Das Interesse rund um Rapids neuen Trainer Johannes Hoff Thorup bei der PK war groß, beinahe eine Fußball-Halbzeit stand er Rede und Antwort. Mantraartig wiederholte der 36-Jährige vor allem: Positionsspiel, Kontrolle über Spiele und offensiven, attraktiven Fußball.
Man ist daher beinahe gewillt zu sagen: Alles, wofür Rapid am Ende der Ära Peter Stöger nicht mehr gestanden hat. "Seit ich hier bin, haben wir eine klare Spielidee implementiert", meint Sport-Geschäftsführer Markus Katzer. Unter Stöger regierte aber oft die Passivität, sehr zum Ärger der Fans und schlussendlich auch der Ergebnisse.
Unter Hoff Thorup könnte sich aber ein ganz anderes Bild präsentieren. Seine Fehler bei seinem letzten Job bei Norwich City (England 2. Liga) analysiert der Däne: Ich denke, wir haben es defensiv nicht richtig gemacht, wir haben mit hohem Risiko gespielt. Wir haben dann versucht das zu ändern, aber es hat nicht mehr rechtzeitig funktioniert." Seine Zeit in England endete nach vier Niederlagen in fünf Spielen - eines davon mit 3:5 - im April 2025.
Hoff Thorup: "Wir werden in Kontrolle sein"
Er möchte daraus lernen, aber dennoch ist seine Identität der Offensivfußball und das mit Struktur. Struktur ist ihm generell sehr wichtig: "Wir werden in Spielen in Kontrolle sein."
Denn: "Das sind die Erwartungen, wie ein Topklub spielen soll, Kontrolle übernehmen, den Ton angeben und pressen. Dieser Spielstil fordert Kontrolle des Balls und eine positionelle Struktur. Wir werden Spiele kontrollieren, viele Chancen erspielen und viele Tore erzielen. Am Ende des Tages ist es ein Sport, wo die Leute unterhalten werden wollen."
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Auf die Frage, ob der Fokus auf zweite Bälle in Österreich dadurch zu einem Problem werden wird, meint Hoff Thorup: "Es braucht eine klare Struktur, damit man sich keine Konter fängt." Da ist sie wieder, die Struktur. Und weiter: "Wenn man die Teams öffnet, hat man Vorteile. Wenn das gelingt, ist man dominant." Die kreierten Chancen sollen aber nicht "zufällig" sein, sondern durch die erwähnte Struktur "ähnlich" sein und sich dadurch "wiederholen".
Bei dem Spielsystem will sich der 36-Jährige, wie es bei Trainern so oft der Fall ist, nicht auf Nummern reduzieren. Sein System passt er an die Fähigkeiten der Spieler an, er betont aber vorerst auf eine Viererkette setzen zu wollen. Über Spieler und vor allem Transfers redet - und wird er auch zukünftig - nicht, denn er will Spielern immer das Gefühl geben, er glaubt an sie.
"Wäre langweilig ohne Erwartungen"
Hoff Thorup, der seine Pressekonferenz auf Englisch hält, versteht Deutsch und auch seine Aussprache bei seinen Eröffnungsworten "Herzlich Willkommen, ich bin froh hier zu sein" war gut, in Zukunft möchte er Pressekonferenzen auch auf Deutsch abhalten. In der Kabine wird er aber hauptsächlich bei Englisch bleiben, da es die Sprache des Fußballs ist.
Wichtig ist Hoff Thorup auch, keine "Erwartungen zu töten", denn diese sind wichtig. "Es wäre langweilig, wenn es keine Erwartungen gäbe. Wir sollten von uns erwarten, in der Tabelle immer oben dabei zu sein." Die Spieler sollen sich aber auf Fußballspielen konzentrieren, nicht zu viel Druck spüren. Daher ist er selbst auch ein eher ruhiger Geselle, denn er möchte kühlen Kopf bewahren, um seinen Spielern die bestmöglichen Lösungen zu liefern. Wenn es nötig ist, kann er aber auch "schreien".
Keine Transfers geplant
Aus diesem Grund hat er aber auch eine große Erwartungshaltung für sein Trainerteam, allen voran "Coaching Oktopus" Alan Arac, der Co-Trainer wird. Von den Spielern bei Rapid kannte er bereits einige, weil er in Dänemark einige von ihnen gescoutet hat. Doch auch die Spieler der bisherigen Saison hat er bereits gesehen (sehr zum Missfallen seiner Frau zu Weihnachten), er glaubt sie können seine Idee umsetzen. Eine andere Wahl wird Hoff Thorup aber auch nicht haben, denn Transfers sind keine geplant, wie Markus Katzer betont.
Das Programm geht für Rapid gleich früh gut los, mit dem Cupspiel gegen Ried am 31.1., danach Top-6-Konkurrent Hartberg (6.2.) und das Wiener Derby (15.2.). Der Däne glaubt aber schon früh, seine Ideen einführen zu können, die Details machen dann nur mehr 20 Prozent aus und brauchen mehr Zeit. Auch "load management", also Spieler nicht zu sehr zu belasten, um Verletzungen zu riskieren, wird in seiner Amtszeit eine größere Rolle spielen. Dadurch sollen die Spieler fitter sein - das könnte gegen Ende der Saison den Unterschied machen.