Beckenbauer

Neue Enthüllung im WM-Skandal:

Kaiser Franz: Schlinge immer enger

Das Denkmal Franz Beckenbauer bröckelt. Wie tief ist er in die dubiose WM-Vergabe involviert?

Fußball-Ikone Franz Beckenbauer (70) hat in seinem Leben Tausende Autogramme gegeben, eine Unterschrift wird er möglicherweise ewig bereuen.

++ Nachlesen: Kaiser Franz im Visier ++

Denn seine Signatur vom 2. Juli 2000 auf einem brisanten Dokument lässt ihn tief in den Skandal um die Vergabe der Fußball-WM 2006 schlittern. Fahnder spürten den Vertragsentwurf in der DFB-Zentrale auf, Inhalt könnte eine Vereinbarung über den Kauf einer Stimme für die Bewerbung Deutschlands gewesen sein. Unterschrieben haben Beckenbauer, Präsident des Bewerbungskomitees für die WM 2006, und Ex-FIFA-Präsident Jack Warner, Chef des Nord- und Mittelamerika-Verbandes, einer der korruptesten Funktionäre und von der FIFA lebenslang gesperrt. Zudem trägt das Schriftstück das Kürzel des Beckenbauer-Intimus Fedor Radmann.

Der Deal kam nicht zustande, doch vier Tage später erhielt Deutschland den WM-Zuschlag mit 12:11-Stimmen gegen Südafrika. Das Dossier beweist, dass Stimmenkauf bei der WM 2006 ein Thema war, und lässt die Schlinge um „Kaiser Franz“ enger werden.

Oberstaatsanwältin: ›Im Moment drei Beschuldigte‹

Die Fragen, ob es zur Bestechung kam, wo die dubiosen 6,7 Millionen Euro sind, die Deutschland 2005 an die FIFA überwies, und letztlich auch die Rolle von Fußball-Legende Franz Beckenbauer will jetzt die Staatsanwaltschaft Frankfurt klären. Doch: Die Behörde ermittelt im Finanzstrafverfahren (noch) nicht gegen Beckenbauer. „Die Ermittlungen richten sich im Moment gegen drei Beschuldigte. Es wird sich zeigen, ob die neuesten Entwicklungen Einfluss auf die Ermittlungen haben“, sagt Oberstaatsanwältin Nadja Niesen zu ÖSTERREICH. Beckenbauers Management in Kitzbühel war auf Anfrage zu keiner Stellungnahme bereit. Erst kürzlich hatte Beckenbauer „Fehler“ zugegeben, zum neuen Vorwurf schweigt er.

Nach Niersbach-Rücktritt: DFB fordert Beckenbauer auf

Nach dem Rücktritt von Wolfgang Niersbach erhöht der DFB den Druck auf ihn: „Wir haben die Bitte, dass er sich intensiver einbringt in die Aufklärung“, sagt Interims-DFB-Chef Rainer Koch. Das „Denkmal Franz“, für immer beschädigt?(prj)