Kirchler bleibt bei harten Zeiten Optimist

FC Wacker Innsbruck

Kirchler bleibt bei harten Zeiten Optimist

Aber: "Würde keine Sekunde zögern", Salzburg zu trainieren

Die Zeiten könnte bessere sein für Wacker Innsbrucks Coach Roland Kirchler. Mit dem Traditionsteam befindet sich das Vereins-Urgestein, als Spieler mit Wacker zwischen 2000 und 2002 dreimal Meister, mitten im Abstiegskampf, seinem Optimismus bleibt er aber allen Widrigkeiten zum Trotz treu. "Mir macht es irrsinnig Spaß", sagte Kirchler vor der Sonntagspartie gegen Salzburg (16.00 Uhr/live ORF eins). Vom Schönreden hält der 42-Jährige dennoch wenig: "Manche träumen immer noch von der großen, alten Zeit."

Finanzielle Engpässe, Zuschauer (Schnitt 4.700), die zu ihrem Verein schon lange nicht mehr in Scharen strömen, Probleme bei der Sponsorenakquisition - beim einstigen Krösus aus dem "Heiligen Land" liegt vieles im Argen. Und die Lizenzvergabe im Frühjahr wird wie auch in den vergangenen Jahren zur Zitterpartie. "Da hat der Club einen Mordsstress", erklärte Kirchler ganz offen - und erinnerte sich über zehn Jahre zurück: "Da habe ich schon ein Problem damit, weil ich das aus meiner aktiven Zeit beim FC Tirol ganz anders kenne."

Seine Analyse
"Viele leben bei uns noch in der Vergangenheit, träumen von der großen, alten Zeit. Vielleicht auch geblendet durch die Anfangserfolge nach dem Aufstieg unter meinem Vorgänger Walter Kogler", meinte Kirchler. "Wir sind leider auch im Vorstand nicht immer einig. Aber ich möchte schon ein Bekenntnis, dass es besser wird."

So müssten für die sportlichen Schwierigkeiten auch die Vereinsverantwortlichen geradestehen. "Wenn der worst case eintritt und wir absteigen sollten, dann kann und werde ich auch einen großen Teil weitergeben", stellte der 28-fache ÖFB-Teamspieler fest. Seitens Politik aber auch der Bevölkerung müsse es ein "klares Bekenntnis zum Spitzenfußball in Tirol" geben. "Sonst muss ich das Projekt schon hinterfragen."

Verpflichtungen im Winter
Bei seinem Amtsantritt im Oktober ließ er sich vertraglich neue Verpflichtungen im Winter zusichern, schnell wurde er auf den Boden der Realität geholt - Transfers blieben aus. "Ich habe als Trainer Vorstellungen, und wenn ich mich weiterentwickeln will, werde ich auch einmal einen Spieler holen müssen." Der Tiroler Weg sei löblich - führe aber unweigerlich in eine Sackgasse, wenn man ihn zu intensiv betreibt. "15 Tiroler von 23 Kaderspielern - mehr geht nicht mehr." Offene Kritik gehört für ihn zum Geschäft: "Ich habe keine Angst und möchte mich in den Spiegel schauen können."

Seine Freude an der täglichen Arbeit schmälert all das jedenfalls nicht. "Die Mannschaft ist willig, es macht irrsinnigen Spaß", betonte Kirchler, der in punkto Klassenerhalt optimistisch ist und die Mannschaft kontinuierlich entwickeln will. "Ich bin überzeugt, dass wir oben bleiben, und ich weiß, dass im Hintergrund gute Sachen laufen. Das wäre ganz wichtig für den Club."

Blick in die Glaskugel
Sollte man die Aufgabe bewältigen, dürfe man es sich schon erlauben, einen verklärten Blick in die Glaskugel zu werfen. Kirchler: "Wenn wir von Jahr zu Jahr ein bisschen besser werden, kann ich mir schon vorstellen, dass wir auch um einen Europacupplatz mitspielen."

Innsbruck könnte freilich nicht die Endstation für den Jungtrainer sein, der zuvor lediglich Regionalligist Wattens unter seinen Fittichen gehabt hat. Einen klaren Karriereplan hat sich Kirchler aber nicht gebastelt. "Ich habe gelernt, die Dinge auf mich zukommen zu lassen.

Selbst ein Engagement in Salzburg, wo er seine Oberhaus-Karriere 2006 beendete, sei denkbar. "In Salzburg gibt es keine Kontinuität. Mit so einem finanziellen Aufwand müsstest du Serienmeister werden und auch international eine Rolle spielen. Aber ich würde keine Sekunde zögern. Es ist toll, wenn man als Trainer so professionell arbeiten kann." Das ist freilich süße Zukunftsmusik, noch steht der Erkenntnisgewinn im Vordergrund. "Wo lernt man am meisten", fragte Kirchler rhetorisch: "Ganz unten und ganz oben."

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