Sie leisten ihre Arbeit im Stillen, machen Ungleichheit sichtbar, gestalten Bildung, Politik, Medien und Zivilgesellschaft mit und bleiben doch meistens im Hintergrund: Frauen wie Kulturforscherin und Feministin Beatrice Frasl, Antirassismus-Aktivistin Mireille Ngosso, "Fremde werden Freunde"-Gründerin Kathrin Limpel oder Maria Rösslhumer, Frauenrechtlerin und Gründerin des Vereins "StoP". Ihnen setzt Barbara Pacholik mit ihrer Ausstellung "Heimat großer Töchter" jetzt ein künstlerisches Denkmal.
20 spannende Begegnungen
Über einen Zeitraum von mehreren Jahren hat die freischaffende Künstlerin 20 Frauen getroffen und mit ihnen über ihr Engagement gesprochen. Aus diesen Begegnungen entstand eine Porträtserie – und eine außergewöhnliche Ausstellung, die von 16. Juni bis 30. September im ÖGB-Catamaran Wien bei freiem Eintritt zu sehen ist, mit der sie diese Frauen sichtbar macht. In MADONNA spricht sie über "Heimat großer Töchter", ihre Herangehensweise und gesellschaftliche Werte.
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Das Interview
Wie lange haben Sie an "Heimat großer Töchter" gearbeitet?
Barbara Pacholik: Fast sechs Jahre. Mitte 2020 ist die erste Idee entstanden. Man darf sich das nicht als lineare Entwicklung vorstellen, das war wie Mäander. Die Podcast-Reihe "Große Töchter" von Beatrice Frasl hat mich inspiriert – quasi Audio-Porträts. Ich fand das cool und habe mir gedacht, etwas Gemaltes, mit dem man jetzt tätige Frauen würdigt, gibt es nicht. So hat sich das entwickelt. Am Anfang waren noch andere Frauen dabei. Ich stelle in meinen Interviews immer die Frage: "Welche drei Frauen würden Sie mir noch empfehlen?" Dadurch haben sich neue Blickwinkel eröffnet und ich bin auf andere Frauen aufmerksam gemacht worden. Es ist nicht abgeschlossen. Ich möchte weitermachen.
Sie haben alle Frauen interviewt. Kann man diese Gespräche auch anhören?
Pacholik: Ja. Am Anfang war mir noch nicht klar, ob ich sie verwende. Deshalb waren die ersten Interviews kürzer. Ich war noch ein bisschen schüchtern und wollte nicht so viel nachfragen. Das muss man lernen. Ich finde es spannend, dass man nachvollziehen kann, welche Entwicklung ich gemacht habe. Es gibt diese Audiodokumente über einen QR-Code, der bei den Bildern angebracht ist, zu hören. Vorerst ist alles auf meiner Website verlinkt. Vielleicht ergibt sich später eine Podcast-Reihe. Das weiß ich noch nicht. Das ist jetzt ein Beginn.
Ihre Arbeitsweise ist spannend: Sie hatten nicht nur ein Bild vor sich, sondern haben sich mit dem Wirken der Frauen befasst.
Pacholik: Das ist das Wesentliche bei meiner Arbeit. Bei diesem Projekt ist das intensiver. Von den Persönlichkeiten, die ich abgebildet habe, liegen viele öffentliche Informationen vor und ich konnte recherchieren. Ich mache aber auch meine Auftragsarbeiten in Form eines Gesprächs. Ich möchte die Menschen kennenlernen und fassen.
“Das spiegelt auch meine Interessen und meine Weltanschauung wider, was ich in einer Gesellschaft wichtig finde.”
Barbara Pacholik über ihre Ausstellung.
Wie haben Sie die Frauen für "Heimat großer Töchter" ausgewählt?
Pacholik: Kathrin Limpel, eine Freundin, die ich schon sehr lange kenne, ist dabei. Mich hat immer beeindruckt, dass sie gemeinsam mit Ina Pervan-Al Soquaer den Verein "Fremde werden Freunde" aufgebaut hat. Das war klar – sie habe ich auch als Erste interviewt. Dann natürlich Beatrice Frasl. Wen ich auch unbedingt porträtieren wollte, war Elfriede Hammerl. Ich kenne sie aus den 90er-Jahren durch ihre Kolumnen. Das war die erste Feministin, mit der ich in Berührung gekommen bin. Als sie zugesagt hat, war ich wirklich sehr, sehr euphorisch. Es war fast wie ein Fan-Girl-Moment. Judith Kohlenberger war ganz am Anfang dabei und Doro Blancke dann relativ schnell über "Fremde werden Freunde", die Flüchtlingshilfe. Das spiegelt auch meine Interessen und meine Weltanschauung wider, was ich in einer Gesellschaft wichtig finde.
“Sie erkennen, dass wir als Gesellschaft nur miteinander überleben können und nicht gegeneinander.”
Barbara Pacholik über die Frauen, die sie in ihrer Ausstellung "Heimat großer Töchter" zeigt
Sie zeigen nicht nur Porträts, sondern das Wirken dieser Frauen. Wie haben Sie das sichtbar gemacht?
Pacholik: In den Bildern gibt es zum Teil Referenzen: Bei Barbara Blaha habe ich das M, das Logo, im Hintergrund, bei Melisa Erkurt die Chefredaktion angedeutet und bei Nicola Werdenigg ist ein abstrakter Berg im Hintergrund. Es hat sich bei manchen ergeben und bei manchen nicht. Bei einigen Bildern gibt es einen abstrakten Hintergrund. Das sind Impulse. Anfangs dachte ich, es muss überall ein Easter Egg dabei sein, bis ich draufgekommen bin, das geht sich für mich nicht aus, da schränke ich mich in meiner Entwurfsgestaltung zu sehr ein.
Warum ist Ihnen wichtig, die Arbeit dieser Frauen zu würdigen?
Pacholik: Wir erleben jetzt einen Backlash und ich glaube, es ist nichts wichtiger, als Hoffnung zu geben, Mut zu machen. Das machen all diese Frauen. Nämlich indem man, wenn man sich mit einer beschäftigt, wenn man nachschaut, was macht die eigentlich, man erkennt: Das sind kleine Schritte, mit denen sie begonnen haben. Die haben nicht von Beginn an vorgehabt, dass sie riesengroß werden. Die haben festgestellt, da fehlt etwas und ich mache das. Ohne ein Ziel vor Augen. Ich finde, das gibt in unserer Zeit Mut. Es ist so viel Wahnsinn um uns herum. Diese Frauen verkörpern für mich Verbundenheit. Sie erkennen, dass wir als Gesellschaft nur miteinander überleben können und nicht gegeneinander.
Diese Frauen wollen auf keinem Podest stehen. War es manchmal schwer, sie von Ihrem Projekt zu überzeugen?
Pacholik: Diese Frauen wollen auf keinem Podest stehen. War es manchmal schwer, sie von Ihrem Projekt zu überzeugen? Pacholik: Viele der Frauen haben sich gewundert, warum ich sie wähle. Das war bei allen 20 so. In einer Art "Ahnengalerie" zu hängen, ist für alle fremd. Ich hatte nur eine Absage. Ich wollte eine Fußballerin dabeihaben. Sie hat gemeint, sie will nicht aus dem Team heraustreten. Das fand ich sehr spannend und nachvollziehbar, halte ich aber für eine sehr weiblich konditionierte Eigenschaft. Es gibt, glaube ich, sehr viele Fußballer, die aus dem Team heraustreten.
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