit dem Mozarteumorchester das Musikprogramm des Festakts leiten, der am 26. Juli um 11 Uhr in der Felsenreitschule stattfindet. Gespielt werden Stücke von Lili Boulanger, die während des Ersten Weltkriegs einen Briefclub gründete. Dessen Ziel war es, einen Austausch zwischen ihren Kollegen und Kolleginnen am Konservatorium und den Soldaten an der Front zu initiieren, um sich in dunklen Zeiten gegenseitig Mut und Zuversicht zu geben.
Maria Kalesnikava studierte in Minsk und Stuttgart und schloss ihr Studium mit zwei Masterabschlüssen in Alter Musik und in Neuer Musik ab. In Minsk entwickelte sie eine Reihe internationaler Projekte in den Bereichen Kultur, Bildung und soziale Innovation. "Dabei verbindet sie zeitgenössische Musik mit Fragen kultureller Identität, gesellschaftlicher Verantwortung und politischer Reflexion", so das Land Salzburg in der Aussendung.
Maria Kalesnikava
Im Vorfeld der Präsidentschaftswahl in Belarus im Jahr 2020 engagierte sich Kalesnikava gegen den regierenden Alexander Lukaschenko. Nach dessen - von den USA und der EU nicht als legitim anerkannten Wiederwahl - gab sie die Gründung einer neuen Partei bekannt. Kurz darauf wurde Kalesnikava verhaftet und wegen Gefährdung der staatlichen Sicherheit angeklagt. 2021 wurde sie zu elf Jahren Haft verurteilt, im Dezember 2025 nach Verhandlungen mit den USA begnadigt und des Landes verwiesen. Teile der Zeit im Gefängnis verbrachte sie in Isolationshaft. Kalesnikava lebt derzeit in Deutschland.