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Hickes Bilanz

"Kleiner Schritt nach vor"

Hickersberger lobt Abwehrchef Martin Stranzl und verspricht für Euro 2008 eine "funktionierende Mannschaft".

Massive Gemütsschwankungen sind nicht die Sache des Josef Hickersberger. Selbst nach dem enttäuschenden 2:1 gegen Liechtenstein und der vorangegangenen Kritik vom Emanuel Pogatetz war bei Österreichs Fußball-Teamchef keine Krisenstimmung angesagt, dafür trat er nach dem überraschenden 2:1 am Mittwoch am Innsbrucker Tivoli neu gegen die Schweiz auf die Euphoriebremse. "Jetzt besteht in Österreich die Gefahr, dass wir diesen Sieg nicht richtig einordnen können. Wir haben nur einen kleinen Schritt nach vorn gemacht, aber ich bin überzeugt, wir sind auf dem richtigen Weg", meinte der 58-Jährige.

Einzel- und Pauschallob
Der Teamchef hob zwar Abwehrchef Martin Stranzl, der trotz einer Verkühlung und einer Zehenentzündung eine Hälfte lang im Einsatz war (Hickersberger: "Er wollte unbedingt spielen" ), den überragenden Goalie Jürgen Macho, die beiden Torschützen Roland Linz und Sanel Kuljic sowie Thomas Prager und Christian Fuchs besonders hervor, sprach aber der ganzen Mannschaft ein Pauschallob aus. "Wir haben als Mannschaft eine ganz gute Leistung geboten, vor allem die spielerische Leistung in der ersten Hälfte war gut. Es gibt in dieser Hinsicht Verbesserungen, die schon gegen Costa Rica zu sehen waren", meinte Hickersberger.

Spielglück ist ein Vogerl
Nach dem Schlusspfiff sei der Jubel unter den Spielern groß gewesen, erzählte der Teamchef. " Dieser Sieg war ein Erfolgserlebnis, der Sieg gegen Liechtenstein war die Vermeidung einer Blamage. Ein Sieg gegen die Schweiz gibt Selbstvertrauen, ein Sieg gegen Liechtenstein nicht." Mitverantwortlich dafür war auch das Spielglück, das sich nach langer Zeit wieder auf die Seite des ÖFB-Teams schlug. "Beim Elfer zum 1:0 haben wir Glück gehabt, den gibt nicht jeder Schiedsrichter", gab Hickersberger zu.

Optimistisch in die Zukunft
Mit dem unerwarteten Erfolg gegen den aktuellen Weltranglisten-14., der in den sieben Partien davor ohne Gegentor und in den zwölf Spielen davor ohne Niederlage blieb, lässt sich wieder optimistischer in die Zukunft blicken. "Es gibt kleine Fortschritte. Wir haben aber nur ein Testspiel gewonnen, allerdings gegen einen sehr starken Gegner, der nicht verlieren wollte."

Der Niederösterreicher hielt einen Tag nach dem Match wieder ein Plädoyer für die Jugend und erteilte einmal mehr allen Forderungen nach einer Rückkehr von arrivierten Spielern jenseits der 30 eine Absage. " Wir sind auf dem einzig richtigen Weg", betonte Hickersberger und meinte in Richtung Journalisten: "Ihr könnt mich kritisieren, aber nicht den Weg in Frage stellen. Es geht nur über die Förderung der jungen Spieler."

Hicke verspricht gutes Team
Er sei zwar keinem "Jugendwahn" verfallen, von seiner Marschroute lasse er sich aber dennoch nicht abbringen. "Ob es sich bis zur EURO ausgeht, kann ich nicht versprechen, aber wir werden in absehbarer Zeit ein gutes Team haben." Seine eigene Person sei in diesem Entwicklungsprozess sekundär. "Wenn ich scheitere, habe ich damit persönlich kein Problem - ob ich der Färöer-Pepi oder der Vaduz-Josef bin, ist mir so was von egal. Aber ich bin überzeugt, dann bin ich auf dem richtigen Weg gescheitert." Weiters meinte der frühere Rapid-Meistermacher: "Jeder glaubt, mir fällt jetzt ein Stein von Herzen. Aber mit 58 können mir nicht mehr viele Steine aus dem Körper fallen. "

Teamgeist
Hickersberger hatte die Anfangsformation der ÖFB-Elf im Vergleich zum Liechtenstein-Match gleich an acht Positionen verändert. "Deshalb kann man nicht davon sprechen, dass eine Stammmannschaft gefunden wurde. Das Stadion in Innsbruck ist auch noch eine Baustelle, aber auch da sieht man Fortschritte. Doch es gibt eine Gruppe, die zusammengewachsen ist. Da ist ein Teamgeist im Entstehen." Aus diesem Grund ist der frühere Rapid-Meistermacher auch optimistisch, dass öffentlich geäußerte Kritik wie jene der England-Legionäre Pogatetz und Paul Scharner der Vergangenheit angehört.

Stimmungsmacher
Der Erfolg gegen die Eidgenossen sei nicht nur im Hinblick auf das Selbstvertrauen der Mannschaft, sondern auch im Zusammenhang mit der Außendarstellung Goldes wert. "Es muss uns gelingen, die Stimmung im eigenen Land bis zur EURO zu verbessern. Wenn uns das nicht gelingt, haben wir ein Problem, aber wenn bei der EM 50.000 Österreicher im Stadion sitzen, wird das Team über sich hinauswachsen. Ich weiß zwar nicht, ob wir bei der EURO unsere Ziele erreichen werden, aber ich kann versprechen, dass wir alles geben und als Mannschaft funktionieren werden."

Spry-Engagement ein Erfolg
Wenn Österreichs Fußball-Teamchef Hickersberger auch darauf Wert legte, dass der Erfolg gegen die Schweiz auf Grund der kurzen Zeit der Zusammenarbeit nicht unmittelbar auf die Trainingsmethoden von Roger Spry zurückzuführen ist. Der Engländer durfte sich ebenso wie die beiden neu zum ÖFB gekommenen Mentaltrainer Günter Amesberger und Wolfgang Hartweger über einen gelungenen Einstand freuen.

Nachdem Spry im Rahmen des Teamcamps eineinhalb Wochen mit den Spielern auf dem Platz trainiert hat, beginnt für den Conditioning Coach nun die Arbeit in seinem Filmstudio in Birmingham. "Ich werde die Tests und Videos analysieren und in sieben Tagen beginne ich damit, die ersten individuellen Trainingsprogramme für die Spieler auf DVD zu verschicken", erklärte Spry.