Kritik

Osterkonzert in Grafenegg als musikalische Eiersuche

Entdeckungsfreudiges, doch wenig überzeugendes Programm

Beim traditionellen Osterkonzert im Auditorium Grafenegg war am Sonntagabend ein entdeckungsfreudiges Programm zu hören, überzeugend war es aber nicht. Zunächst sorgte das Jugendsinfonieorchester Niederösterreich unter der Leitung von Dorothy Khadem-Missagh für ein hervorragendes Prélude, beim Tonkünstler-Orchester Niederösterreich blieben anschließend jedoch einige Fragen offen. Zu Ostern lässt sich eben manches Ei legen.

Bemerkenswert erfreulich verlief die Begegnung mit dem überaus engagiert aufspielenden Jugendsinfonieorchester, dem mit Nikolai Rimski-Korsakows symphonischer Suite "Scheherazade" eine sehr schöne Darbietung gelang. Dorothy Khadem-Missagh, vor allem als exzellente Pianistin bekannt, erwies sich auch als ausgezeichnete Dirigentin mit Sinn für Präzision und differenzierte Dynamik. Und das dem Werk zugrunde liegende Märchen von der durch einen totalitären Potentaten bedrohten jungen Frau, die ihr Leben durch das Erzählen von Geschichten zu retten weiß, enthält durchaus aktuelle Elemente des Widerstands und der Auferstehung.

Beim Hauptkonzert hingegen schien es eher um ein entdeckungsfreudiges Repertoire zu gehen: Dirigent Reinhard Goebel, verdienter Begründer des Ensembles Musica Antiqua Köln und Experte für historische Aufführungspraxis, startete mit einem Werk des Mozart-Freunds Joseph Eybler, vielmehr mit dessen Bearbeitung einer Violinsonate von Corelli ("La Follia di Spagna") nach einem sattsam bekannten barocken Ostinato. Immerhin zeigte Eyblers Orchestrierung viel Gespür für instrumentale Farbnuancen.

Reinhard Goebel

Reinhard Goebel

© Wolf Silveri

Unterwegs im Raritätenkabinett

Die eigentliche Attraktion des Abends sollte aber die "Erstaufführung" einer Pastorale von Joseph Haydn sein. Erstaufführung, nicht Uraufführung des von Goebel in Prag aufgefundenen Werks: Die Haydn zugeschriebene Komposition wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit einst gespielt, doch Belege darüber finden sich nicht. Goebel will das Stück für eine Weihnachts-CD einspielen. Ein musikalischer Schatz wurde hier wohl nicht gehoben.

Weiter ging es im Raritätenkabinett mit einem Klavierkonzert von Franz Xaver Mozart, dessen Tragödie es war, zeitlebens dem berühmten Vater nacheifern zu wollen. Dass ihm das misslang, wird bei diesem Werk mehr als verständlich, mangelt es ihm doch gänzlich an Substanz und Tiefe. Gäbe man der KI den Auftrag zu einem Stück in der Nachfolge Mozarts - Ähnliches käme wohl dabei heraus. Immerhin gaben die virtuosen Passagen des Klavierparts dem Pianisten Aaron Pilsan Gelegenheit, sein technisches Können unter Beweis zu stellen.

 


  

 

Nach der Pause dann Beethovens "Eroica" als populärer Ausklang. Erstaunlich breiig klingt das Resultat nach eher grobschlächtigem Heroismus. Man hat schon überzeugendere Osterkonzerte in Grafenegg erlebt. Kurioses Detail am Rande: Im Programmheft wird immer noch um Unterstützung für den Bau des Rudolf Buchbinder Saals geworben, der Ende Mai eröffnet werden soll (veranschlagte Kosten: 15 Millionen Euro).

(Von Ewald Baringer/APA)

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