Gezielte Provokation. Das Verhältnis zwischen Bundes-ÖVP und Sebastian Kurz ist bereits seit geraumer Zeit alles andere als gut, berichten mehrere Insider. Im Gegenteil. Dass ÖVP-Bundeskanzler Christian Stocker den Lieblingskandidaten der Türkisen für den ORF-Top-Job "abgeschossen" habe, empfanden diese als letzte Provokation.
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Am 3. Juni – wenige Tage vor der ORF-Wahl – traf niemand Geringerer als der Ex-ÖVP-Kanzler FPÖ-Chef Herbert Kickl im Parlament. Ein formales Geheimtreffen, das freilich bewusst so angelegt war, das zunächst die ÖVP, dann die FPÖ und anschließend die Öffentlichkeit davon erfahren sollten. Ein Geheimtreffen im Parlament ist schließlich so ähnlich, als würde man sich in Wien ins Schwarze Kameel oder das Café Landtmann setzen.
Für Kickl – Kurz hatte ihn nach dem Ibiza-Video entlassen lassen – freilich eine endgültige Genugtuung, auch wenn es bereits mehrere Treffen zwischen Kurz und Kickl in den letzten zwei Jahren gegeben hatte. Laut profil habe Kickl seinem Parlamentsklub jedenfalls berichtet, dass Kurz sich entschuldigt habe.
Türkise zieht es längst wieder zu den Blauen
Die "echten" Türkisen in der ÖVP zieht es bereits seit längerem wieder Richtung Blau. 2025 wäre bekanntermaßen Sebastian Kurz für ein Comeback zur Verfügung gestanden und hätte in den Jännertagen 2026 sogar den Vizekanzler von FPÖ-Chef Herbert Kickl gegeben, berichten sowohl ÖVP- als auch FPÖ-Insider. Sein damaliges Kalkül: Als Vizekanzler und Außenminister hätte er Kickl überstrahlen können.
Plant Kurz das wieder? In der ÖVP stellt man sich – ebenso wie in der FPÖ – auf Neuwahlen ein. Die massiven Sparprogramme zerren an den Roten und die ÖVP-Länder, die 2028 vor Landtagswahlen stehen, würden ohnehin lieber die ungeliebte Ampel-Koalition verlassen. Kehrt also Kurz 2028 als ÖVP-Chef zurück? oe24 hatte bereits Anfang Jänner von der neuen erstarkten Achse zwischen Kurz und Kickl berichtet und, dass der Ober-Blaue auf eine Liste Kurz hoffe.
Tatsächlich wirkt eine neue Partei wahrscheinlicher als eine Rückkehr von Kurz an die ÖVP-Spitze – da diese von mehreren ÖVP-Landeshauptleuten durchaus kritisch gesehen wird.
Blau-türkiser Pakt für EU-Top-Job für Kurz?
In ÖVP-Kreisen wird allerdings gemunkelt, dass Kurz in Wirklichkeit Interesse an der Nachfolge von Ursula von der Leyen an der EU-Spitze habe. Und, dass er bei Kickl ausloten wolle, ob dieser ihm die Unterstützung der ganz rechten EU-Fraktion bringen könne.
Offiziell schweigen sowohl Kurz als auch Kickl über dieses Treffen. In der blauen Welt fühlt man sich erfreut, in der schwarzen Welt ist die "Irritation über Kurz immer größer", berichtet ein ÖVP-Spitzenmann. Das war wohl das primäre Ziel des Besuchs von Kurz im Parlament in Wien. Denn dass sich das herumsprechen würde, wusste Polit-Profi Kurz freilich ganz genau.
Vielleicht ist das auch seine Art, mit von ihm empfundener Illoyalität seiner einstigen Parteifreunde umzugehen. Für Kickl ist der Kotau freilich so oder so ein Sieg – egal, welches Motiv dahintersteckt.
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