walter schachner

Schachner leidet

"Unser Fußball macht mich traurig"

1860 München-Trainer Walter Schachner im ÖSTERREICH-Interview über die Team-Krise, Krankl und Rapid.

ÖSTERREICH: Walter Schachner, Deutschlands heimliche Fußballhauptstadt München liegt Ihnen zu Füßen. Stolz?
Schachner: Stimmung, Leidenschaft, Entwicklung. 1860 ist auf einem guten Weg. Erreicht haben wir noch nichts. Ich will die Löwen dorthin führen, wo ich als Spieler und Trainer schon war. Erste Bundesliga, Meisterschaft, Champions League. Das Umfeld bei 1860 ist infiziert, es herrscht Euphorie. Ich verspüre eine unglaubliche Motivation und Hingabe für meine junge, talentierte Mannschaft.

ÖSTERREICH: Können Sie uns von dieser Euphorie bitte ein Stück in die Heimat senden?
Schachner: Bei uns fehlt die Euphorie gänzlich. Und das kurz vor dem Jahrhundert-Ereignis EM 2008. Unglaublich! Solch ein Turnier werden wir nie mehr erleben. Als ich letztes Mal für ein paar Tage in der Steiermark war, habe ich es nicht fassen können. Es hat mich alles tieftraurig gestimmt.

ÖSTERREICH: Warum das?
Schachner: Keine Fußball-Euphorie im Land. Keine Kampagnen für die EM 2008. Keine Werbespots. Kein Bundesliga-Fußball im Free-TV. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Sturm Graz. Irrsinn! So geht unser liebstes Gut Fußball kaputt!

ÖSTERREICH: Was sollte Österreich tun?
Schachner: Deutschland hat groß am Rad gedreht. Werbebotschaften wohin du auch immer gesehen hast. Freundlichkeits-Kampagnen bis in den letzten Winkel der Welt. Vielleicht fangen sie bei uns damit ja ein halbes Jahr vor der EM an! Und es kann auch nicht sein, dass ich den Bundesliga-Fußball nur in Kurzberichten im TV sehe oder im Radio höre.

ÖSTERREICH: Die Liga hat klare TV-Verträge abgeschlossen. Gibt es einen Ausweg?
Schachner: Es ist doch nicht normal, wenn in Radio und Fernsehen fast gar kein heimischer Fußball vorkommt. Das kann es zwei Jahre vor der EM nicht sein! Wie sollen die Leitgebs, Jankos oder Pragers für die Jugend auf den Straßen zum Vorbild werden? Bitte macht einen runden Tisch! ORF und Premiere müssen miteinander sprechen. Da müssen auch Leute wie Mateschitz mit an den Tisch. Lieber heute als morgen.

ÖSTERREICH: Wollen Sie einen Job bei Red Bull, oder warum fällt der Name Mateschitz?
Schachner: Herr Mateschitz ist in der heimischen Wirtschaft für mich die ganz klare Nummer eins. Visionär, Denker, Lenker. Ruht sich keine Sekunde auf dem Ist-Zustand aus. Mateschitz muss sofort ins EM-Boot geholt werden! Was meinen Sie, wie Herr Mateschitz marketingtechnisch unseren Fußball ankurbeln würde? Nicht nur mein Herz würde im Dreieck springen!

ÖSTERREICH: Aus Ihnen klingt Patriotismus pur. Spricht hier schon der kommende Nationalteamtrainer?
Schachner: Keine Frage. Ich bin Patriot. Es wäre eine große Ehre für mich, einmal Nationaltrainer von meinem Heimatland zu werden. Der ÖFB hat sich aber Ende 2005, als ich beim GAK unter Vertrag stand, für Pepi Hickersberger entschieden.

ÖSTERREICH: Und wenn der Posten zur Disposition steht?
Schachner: Und wenn ich zu dieser Zeit bei AC Milan unter Vertrag stehe? Ich denke in der Gegenwart.

ÖSTERREICH: Apropos Gegenwart. Was sagen Sie zur aktuellen Entwicklung bei Rapid?
Schachner: Krankl muss Manager bei Rapid werden! Rapid braucht Krankl, Krankl braucht Rapid. So viele Ikonen hat der Verein nun auch wieder nicht.

Von Christian Ortlepp/Österreich