Eingebettet zwischen Super-G und Slalom steigt am Samstag (11.30 Uhr/ORF 1) mit der traditionellen Hahnenkamm-Abfahrt ein Jahreshighlight im Ski-Kalender. Freitag-Gewinner Marco Odermatt ist erneut Topfavorit, aus österreichischer Sicht will vor allem Vincent Kriechmayr dagegenhalten.
Die Streif präsentierte sich in den Trainings rasant wie seit Jahren nicht. Folgt gar ein Höllenritt zum neuen Streckenrekord? Der Kitzbühel-Höhepunkt ist seit Wochen mit 45.000 Zuschauern (rein Onlineverkauf) ausverkauft. Die rot-weiß-roten Hoffnungen auf den ersten Abfahrtssieg in Kitzbühel seit 2023 ruhen auf den Schultern jenes Mannes, der damals auch gewonnen hat. Kriechmayr, der Abfahrts-Vizeweltmeister von 2025, hat zuletzt nach 700-tägiger Wartezeit als Zweiter in Wengen wieder das Weltcup-Podest bestiegen.
Nach "Genuss"-Skifahrten im Training war Rang sieben im Super-G für den Routinier ein Stimmungsdämpfer. "Morgen werde ich sicher mit Wut am Start sein. Dann werden wir sehen, ob das so eine clevere Herangehensweise war." Die Ausgangslage vor dem "großen" Streif-Zug war dennoch klar. "Mein Speed ist teilweise sehr gut, aber man kann sich nicht viele Fehler erlauben. Da sind so viele Athleten dermaßen gnadenlos am Limit. Wenn du ein bisschen zurückziehst, wirst du durchgereicht", sagte Kriechmayr.
Mit Odermatt (Beaver Creek, Gröden I, Wengen) und Von Allmen (Gröden II) gingen alle vier bisherigen Saisonabfahrten an die Schweiz. Bei Shootingstar Franzoni, der das Training mit zwei Bestzeiten dominierte, ortete Kriechmayr sogar noch Potenzial. "Im Steilhang hat er einiges liegen lassen. Aber der Knabe fährt ganz gut derzeit, Hut ab."
Kriechmayr ordnet Olympia-Gold höher ein
Zwei Wochen vor Olympia schätzte Kriechmayr Prestige und Wertigkeit der nahen und sehr nahen Zukunft ein. "Eine Weltcupkugel ist vom sportlichen Aspekt her vielleicht mehr wert. Aber Olympia-Gold ist vom Stellenwert in der Öffentlichkeit sicher das Höchste, und deswegen würde ich es höher einordnen als einen Kitzbühel-Sieg."
Das soll das Prestige des anstehenden Höllenritts nicht mindern, ein Triumph auf der 3.315 m langen Strecke ist in der Skiszene der Ritterschlag schlechthin und bringt heuer das Rekord-Siegerpreisgeld von 101.000 Euro/brutto ein. Den Sieg am Freitag holte der dominanteste Skifahrer der Jetzt-Zeit, nun will Odermatt auch einen der letzten weißen Flecken tilgen: "Bei jedem Athleten steht diese Gams ganz oben auf der Wunschliste." Im Vorjahr konnte Odermatt nach seinem Super-G-Erfolg die Spannung für die Abfahrt nicht hochhalten und wurde Sechster. "Ich lasse nicht so viel Emotion dazu, auch am Abend nicht. Darum werde ich hoffentlich morgen mehr Energie haben."
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Die Rekordjagd
Der 24-jährige Franzoni war noch gar nicht geboren, als Fritz Strobl 1997 den noch immer gültigen Streckenrekord aufstellte. Die Zeit des Abfahrtsolympiasiegers von 2002 in 1:51,58 Min. schien lange Zeit unantastbar, doch die aktuelle Schneedichte macht die Rekordjagd möglich. "Ich denke, wir werden den Rekord brechen", behauptete Franzoni, der erst das zweite Jahr in Kitzbühel dabei ist. "Ich mag es, wenn es eisig und technisch anspruchsvoll ist. Kitzbühel ist wahrscheinlich meine Lieblingsstrecke." Bei seiner Premiere fuhr Franzoni bereits auf Platz 14.
Odermatt winkte, angesprochen auf die Strobl-Jagd, ab. "Diese Streckenrekordzeiten bedeuten mir wirklich gar nichts. Vor 30 Jahren war alles anders. Wenn wir da ein Tor drei Meter reinstecken, dann sind wir zwei Sekunden schneller und der Streckenrekord fällt jedes Jahr. Das ist wirklich unbedeutend", sagte Odermatt. Rekordsieger ist der Schweizer Didier Cuche mit fünf Abfahrtstriumphen.
Hemetsberger: Keine Lust auf "sinnloses Risiko"
Vorjahressieger James Crawford (CAN) fremdelt bisher mit seiner Form. Daniel Hemetsberger fuhr als Vierter um zwei Zehntel am Podest vorbei. Schon 2022 hatte er mit Rang drei gezeigt, dass ihm die Streif auf den Leib geschneidert ist. "Ist so", sagte Hemetsberger. "Ich werde probieren, dass ich das Limit finde. Aber bei mir müsst ihr davon ausgehen, dass ich eher unter dem Limit bleibe als drüber. Ich bin zu alt und zu oft verletzt gewesen, um sinnloses Risiko zu nehmen." Das ÖSV-Team komplettieren der Super-G-Dritte Stefan Babinsky ("neuer Tag, neues Glück"), Raphael Haaser, Andreas Ploier, Stefan Rieser, Manuel Traninger und Vincent Wieser.