DJ Ötzi ist zurück: Mit seinem neuen Album „ÖHA“ beweist der Tiroler Kult-Entertainer erneut, warum er seit über 25 Jahren die Charts stürmt. Im großen oe24-Interview spricht Gerry Friedle über sein Album, seine Anfänge und die Zukunft.
Der Tiroler Entertainer mit der legendären Mütze blickt auf ein Vierteljahrhundert Erfolg zurück und bleibt mit seinem Jubiläums-Album "ÖHA" dennoch seinem unverkennbaren Stil treu. Auf seinem neuen Werk liefert DJ Ötzi die gewohnte Party-Stimmung für seine Fans und im oe24-Interview zieht DJ Ötzi Bilanz:
DJ Ötzi
oe24: Hättest du dir vor 25 Jahren gedacht, wohin deine Reise geht?
DJ Ötzi: Nein, man kann schon groß denken oder groß träumen, aber so groß geht's sich nicht aus. Aber ich bin extrem dankbar, dass ich so lange dabei sein darf. Das macht mir Spaß.
oe24: Jetzt hast du quasi dein Jubiläumsalbum rausgebracht mit dem wunderbaren Titel "ÖHA". Wie bist du auf den Titel gekommen?
DJ Ötzi: Wir haben sehr lange überlegt, aber sind dann auf diese Verkürzung, auf das Tatsächliche gegangen, dass es einfach ein "ÖHA-Effekt" ist. Hätte ich mir nicht gedacht, dass es so rund wird. Das war also mein Grundsatzgedanke. Und alles andere kann man auch selber interpretieren, wie man will.
DJ Ötzi
oe24: Was war denn dein letzter ÖHA-Moment, an den du dich erinnerst?
DJ Ötzi: Wir sind gestern schon angereist und waren kurz im Schwarzen Kameel. Dann sind wir über die Kärntnerstraße gegangen und dann auch in den Stephansdom. Und dort habe ich vor 27 Jahren eine Kerze angezündet. Das habe ich gestern auch getan. Und das war ein richtig schöner Moment. Ob das jetzt ein ÖHA-Moment ist oder nicht, das weiß ich nicht. Aber es war ein besonderer Moment.
oe24: Auf deinem neuen Album sind mir zwei Sachen besonders ins Auge gesprungen. Die Cover-Versionen von Depeche Mode und Kings of Leon. "Sex on Fire" und "Just Can't Get Enough". Warum gerade die beiden Songs?
DJ Ötzi: Ich bin ein riesengroßer Depeche Mode Fan – und ich wollte einfach einmal in meiner Karriere einen Song machen, der genau in diese Richtung geht. Diese Melodiefolge und die Art, den Song zu interpretieren, taugt mir total. Bei den Kings of Leon war’s wieder was anderes – da wollte ich unbedingt diese Blasmusik mit reinbringen. Das treibt das Ganze nochmal richtig nach vorne. Und live gespielt ist die Nummer einfach extrem geil.
DJ Ötzi
oe24: Und dazu gibt es auch zwei Duette, und zwar mit einer ganz besonderen Frau, nämlich mit deiner Tochter. Wie ist es denn mit der Lisa Marie zu arbeiten?
DJ Ötzi: Wie ist es, mit der eigenen Tochter zusammenzuarbeiten? Man muss bereit sein, sich darauf einzulassen. „In the Ghetto“ ist für mich ein ganz besonderer Song, weil Elvis Presley mein Hero ist – deshalb wollte ich ihn unbedingt mit ihr zusammen machen. Und Lisa Marie hat das großartig gemacht – ich bin unglaublich stolz auf sie.
oe24: Vor 25 Jahren bist du ja mit "Anton aus Tirol" über Nacht quasi zum Superstar geworden. War es schwer, da nicht abzuheben?
DJ Ötzi: Es verführt mich schon. Aber meine Oma hat vielleicht genau deswegen mein ganzes Leben zu mir gesagt "Bub, da musst du mal auf dem Boden bleiben". Und ich meinte, was will sie von mir? Ich bleibe auf dem Boden. Ich weiß ja gar nicht, wie abheben geht. Die Demut muss immer mitspielen. Das gehört zu den vier Ankern dazu. Demut, Dankbarkeit, Verlässlichkeit, Vertrauen, Loyalität. Das sind alles so Sachen, die mir ganz wichtig sind in meinem Leben.
oe24: Ein Song von Dir blieb 14 Jahre "unentdeckt" und jetzt wurde "Tirol" zu einem weiteren Mega-Hit...
DJ Ötzi: Das ist ja völlig irre! Vielleicht trifft der Song genau den Zeitgeist – wir leben in einer total zukunftsorientierten Welt, alles ist schnell und laut, und gleichzeitig sehnen sich die Leute wieder nach dem, wo sie herkommen. Tradition gibt dir einfach Halt und bringt dich in deine Kraft. So seh ich das. Tirol ist mir ins Herz tätowiert.
DJ Ötzi
oe24: Was waren denn deine schwersten Zeiten im Laufe der Karriere?
DJ Ötzi: Ich habe in den ersten 17 Jahren meiner Karriere vieles gar nicht richtig mitbekommen. „Anton aus Tirol“ zum Beispiel – das ist irgendwie an mir vorbeigegangen, weil ich die ganze Zeit unterwegs war. „Hey Baby“ habe ich punktuell wahrgenommen, aber im Grunde war ich immer im nächsten Termin, im nächsten Moment. Erst in den letzten vier, fünf Jahren kann ich wirklich bewusst annehmen, was da eigentlich alles passiert ist. Deshalb spreche ich auch von Höhen und Tiefen – weil ich mir lange schwergetan habe, das alles überhaupt wahrzunehmen.
oe24: Nach so vielen Konzerten, die du in den letzten 25 Jahren gespielt hast, macht das Touren und Live-Spielen immer noch Spaß? Man wird ja auch älter...
DJ Ötzi: Live zu spielen ist einfach genial. Mit meiner Band auf der Bühne zu stehen, ist nochmal ein ganz anderes Level. Das ist für mich das Größte. Da kann ich loslassen, mich zurücklehnen und weiß, dass ich getragen werde. Ich bekomme den Support von hinten, kann frei atmen, mich bewegen, tanzen – und genau dadurch liefere ich am besten ab. Live spielen ist einfach total mein Ding.
oe24: Gibt es noch irgendwas, wo du sagst, das möchte ich noch machen oder erreichen?
DJ Ötzi: Manchmal denke ich mir: Was wäre, wenn das alles bisher nur der Anfang war? Genau dieser Gedanke treibt mich an. Und deshalb lasse ich alles offen und auf mich zukommen.
DJ Ötzi mit oe24-Reporter René Wastler
oe24: Und wo siehst du dich in 20 Jahren?DJ Ötzi: Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, was in Zukunft passiert. Ich lass alles auf mich zukommen. Ob ich mit 70 noch auf der Bühne stehe und „Anton aus Tirol“ singe – keine Ahnung, ob das dann noch cool ist. Aber ich denk mir: Solange mich die Leute sehen wollen, gebe ich einfach alles, was ich hab.