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Hartes Durchgreifen

IOC will Doper für Olympia sperren

Um noch mehr Abschreckung zu erwirken: Zukünftig sollen Doping-Sünder grundsätzlich von Olympia ausgeschlossen werden.

Doping-Sündern droht in Zukunft bei schweren Verstößen der Ausschluss von Olympischen Spielen. "Jeder Athlet, der mit einer Sperre von sechs Monaten und mehr bestraft ist, kann nicht an den nächsten Olympischen Spielen teilnehmen", erklärte IOC-Präsident Jacques Rogge nach einem Treffen mit der Führung des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF in Osaka. Dies würde automatisch bei Anabolika-Missbrauch oder Blutdoping der Fall sein.

"Ich bin überzeugt, dies wäre eine machtvolle Abschreckung. Die Botschaft ist: Wer betrügt, wird bei Olympia nicht dabei sein", sagte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) einen Tag vor Eröffnung der Weltmeisterschaften in Japan.

Bei Aussage Strafmilderung
Der Bann soll immer nur für die nächsten Olympischen Spiele gelten und kann auch aufgehoben werden, wenn der des Dopings überführte Athlet als Kronzeuge Namen von Trainern, Ärzten, Offiziellen oder anderen in Manipulationen verwickelten Sportlern preisgeben würde. "Wenn die Informationen wertvoll sind, könnte erwogen werden, die Sanktion zu verringern", so Rogge.

Nach den bisherigen IOC-Regeln können Doping-Sünder nach Ablauf ihrer Sperre an Olympia teilnehmen, wenn sie von ihrem Nationalen Olympischen Komitee nominiert werden. In Österreich wird dies nicht der Fall sein. ÖOC-Präsident Leo Wallner hatte im Mai erklärt, gedopte Sportler würden nie wieder für Spiele akkreditiert.

IOC unterstützt härtere Strafen
Volle Unterstützung von Rogge erhält die IAAF für die Forderung, Doping-Ersttäter bei schweren Vergehen für vier statt zwei Jahre zu sperren, wie es bisher im Welt-Anti-Doping-Code festgeschrieben ist. Die IAAF möchte diese Strafverschärfung in die Neufassung des Codex' aufnehmen lassen, der auf der Konferenz der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) im November in Madrid verabschiedet wird.

"Wir werden die IAAF aus vollem Herzen dabei unterstützen", sagte Rogge. In der WADA gebe es jedoch erhebliche Widerstände gegen diese Initiative. "Am kommenden Dienstag haben wir ein Treffen mit WADA-Vertretern, und wir werden sie dringend bitten, diesen IAAF-Vorschlag zu akzeptieren."

Schmutzigste WM aller Zeiten?
Unterdessen hat der Doping-Experte Werner Franke für seine Behauptung, dass die WM in Osaka die "schmutzigste seit Beginn der 90er Jahre" werden würde, Unterstützung aus dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) erhalten. "Da kann er schon Recht haben", sagte DLV-Cheftrainer Jürgen Mallow. So lange es nicht bessere Analysemethoden von Doping-Proben und intelligentere Kontrollen gebe, müsse man davon ausgehen, "dass es so ist, wie Franke es sagt". Die IAAF hatte Frankes Anschuldigungen mit Hinweis auf die rund 1000 Tests bei der WM und ein seit 1990 bestehendes Kontrollsystem als die eines "Wichtigtuers" zurückgewiesen.

Mehr Chancengleichheit
DLV-Präsident Clemens Prokop forderte mit Blick auf die Chancengleichheit weltweit einheitliche Standards bei Qualität und Dichte der Doping-Kontrollen. Länder, die diese nicht erfüllten, sollten von großen Titelkämpfen ausgeschlossen werden können. "Entscheidend ist nicht, was es seit den 90er Jahren an Versäumnissen gibt, sondern was wir weiter tun können", sagte er. Zu mehr Engagement forderte er den Europäischen Leichtathletik-Verband (EAA) auf. "Die EAA beteiligt sich am Anti-Doping-Kampf finanziell nicht. Dies macht allein die IAAF", erklärte Prokop, "auch in Europa haben wir erhebliche Unterschiede bei den Kontrollsystemen in den Ländern."