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'Des woars': Letzte Show für Hirscher

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Ski-Ikone Marcel Hirscher (30) bleibt der Größte. Auch nach seinem Abschied vom Weltcup.

Die Event-Location Gusswerk, gestern kurz nach 20 Uhr. Über ein Dutzend Kamerateams von ORF über oe24.TV bis ARD und ZDF haben sich in Stellung ­gebracht. Knapp 200 Reporter drängen in den ehemaligen Fabrikraum. Hinter dem Podium sind die acht großen Kristallkugeln des erfolgreichsten Skirennläufers der Welt aufgestellt. Für die ÖSV-Spitze, allen voran Präsident Peter Schröcksnadel, und wichtige Sponsor-Partner sind die vordersten Plätze reserviert. Alle wissen, was jetzt kommt. Dennoch ist die Stimmung speziell. Aus dem Off ertönt: „Eine Minute.“

20.16 Uhr: Die Show beginnt. Die Bühne wird in blaues Scheinwerferlicht getaucht. Die Livesendung startet vor einem Millionenpublikum. Sekunden-Countdown. Musik, Skikanten kratzen übers Eis, Fan-Jubel. Ein emotionales Video mit den Höhepunkten aus Hirschers unglaub­licher Karriere wird eingespielt. Ex-Skirennläufer Marco Büchel begrüßt die Gäste und ruft „den erfolgreichsten Skirennläufer der Welt“ auf die Bühne.

20.22 Uhr: Auftritt Marcel. Hirscher lässt sich nicht lange bitten, kommt in weißem T-Shirt, Bluejeans und weißen Sneakers, bedankt sich bei allen. Er macht es „kurz und schmerzlos“: „Ja, es ist heute der Tag, an dem ich meine aktive Karriere beenden werde.“

Video zum Thema: Hirscher erklärt seinen Rücktritt

20.23 Uhr: Rücktritt. Die erfolgreichste Skikarriere der Welt ist zu Ende! Dutzende Kameras klicken. Marcel weiter: „Die Entscheidung ist jetzt zwei Wochen alt.“ Und weiter: „Es ist kein Berufswechsel, es ist ein Leben, das man von heute auf morgen beendet.“

Die letzten Tage „waren sehr strapazierend“ für Hirscher. Marcel atmet durch: „Ich war schon lang nicht mehr so nervös.“ Büchel fragt Marcel, ob er alles wieder genauso machen würde. Ja, würde er. Und zum „Ausblick“: „Ich freu mich einmal, dass ich morgen in der Früh ausschlafen kann.“ Konkret über die Zukunft spricht er nicht, er hat aber „spannende Projekte“ in Aussicht.

20.38 Uhr. Vor den Reporterfragen noch ein letztes Hirscher-Statement: Er bedankt sich bei seinen engsten Wegbegleitern – vor allem bei seinem Vater Ferdl, „meinem ersten und letzten Trainer“. Bei seiner Frau Laura, „die mich als Nobody kennengelernt hat“, und bei seinem Team.

21.22 Uhr. Standing Ovations im Saal. Marcel – sichtlich erleichtert – verabschiedet sich von den Gästen und verlässt offiziell die große Ski-Bühne.

Superstar Marcel

In den vergangenen zwölf Jahren hat Hirscher alles gewonnen, was es im Skirennsport zu gewinnen gibt: Seine acht Gesamtweltcup-Siege in Folge sind ebenso unerreicht wie 7 WM-Gold- und vier WM-Silbermedaillen. Mit 67 Weltcup-Siegen stellte der Salzburger selbst Legende Hermann Maier in den Schatten.

Bis zum Schluss war Hirscher top. In Pyeongchang (Südkorea) erfüllte er sich mit zwei Goldenen den Olympia-Traum, vergangene Saison gewann er noch 9 Weltcuprennen – obwohl er sich im Vorfeld den Knöchel brach. In Åre 2019 holte er Gold im Slalom. Jetzt ist Schluss.

Hirscher: "Laura war meine stärkste Ressource"

„Die Realitäten haben sich verschoben“, hatte die Ski-Ikone nach der Geburt seines Sohnes im Oktober vor einem Jahr erklärt. Über seine Ehefrau Laura sagte er: „Sie ist meine stärkste Ressource, der letzte Rest an Normalität und Geborgenheit.“ Und über seinen Sohn: „Der Sinn des Lebens ist am 6. Oktober auf die Welt gekommen. Ich schau ihm jeden Tag in die Augen und beim Wachsen zu.“

Video zum Thema: Hirscher: Wann genau die Akkus leer waren

Ewigkeit

Marcel bleibt auch als Ski-Pensionist der Größte. Am 31. Oktober wird er wohl bei der Gala-Nacht des Sports zum 6. Mal als Sportler des Jahres ausgezeichnet werden. Raiffeisen setzt weiter auf den Sportler mit besten Beliebtheitswerten als Werbe-Testimonial (der Vertrag läuft ohnehin noch knapp ein Jahr).

Auch Ski-Ausrüster Atomic ist mit Hirscher nach Ende der Saison 2019/20 vertraglich gebunden: „Wir hatten immer einen Plan B“, so Atomic-Rennsportleiter Christian Höflehner im ÖSTERREICH-Talk.

Hirscher wird Botschafter für den heimischen Skirennstall mit seit Kurzem chinesischen Eigentümern. Und im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking will man den Vertrag verlängern. Der beste Skirennläufer aller Zeiten soll Millionen Chinesen mit dem Ski-Virus infizieren.

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