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'Mission erfüllt'

Kartnig geht "ohne Wehmut"

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Hannes Kartnig trat ungewöhnlich still von Sturms großer Fußballbühne ab. Abschiedsschmerz hält sich in Grenzen.

"Ich verspüre keine Wehmut, es überwiegt die Freude und Erleichterung. Meine Mission ist erfüllt", erklärte der 55-Jährige, der am Donnerstagabend nach genau 13 Jahren und 11 Monaten im Chefsessel der Grazer für seinen Nachfolger Hans Fedl Platz machte.

Rücktrittsentschluss schon Mittwoch
Seine endgültige Entscheidung, die dem in Konkurs befindlichen Verein eine 750.000-Euro-Bankgarantie und damit möglicherweise die Sicherung des Spielbetriebes bis Saisonende beschert hat, traf Kartnig bereits am Mittwochnachmittag. "Ich habe mit vielen Freunden telefoniert, und jeder hat mir geraten, es sein zu lassen. In letzter Zeit waren viele Gehässigkeiten von Fans dabei. Ich habe es nicht notwendig, mit Polizeischutz das Stadion verlassen zu müssen."

Von Fans enttäuscht
Das Verhalten der Fans ist für Kartnig unverständlich, war doch seine Ära mit zwei Meistertiteln, drei Champions-League-Teilnahmen und drei Cupsiegen die mit Abstand erfolgreichste in der Klubgeschichte. "Eines der einprägsamsten Erlebnisse aus dieser Zeit war der erste Meistertitel, außerdem im November 2000 das 2:2 auswärts gegen Galatasaray, mit dem wir den Aufstieg in die Champions-League-Zwischenrunde geschafft haben." Von den glamourösen Auftritten in der Eliteliga sind "Zar Hannes" aber nicht nur die sportlichen Geschehnisse in Erinnerung geblieben. "Das Bankett in Manchester oder in Glasgow war einfach ein Wahnsinn."

Weiter Sturm-Sponsor
Das Tafeln mit den Großen des internationalen Fußballs war schon vor Jahren beendet, nun ist es auch mit der heimischen Hausmannskost vorbei. "Das war mein definitiver Rückzug, ich werde kein Funktionärsamt mehr annehmen, und zwar auf Grund der Haftungen, die man eingeht. Da kann ich nur sagen: Hände weg", betonte Kartnig. Dem SK Sturm bleibt er als Sponsor mit seiner " Perspektiven"-Firma, für die er nun seine gesamte Energie aufwenden will, erhalten. Seinem Nachfolger als Sturm-Boss möchte er aber " mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn Fedl das will."

Mit Fedl zufrieden
Dass die neue Führungsspitze ihren Einstieg mit Kartnigs Rückzug verknüpfte, trägt der scheidende Präsident dem neuen Boss nicht nach. "Wer das Geld bringt, schafft an, das ist eine ganz normale Geschichte. Ich wollte ja Fedl schon seit Jahren zum Verein bringen, er ist ein Schwarz-Weißer durch und durch."

Finanz-Tipps für neuen Boss
Für den neuen Vereinschef hat Kartnig einige Tipps parat. "Er darf nicht mehr Geld ausgeben, als er einnimmt, und er darf sich nicht von Spieler-Managern oder Trainern übertölpeln lassen, die ihm neue, teure Kicker einreden wollen." Ihm selbst sei das oft nicht gelungen, so unter anderem beim 3,5-Millionen-Euro-Flop Charles Amoah. "Bei Amoah hätte ich auf meinen Bauch und nicht auf Manager Schilcher hören sollen."

Bei allen misslungenen Transfers und sonstigen Ausgaben legt Kartnig besonderen Wert darauf, "dass ich mich am Verein nie persönlich bereichert habe. Ich habe immer nur das Beste gewollt."

Nächste Aufgabe: Sturm-Rettung
Kartnigs Führungspolitik hat Sturm zwar große Erfolge, letztlich aber auch kolportierte Schulden von rund 9 Mio. Euro zu verdanken. Nun liegt es am neuen Präsidium rund um Fedl, den Verein vor dem Zusperren zu bewahren. Die diesbezügliche Entscheidung könnte am 7. Dezember fallen, wenn die Gläubiger über den von Sturm angestrebten Zwangsausgleich abstimmen.

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