"Mein Sohn, der Fußball-Held!"

Papa Alaba

"Mein Sohn, der Fußball-Held!"

David Alabas Papa George im ÖSTERREICH-Interview mit Ida Metzger.

Donnerstag im Wiener Donauzentrum. 15 Stunden sind vergangen, seit Bayern München den Einzug ins Champions-League-Finale geschafft hat. Im Café Pascucci sitzt der Vater von Österreichs neuem Fußballhelden David Alaba (19).

Papa George strahlt über das ganze Gesicht. Wer es nicht weiß, würde den gebürtigen Nigerianer nicht für Davids Vater halten – so jung schaut der 51-Jährige aus. „In Bayern glauben auch alle, dass ich Davids älterer Bruder bin“, lacht der Nachtklub-DJ.

Cooler Sohn
George Alaba erlebt gerade den Traum Tausender Fußballväter. David hat sich als Stammspieler im Millionenklub Bayern München etabliert. Sogar Bayern-Altstars wie Karl-Heinz Rummenigge staunten nicht schlecht, mit welcher Coolness David den Ball beim Elfmeterschießen im Halbfinale einnetzte, während Weltstars wie Cristiano Ronaldo versagten.

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    Einziger Wermutstropfen: Wegen einer Gelben Karte muss Alaba beim Finale (19. Mai in München) auf der Tribüne sitzen.

    Märchen
    Die Karriere von David Alaba liest sich wie ein Märchen: Vater George kommt 1984 mit 24 Jahren von Nigeria nach Österreich. Er spricht kein Wort Deutsch. Absolviert Deutschkurse, inskribiert an der Wirtschaftsuni. Als Rapper landet er mit Two in One einen Hit. Mama Gina stammt von den Philippinen. Auf einer Party lernen sich die beiden kennen. „Liebe auf den ersten Blick“, so George Alaba. 1992 kommt David zur Welt, zwei Jahre später Schwester Rose. Geheiratet wird erst 1995.

    Das Talent von David wird früh erkannt: „Schon in der Volksschule haben mir alle gesagt, das wird ein guter Kicker“, schwärmt der Papa. Mit 16 kommt er zu Bayern München: „Ich wollte, dass David ins Ausland geht.“ Mit 17 Debüt im Nationalteam. Und nun Bayern-Held…

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    ÖSTERREICH: Herr Alaba, wie fühlt man sich als Vater von Österreichs neuem Fußball-Helden?
    George Alaba: Ich spüre, dass alle in Österreich auf David stolz sind und für ihn die Daumen drücken, und das berührt mich. Für diese positive Stimmung möchte ich danken.

    ÖSTERREICH: Und wie bitter ist es für Ihren Sohn, dass er ausgerechnet beim Finale auf der Tribüne sitzen muss?
    Alaba: Für David zählen derzeit nur der Verein und die Mannschaft. Er freut sich, dass Bayern im Finale steht. Dafür gibt er alles. Über die Gelbe Karte, die ihm die Teilnahme am ­Finale verwehrt, denkt er gar nicht nach.

    ÖSTERREICH: Woher nimmt Ihr Sohn die mentale Stärke, vor 80.000 Zuschauern in aller Ruhe einen Elfmeter zu scoren?
    Alaba: Die Leistung, die David derzeit jede Woche abruft, ist selbst für mich erstaunlich. Das habe ich mit meiner Musikkarriere nicht erreicht.

    ÖSTERREICH: David ist erst 19 Jahre alt. Wie geht Ihr Sohn mit dem Erfolg und auch mit dem Geld, das er jetzt verdient, um?
    Alaba: Bevor David nach Bayern gegangen ist, haben wir ein Gespräch geführt. Ich habe ihm damals gesagt, er spielt nicht ums Geld. Das ist nicht wichtig. Es geht um die Leistung, wenn er die bringt, dann kommt das Geld von alleine. Ich sage auch meiner Tochter: Wenn man sich etwas wünscht, dann muss man daran arbeiten und es wird sich erfüllen. Ich finde, David ist derselbe geblieben. Der Erfolg hat ihn nicht verändert. Er hält auch noch immer Kontakt zu seinen Fußballfreunden aus seiner Kindheit.

    ÖSTERREICH: Macht David großzügige Geschenke?
    Alaba: Er hat mir schon einen Mini und einen Audi Q5 geschenkt. Und mit ­seiner Mama und seiner Schwester geht er immer wieder shoppen, kauft ihnen Taschen und Kleidung. Diese Geschenke zeigen mir, dass er sich bei uns bedanken will. Vor allem das Auto hat für uns eine ganz besondere Bedeutung. Mir war immer wichtig, dass es meiner Familie gut geht. Deswegen hatte ich nie gute, neue Autos. Als wir zum Probetraining bei der Austria-Akademie in Hollabrunn eingeladen waren, stiegen David und ich in meinen neun Jahre alten Ford Escort, und er sprang nicht an. Ich wollte ein Taxi nehmen, dann haben wir zum Glück eine Familie gefunden, die uns mitgenommen hat, sonst wäre das Probetraining ins Wasser gefallen.

    ÖSTERREICH: Ihr Sohn war 16, als er auf die Akademie nach Bayern München ging. Wie schwer ist es, den Sohn in diesem schwierigen Alter zu einem Millionenklub zu schicken?
    Alaba: Das war genau genommen meine Entscheidung, aber sie ist mir nicht leicht gefallen. David hatte damals schon fast ein Angebot, in der Profimannschaft der Austria zu spielen: Er hätte eine Wohnung bekommen und ein monatliches Fixum. Aber ich war der Meinung, dass er im Ausland mehr lernt und dass das der beste Weg ist. In Bayern haben sie es David nicht leicht gemacht. Er musste anfangs bei der U17 spielen. Das war eigentlich ein Rückschritt.

    ÖSTERREICH: Und wie hält man den Kontakt zum Sohn in dieser Zeit?
    Alaba: Seit 2008 fahre ich zu jedem Heimmatch. Das heißt, jedes zweite Wochenende bin ich in München bei David. Und er kommt so oft als möglich nach Wien.

    ÖSTERREICH: Franck Ribéry gilt als ein guter Freund von ­Ihrem Sohn. Haben Sie ihn schon kennengelernt?
    Alaba: Wenn ich in München bin, holt Ribéry David oft zum Essen ab. Aber bei dieser Freundschaft halte ich mich raus, da möchte ich mich nicht aufdrängen. Deswegen bin ich noch nie mitgegangen.

    ÖSTERREICH: Wie würden Sie Ihr Vaterverhältnis zu Ihrem Sohn beschreiben?
    Alaba: Ich bin Vater, aber auch Freund für ihn. Und ich danke David, dass er auf meinen Rat hört. Er ist ein sehr gehorsamer Sohn.

    ÖSTERREICH: Wann haben Sie das Ausnahmetalent von David erkannt?
    Alaba: Das erste Mal ist mir sein Sporttalent mit drei Jahren aufgefallen. Ich bin damals regelmäßig laufen gegangen. David wollte immer mitlaufen. Ich war selber erstaunt, wie lange er laufen konnte, ohne müde zu werden. Später war er immer im Hof mit dem Ball unterwegs. Er hat immer die anderen Kinder zum Fußballspielen zusammengesammelt. Einmal war er Kapitän, dann Trainer oder Tormann-Coach. In der Volksschule hat David dann zum ersten Mal in der Schulmannschaft gespielt. Mit neun Jahren kam er zum FC Aspern (Wien-Donaustadt). In diesem Jahr räumte er bei Turnieren die Pokale ab, wurde Türschützenkönig. Mit 10 oder elf Jahren war er schon bei der Austria.

    ÖSTERREICH: Und war David in der Schule ein guter Schüler?
    Alaba: Er ist sehr klug, hat immer die Aufgaben erledigt. Wie weiß ich zwar nicht, aber die Lehrerinnen haben ihn immer geliebt (lacht).

    ÖSTERREICH: Er hat die Lehrerinnen also um den kleinen Finger gewickelt?
    Alaba: Die Lehrer haben immer gesagt: David hat so viel Charme, dem kann man keine schlechte Note geben (lacht).

    ÖSTERREICH: Sie stammen aus Nigeria, Davids Mutter stammt von den Philippinen. Auch Tiger Woods hat afrikanische und asiatische Wurzeln …
    Alaba: Darauf haben mich schon viele aufmerksam gemacht. Aber ich finde, David ist anders als Tiger Woods. Denn er ist auch Europäer, und das fehlt Tiger Woods (lacht). Das Schöne bei David ist: Gleich drei Kontinente und drei Kulturen sind in ihm vereint. Und alle drücken für ihn die Daumen.

    ÖSTERREICH: Werden Sie zum Champions-League-Finale nach München fahren?
    Alaba: Klar, das lasse ich mir nicht entgehen.