Marko: »Max ist Mann der Zukunft«

Red-Bull-Boss im ÖSTERREICH-Interview

Marko: »Max ist Mann der Zukunft«

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Helmut Marko wirft im ÖSTERREICH-Interview einen Blick auf die neue Saison.

ÖSTERREICH: Herr Marko, vor zwei Jahren meinten Sie noch, dass Red Bull mit den Mercedes-Gagen nicht mitgehen will. Jetzt dringt Max Verstappen aber tatsächlich in Hamilton-Dimensionen vor …

HELMUT MARKO: Ich weiß nicht, was Hamilton verdient, aber dass ein Weltmeister eine andere Gewichtung bekommt, ist wohl klar. Es gibt zur Zeit nur zwei Superstars, und Max ist der Mann der Zukunft.

ÖSTERREICH: Können Sie sich vorstellen, dass Verstappen bis zum Karriereende bei Red Bull bleibt?

MARKO: Das ist jetzt der längste Vertrag, den wir je abgeschlossen haben. Max hat 2015 bei uns angefangen, er gehört einfach zu Red Bull.

ÖSTERREICH: Was konnten Sie bei den Tests beobachten? Hat Max jetzt ein Auto, um gleich noch einmal Weltmeister zu werden?

MARKO: Keiner weiß, wer mit wieviel Gewicht gefahren ist. Es scheint, als könnte neben Mercedes und uns auch Ferrari wieder vorne sein.

ÖSTERREICH: Mit Ihrer Aussage in ÖSTERREICH, dass bei Hamilton das zunehmende Alter zum Nachteil wird, haben Sie für Aufsehen gesorgt ...

MARKO: Wenn man sich die Leistungspyramide im Zusammenhang mit dem Alter anschaut, dann ist das doch irgendwie logisch, oder?

ÖSTERREICH: Zumindest Sky-Experte Ralf Schumacher gibt Ihnen recht, er meint dass Hamilton sogar Mercedes-intern von George Russell Probleme bekommen wird.

MARKO: Russell wird sicher nicht wie Bottas die Nummer-2-Rolle hinnehmen, der wird um seine Position kämpfen und auf Anhieb dabei sein.

ÖSTERREICH: Was ist Ihnen bei den neuen Autos aufgefallen?

MARKO: Die Autos sind schwer, aber sauschnell. Es ist spannend, wie das neue Reglement ausgelegt wird. Mercedes hat ein ganz anderes Konzept als wir.

ÖSTERREICH: Stimmt es, dass Red Bull noch nicht alles gezeigt hat?

MARKO: Ganz sicher. Wir sind noch lange nicht am Gewichtslimit, dazu kommen neue Teile. 

ÖSTERREICH: Das erklärt die halbe Sekunde, die Red Bull noch hinter Mercedes ist?

MARKO: Wir sind keine halbe Sekunde hinten. Wir sind mit harten Reifen gefahren, während Mercedes mit zwei Stufen weicheren Reifen unterwegs war. Aber ich bin schon gespannt auf die nächsten Tests.

ÖSTERREICH: Macht Ihnen das viele Herumfliegen in schwierigen Zeiten wie diesen noch Spaß.

MARKO: Ich habe gehofft, dass der Corona-Wahnsinn langsam vorbei ist. Jetzt kommt der Krieg. Ich habe den Jugoslawien-Krieg vor 30 Jahren hautnah miterlebt. Aber das ist jetzt eine ganz andere Dimension mit dieser Brutalität und der Drohung, Atomwaffen einzusetzen.

ÖSTERREICH: Halten Sie die Sanktionen gegen russische Sportler für gerechtfertigt?

MARKO: Dass man den Russland-GP raus nimmt, finde ich berechtigt. Mazepin auszuschließen ist insofern gerechtfertigt, als dass sein Cockpit mit russischem Geld finanziert wird. Nationalmannschaften sollte man auch ausschließen. Aber einzelne Sportler? Hallo, es darf doch keine Personenhaftung geben. Oder wollen Sie auch Anna Netrebko verbieten, zu singen? 

ÖSTERREICH: Genau das passiert. 

MARKO: Ich würde jedenfalls Sportler, die sich von klar Putin distanzieren, starten lassen. 

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