Sotschi 2014 stellt sich schon in die Schaufenster

Sotschi-Spiele sollen "ganze Region verändern"

Mit ihrer Olympia-Pleite haben die Athleten eher Anti-Werbung für Sotschi gemacht, doch schon in vier Jahren will die frühere Wintersport-Großmacht Russland wieder glänzen. Perfekt, groß und unvergesslich sollen sie werden, die XXII. Olympischen Winterspiele im Schwarzmeer-Kurort am Fuße des Kaukasus. OK-Chef Dmitri Tschernitschenko versprach: "Unsere Spiele werden eine ganze Region verändern."

Alle Sportstätten sind längst im Bau, die Hochglanzbroschüren gedruckt: Sotschi 2014 - das "Tor zur Zukunft". Nur ein Slogan oder eine echte Herausforderung für Sport und Politik, Wirtschaft und Infrastruktur? Winter-Olympia praktisch aus dem Nichts, an subtropischen Gestaden und in unerschlossenen Gebirgsregionen. Alles musste von Grund auf neu errichtet werden, "und wir liegen gut im Zeitplan", versicherte Olympia-Macher Tschernitschenko. "Unser Hauptziel besteht darin, alle Sportanlagen zwei Jahre vor dem Olympia-Beginn fertig zu haben. Damit sollen alle Athleten genügend Zeit zur Vorbereitung bekommen." Das Internationale Olympische Komitee (IOC) mahnte bereits zur Eile.

Der viermalige Schwimm-Olympiasieger Alexander Popow erwartet jedenfalls glänzende Heimspiele. "Die Spiele in Sotschi werden besser organisiert sein als die in Vancouver, ganz sicher", sagte der 38-Jährige. Und hoffentlich sportlich erfolgreicher: Noch nie seit ihrer olympischen Winter-Premiere im Jahr 1956 wurden Russlands Athleten so abgehängt wie jetzt in Vancouver. Vor dem Schlusstag ganze 15 Medaillen, nur dreimal Gold, Platz 11 in der Nationenwertung.

Ganz Russland ist ernüchtert, Regierungschef Wladimir Putin ungehalten. Der ehemalige Judoka kündigte eine schonungslose Analyse der "Fehler und Misserfolge" an und forderte: "Wir müssen die Situation ändern und die Bedingungen für unseren Auftritt bei den Olympischen Spielen in Sotschi 2014 schaffen."

Die Zeitung "Wedomosti" (Samstag) kritisierte die hohen Ausgaben für die riesige russische Olympia-Delegation. Das "Russia House" mit seinen etwa 10.000 Quadratmetern sei vermutlich das teuerste aller Zeiten, hieß es. Andererseits habe der Rodler Albert Demtschenko, immerhin Silbermedaillen-Gewinner in Turin 2006, kein Geld für einen neuen Schlitten erhalten - er musste bei seinen Freunden sammeln. Im Eiskanal von Whistler reichte es nur zum undankbaren vierten Platz.

"Damit sich das Debakel von Vancouver nicht 2014 in Sotschi wiederholt, werden sie noch mehr Gelder aus dem Haushalt und von Sponsoren heranziehen", prophezeite "Wedomosti". Sportminister Witali Mutko will die Verbände "noch enger an den Staat knüpfen". So gibt es Überlegungen, die Sportverbände in Abteilungen des Sportministeriums zu verwandeln und an ihre Spitze jeweils einen finanzkräftigen Oligarchen zu stellen. Dann hätte Mutko, der bereits jetzt in der Kritik steht, die volle Verantwortung für das Abschneiden.

Mit Sarkasmus reagierte der Präsident des russischen Langlauf-Verbandes, Wladimir Loginow, auf das schlechte Abschneiden seiner Sportler. "Der Verbandspräsident ist schuld. Er muss erschossen werden", sagte er im Scherz der Zeitung "Kommersant". Loginow kritisierte die mangelhaften Trainingsmöglichkeiten in Russland. So gebe es nur ein Langlauf-Zentrum auf internationalem Niveau. "Das rechtfertigt aber nicht den Auftritt unserer Mannschaften."