Dancing-Star Gabalier im Intim-Talk

Interview

Dancing-Star Gabalier im Intim-Talk

Willi Gabalier über Tanzen, seinen Bruder und ihre Familien-Tragödie.

Der kleine Bruder, Andreas Gabalier (27), dominiert seit Jahren die Volksmusik-Charts, hat vor zwei Wochen den deutschen „Echo“-Musikpreis eingesackt.

Auch die Karriere von Willi Gabalier (30), dem Erstgeborenen, verläuft bislang höchst erfolgversprechend. An der Seite von Serienstar Brigitte Kren tanzt sich der Profitänzer Woche für Woche in die Herzen der Zuschauer, die erste Single, Sing und Swing, ist erschienen, das dazugehörige Musikalbum mit dem Titel Damenwahl wird am 5. Mai präsentiert. Willis Karriere läuft auf Schiene.

Dennoch birgt die Familien-Story der Gabaliers eine Tragödie, an der andere längst zerbrochen wären.

Familientragödie
Vor fünf Jahren übergoss sich Vater Wilhelm vor dem Familienhaus in Graz mit Benzin, verbrannte sich selbst. Willi fiel die entsetzliche Aufgabe zu, Andreas vom schrecklichen Tod des Vaters telefonisch zu unterrichten. Zwei Jahre nach diesem Drama kam es noch schlimmer: Auch die kleine Schwester, die abgöttisch am Vater gehangen war, überschüttete sich mit Benzin und verbrannte sich selbst, im Alter von nur 19 Jahren! Im ÖSTERREICH-Interview erzählt Willi Gabalier vom Familientrauma, der neuen Gesangskarriere und seinen Chancen bei Dancing Stars.

ÖSTERREICH: Reden wir über „Dancing Stars“. Wie weit, schätzen sie, werden Sie kommen?
Gabalier: Schwer zu sagen, aber bei Gitte ist die Freude am Tanzen, der Wille und das Talent vorhanden, ich glaube schon, dass es noch ein Stückerl weitergehen wird.

ÖSTERREICH: Was erwarten sie sich von der Karriere bei „Dancing Stars“?
Gabalier: Für mich hat sich schon vieles von dem erfüllt, was ich mir erhofft habe. Gitte wollte auf keinen Fall als Erste rausfliegen, auch ich hab mir gedacht, das wäre ein bisschen blöd, wenn man das erste Mal dabei ist und dann fliegt man als Erster raus. Als Sportler würde ich schon gerne ins Finale kommen.

ÖSTERREICH: Trauen sie sich das zu? Mit ihr gemeinsam?

Gabalier: Wenn es immer so klappt wie beim Jive, kann ich mir vorstellen, dass sich das ausgehen könnte.

ÖSTERREICH: Jetzt steigen sie auch ins Musik-Biz ein. Wollen sie auf der Erfolgswelle ihres Bruders mitschwimmen?
Gabalier: Das CD-Projekt ist eigentlich schon drei Jahre alt. Dann kam mein Bruder und ich hab gedacht, tue ich das jetzt auch, schaut es so aus, als mache ich ihm alles nach. Also habe ich es auf Eis gelegt. Im Herbst habe ich beschlossen, dass ich loslege. Und dann hab ich kurz vor Weihnachten das mit Dancing Stars erfahren. Jetzt sind beide Sachen da. Aber mir ist klar, dass es nicht so gut laufen kann wie bei meinem Bruder.

ÖSTERREICH: Die Familie Gabalier feiert nicht nur Erfolge, sondern musste einige Tragödien schultern. Wie haben sie vom Tod Ihres Vaters erfahren?
Gabalier: Ich war nicht zu Hause, als es passierte. Deswegen habe ich es anfangs unterschätzt. Er wurde von der Rettung abgeholt, die Mama war ganz aufgelöst und ich hab dann im Krankenhaus angerufen. Ich habe mir gedacht, dass er irgendwo Verbrennungen hat, aber nicht, dass er stirbt.

ÖSTERREICH: Sie mussten die Todesnachricht ihren Geschwistern überbringen?
Gabalier: Ja, das war eigentlich das Schlimmste. Es der Mama und dem kleinen Bruder (heute 17) zu erzählen. Beim Andi war es leichter, der war erwachsen.

ÖSTERREICH: Fragt man sich nicht, warum er sich angezündet hat, warum er sich so irre Schmerzen zufügte?
Gabalier: Ich habe mich schon mehrmals gefragt, warum er sich solche Qualen angetan hat, wenn er aus dem Leben gehen will. Ich denke mir, es war eine Kurzschluss-Aktion, weil planen tut man so etwas nicht. Papa war immer ein lustiger Kerl, bei allen beliebt, wir waren eigentlich eine durchschnittliche Familie.

ÖSTERREICH: Und ihre Schwester hat dann dasselbe gemacht?
Gabalier: Sie war ein typisches Papa-Schatzi, weil sie seine einzige Tochter war. Sie wollte nicht verstehen, wieso er keinen Abschiedsbrief hinterlassen, kein letztes Wort an sie gerichtet hat, nichts, null. Das war eine tiefe Kränkung in ihrem Herzen. Es ist ihr sehr schlecht gegangen, ich hab oft Angst gehabt, bin mitten in der Nacht zu ihr, aus Angst, sie macht Blödsinn. Wir hatten immer einen guten Draht. Ausgerechnet als wir uns alle dachten, meine Schwester ist endlich über den Berg, hat sie sich auch umgebracht. Ihr Tod war für mich schlimmer als der vom Papa. Der war 52, hat wenigstens schon gelebt. Meine Schwester war erst 19 Jahre alt und sie hätte noch so viel Potenzial gehabt.

ÖSTERREICH: In welchen Situationen fehlen sie ihnen?
Gabalier: Spontan, dann denke ich, meine Kinder werden keinen Opa haben. Unsere Großväter sind für mich und Andi sehr wichtige Bezugsfiguren. Schlimm ist es auch, wenn ich die Freundinnen meiner Schwester treffe. Das geht mir an die Nieren.

ÖSTERREICH: Wie wird man mit solchen Schicksalsschlägen fertig?
Gabalier: Jeder in unserer Familie auf eine andere Art. Meine Mutter sucht den Kontakt zu Familien, die ein ähnliches Schicksal haben. Ich habe keine Therapie gemacht und will auch nicht darüber sprechen. Ich war immer der Überzeugung, dass jeden Menschen im Leben das Schicksal hart trifft. Aber ich hätte nicht gedacht, dass wir zwei Mal eine Portion abbekommen.

Ida Metzger