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Rad-Doping

Ö-Radfahrer als Doping-Händler verhaftet

Staatsanwalt bestätigt: österreicherischer Radfahrer wurde als Doping-Händler verhaftet.

Am Freitag, dem 13. März, schnappte die Falle zu. Polizisten verhafteten in der Bundeshauptstadt den gebürtigen Kärntner Christof K. Das Delikt: K. soll im großen Stil mit Dopingmitteln in der heimischen Sportszene gehandelt haben. Dem 32-jährige Profi, für den die Unschuldsvermutung gilt, drohen bis zu fünf Jahre Haft.

K. gehört selbst seit Jahren zu den heimischen Spitzen-Radrennfahrern. Im Vorjahr gewann er mit seinem oberösterreichischen Team die Tchibo Top.Rad.Liga.

Szene zittert
Bereits vergangenen Montag erfuhr ÖSTERREICH aus Insider-Kreisen, dass in der Sportszene „Feuer am Dach“ sei. Informanten, die normalerweise sehr locker über das heiße Thema Doping plauderten, waren plötzlich nicht erreichbar oder legten einfach auf. Jetzt ist klar, warum. Die Kunden von K. zittern nämlich, dass der verhaftete Sportler auspacken könnte. Und das, wie aus Polizeiquellen durchsickerte, durchaus zu Recht. Von Dutzenden Haus-Durchsuchungen ist ebenso die Rede wie von abgehörten Telefonaten. Donnerstagabend wurde in Wien ein Apotheker verhaftet und von der SOKO „Doping“ des Bundes-Kriminalamtes stundenlang einvernommen. Inzwischen wurde der Mann auf freiem Fuß angezeigt.

Ebenfalls am Donnerstag fiel auf, dass bei der Präsentation des Rad-Teams RC Gourmetfein Wels in Marchtrenk einer unentschuldigt fehlte: Christof K.

U-Haft
Der sitzt nämlich in U-Haft, wie Staatsanwaltschafts-Sprecher Gerhard Jarosch am Freitag endlich bestätigte: „Es geht nicht nur um ein paar Tabletten, sondern um deutlich mehr.“ Laut gut informierten Quellen handelt es sich um das im Ausdauersport so beliebte Blutdoping-Hormon EPO (wurde z. B. Tour-„Held“ Bernhard Kohl zum Verhängnis) und um muskelaufbauende Testosteron-Präparate.

Spitze des Eisbergs
Wenn man den Gerüchten, die in der Spitzensportszene kursieren, glaubt, dann müssen jetzt zahlreiche Athleten in diversen Sportarten um ihre Karriere und um ihren Ruf fürchten. Auch von Seiten der Polizei wird bestätigt, dass noch mehrere Sportler und deren Betreuer im Visier stehen.

Ein ehemaliger Olympia-Athlet zu ÖSTERREICH: „Nach der Turin-Affäre 2006 und dem Kohl-Skandal bei der Tour de France 2008 könnte das die größte Doping-Bombe werden, die es bis jetzt gegeben hat.“

Reaktionen zur Verhaftung

Sportminister Norbert Darabos

ÖSTERREICH: Was sagen Sie zur Festnahme des heimischen Radrennfahrers?

NORBERT Darabos: Da die Staatsanwaltschaft ermittelt, will ich den Fall vorerst nicht kommentieren. Als entschiedener Dopinggegner begrüße ich es, wenn das bestehende Antidoping-Gesetz endlich angewandt wird. Der mediale Druck hat Sinn gemacht. Ein erster Schritt in die richtige Richtung.

ÖSTERREICH: Planen Sie als Sport-Minister weitere Maßnahmen im Kampf gegen Doping?

Darabos: Wir brauchen noch mehr Möglichkeiten, um im Kampf gegen Doping erfolgreich zu sein. Daran arbeite ich sehr intensiv.

ÖSTERREICH: Der Doping-gesperrte Langlauftrainer Walter Mayer meinte, Sie würden sich am Thema Doping ,medial begeilen' ...

Darabos: Herr Mayer sollte aufpassen, was er sagt. Für mich ist das Thema zu wichtig, als dass ich es auf die leichte Schulter nehme.

Andreas Schwab, Geschäftsführer der Nationalen Anti-Doping Agentur NADA Austria
"Ich freue mich sehr darüber. Es ist sehr positiv. Das Anti-Doping-Gesetz ist doch nicht so zahnlos wie man schon einmal geglaubt hat, und ich freue mich sehr, dass es einen ersten entsprechenden Erfolg für die Kriminalpolizei gegeben hat."

Otto Flum, Präsident des österreichischen Radsport-Verbands (ÖRV)
"Die Inhaftierung des Betroffenen geschah nicht im Rahmen einer Dopingkontrolle, sondern im Zuge von Aktivitäten der Kriminalpolizei. Der ÖRV wird und kann in dieser Causa nichts unternehmen, da das Prozedere des neuen Antidopinggesetzes seinen Lauf nimmt und wir hier keinen Einfluss haben. Scheinbar haben wir in unseren Reihen nach wie vor unverbesserliche, dumme Sportler, die uns in unseren Bemühungen im Kampf gegen Doping immer wieder zurückwerfen. Dieser Fall ist unserem Sport und hier speziell den Veranstaltungen, den Teams und allen Beteiligten sicher nicht hilfreich. Er zeigt aber auch, dass das neue Antidopinggesetz, für das wir uns immer sehr eingesetzt haben, Wirkung zeigt. Ich hoffe, dass diese Causa abschreckend auf alle jene wirkt, die nach wie vor in diesem Doping-verseuchten Graubereich zu tun haben."

Paul Resch, ehemaliger Präsident des Welser Clubs und Landesverbandspräsident
"Es ist ein Wahnsinn. Man reißt sich den Hax'n aus, dass man Junge zum Radsport bringt, und das. Ich wäre froh, wenn man mit diesen Säcken aufräumt. Beim Club hat das keiner geglaubt, K. war aber ein schräger Vogel. Ich bin entsetzt. Man kann noch nicht sagen, was das heißt, aber ein paar Narrische können nicht Hunderttausenden die Freude am Radfahren nehmen. Auch den Sponsoren geht es nicht mehr nur um Schneller und Höher, sondern auch um den Breitensport."