Obwohl er mit der gesamten Verwandtschaft zum Prozess kam und seine Mutter in Dauerschleife weinte, bekam ein 18-jähriger Wiener mit serbischen Wurzeln 20 Monate unbedingt aufgebrummt. Er hatte seinem Raubopfer (85) das Schultergelenk gebrochen.
Wien. Ein Schüler und federgewichtiger Kampfsportler (er hätte es beinahe in ein Nationalteam geschafft) wurde am Freitag am Landesgericht rechtskräftig zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe in Höhe von fünf Jahren verurteilt - 20 Monate davon muss er fix absitzen. Der Beschuldigte hatte Anfang April einer 85-Jährigen an einer Bim-Station deren Handtasche mitsamt 4.000 Euro Bargeld entrissen Die Pensionistin stürzte und brach sich dabei ihr linkes Schultergelenk und wäre "nahezu gegen die Straßenbahn geknallt", schilderte der Staatsanwalt.
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Insgesamt 40 Monate Haft wurden für eine Probezeit von drei Jahren bedingt nachgesehen, zudem wurde Bewährungshilfe angeordnet. Der Angeklagte war zu Beginn der Verhandlung reumütig geständig und entschuldigte sich mehrmals: "Es tut mir wirklich sehr leid, dass Sie das erleben mussten", richtete er sich vor der Urteilsverkündung an die 85-Jährige. Zuvor hatte sein Anwalt der Frau einen Entschuldigungsbrief übergeben, den der Schüler in Haft geschrieben hatte.
Täter hatte Schulden wegen Koks und Gras
Am 2. April hatte der Bursche in einer Bank zufällig mitbekommen, wie sein späteres Opfer 4.000 Euro in bar abgehoben hatte, wie der Staatsanwalt ausführte. "Dann dachte ich mir, das ist die Lösung für alle meine Probleme", erklärte der Angeklagte. Denn er habe "Schulden bei Drogendealern für Kokain und Marihuana", welches er bis dahin "in hohem Maß" konsumiert habe, sagte sein Anwalt. Er verfolgte das Opfer bis zu einer Bim-Station. Dort wollte er der Pensionistin ihre Handtasche entreißen. Die war jedoch "sehr rüstig für ihr Alter" und leistete Gegenwehr, erläuterte der Verteidiger. Dass sie sich dabei schwer verletzte, sei nicht seine Absicht gewesen, beteuerte der Schüler: "Ich wollte nur ihre Handtasche wegzupfen." Nun schäme er sich sehr dafür. Sein Verteidiger hielt ihm zugute, dass er freiwillig zur Polizei gegangen war. "Ich wollte gerade stehen für das, was ich gemacht habe", führte er aus.
"Er ist von hinten gekommen und hat mir brutal den Riemen von der Handtasche runtergerissen und mich mitgezogen", erinnerte sich die Pensionistin. Sie schilderte ihre Verletzungen: "Ich hab geblutet an der Hand und hab den Arm gar nicht bewegen können, weil ich so Schmerzen gehabt hab." Zwei Männer hätten ihr dann aufgeholfen und Hilfe geholt. Bis heute habe sie Schmerzen, erzählte sie. Die Familie des Angeklagten hatte 500 Euro symbolisches Schmerzengeld "zusammengekratzt", wie der Verteidiger erklärte. Die Ausgeraubte forderte weitere 3.500 Euro, die ihr das Gericht auch zusprach. Allerdings zeigte sie sich auch empathisch gegenüber dem Täter: "I will ja ned unverschämt sein, das ist ein junger Bua und draußen sitzt die Mutter und weint." Dennoch: "Natürlich hab' ich einen Schock gehabt, dass sowas passiert am helllichten Tag!" Ihr sei nun "ein bisserl unheimlich", wenn sie alleine vor die Haustür gehe.