Vogts sagt Österreich den Kampf an

EM-Quali

Vogts sagt Österreich den Kampf an

Aserbaidschans Teamchef: "Nicht gekommen, um zu verlieren."

ÖSTERREICH: Berti Vogts, Sie sind mit Ihrer Mannschaft schon seit Sonntag in Wien. Wie läuft die Vorbereitung?
Berti Vogts (63): Ich freue mich sehr hier zu sein, wir sind toll aufgenommen worden. Die Trainingsbedingungen sind super – die Vorbereitung läuft gut.

ÖSTERREICH: Was sind Ihre Erinnerungen an Österreich – Stichwort Cordoba ...
Vogts: (lacht) Auf diese Frage habe ich gewartet. Ich habe ja damals den Verdienstorden von Österreich bekommen. Es war ein großer Sieg für Österreich gegen das große Deutschland. Ich habe danach eingesehen, dass es keinen Sinn mehr macht, wenn ich für Deutschland spiele. Nach meinem Rücktritt hat sich das deutsche Team sehr gut entwickelt, gehört jetzt zu den besten der Welt.

ÖSTERREICH: Wie ist Ihr Verhältnis zu Österreich heute?
Vogts: Sehr gut. Hans Krankl ist beim Training in Vösendorf vorbeigekommen. Wir haben uns sehr lange unterhalten. Über Cordoba und den Fußball allgemein. Schade, dass er nicht mehr Trainer ist. Und mit Teamchef Dietmar Constantini war ich gemeinsam in Südafrika.

ÖSTERREICH: Was erwarten Sie sich vom heutigen Spiel?
Vogts: Ich bin nicht gekommen, um zu verlieren. Wenn Österreich mitmacht, wollen wir sogar gewinnen. Aber das wird schwer. Ich habe 14, 15 gute Spieler. Technisch sehr stark. Aber sie bekommen Probleme, wenn das Tempo schnell wird. Auch die hohe Intensität sind sie nicht gewohnt. Bei den Klubs wird viel weniger trainiert.

ÖSTERREICH: Der Druck auf Österreich ist groß ...
Vogts: Ich weiß, wie schwer es ist, gegen einen Underdog zu spielen. Aber Österreich ist vom Kasachstan-Spiel gewarnt, wird nicht die gleichen Fehler noch einmal machen. Umgekehrt wäre es mir lieber gewesen.

ÖSTERREICH: Ist ein Spiel gegen Österreich ein Highlight für Aserbaidschan?
Vogts: Jedes Spiel in Mitteleuropa ist ein Highlight. Beim Abschluss-Training im Happel-Stadion haben sie sich zehn Minuten nur das Stadion angeschaut. Ich hoffe, das ist heute anders. In Aserbaidschan wäre man schon froh über ein halbes Happel-Stadion. Ich habe die Spieler gefragt, ob sie Ernst Happel kennen. Sie haben verneint, da habe ich ihnen erklärt, dass er einer der größten Trainer der Welt war.

ÖSTERREICH: Wie muss man sich Ihren Job vorstellen? Leben Sie in Aserbaidschan?
Vogts: Nein, ich bin bei Spielbetrieb immer rund zweieinhalb Wochen dort. Ich soll die Mannschaft aufbauen. Das ist viel Arbeit, aber wir sind auf einem guten Weg. Das Team ist jetzt sehr jung. Und in ein paar Jahren können wir nach Österreich kommen und sagen: „Wir wollen gewinnen.“