Lainzer Straße

Parkplatz-Kahlschlag: Streit um Radweg in Hietzing nimmt Fahrt auf

Eine Gruppe von Menschen protestiert mit Schildern für den Erhalt von Parkplätzen in Hietzing.
© Einkaufsstraßenverein Alt-Hietzing
Mehr als 100 Parkplätze könnten der Neugestaltung der Lainzer Straße zum Opfer fallen. Hietzinger Kaufleute bangen um ihre Kundschaft und fordern eine Überarbeitung der Radwegpläne.
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Der Konflikt um die geplante Neugestaltung der Lainzer Straße spitzt sich weiter zu. Nach ersten Protesten von Geschäftsleuten, Ärzten und Anrainern - oe24 berichtete - hat der Einkaufsstraßenverein "Alt-Hietzing" nun einen offenen Brief an Planungsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) gerichtet und eine Petition über die Plattform der Stadt Wien eingebracht. Gefordert wird, die Radwegplanung noch einmal zu überdenken und möglichst viele Parkplätze zu erhalten. Nach den derzeit bekannten Plänen könnten laut dem Verein auf einer Straßenseite mehr als 100 Stellplätze wegfallen.

Für die Kaufleute steht damit viel auf dem Spiel, für einige geht es sogar um die Existenz. Im Einkaufsstraßenverein sind mehr als 70 Betriebe aktiv. Rund 200 Geschäfte gibt es im näheren Umfeld. Viele davon sind Familienbetriebe, die über Jahrzehnte gewachsen sind. Genau diese liebevoll gepflegte Struktur an Nahversorgern sehen die Unternehmer durch die vorgesehene Aufteilung des Straßenraums massiv gefährdet.

Weniger Parkplätze, weniger Kunden

Betont wird, dass die Erneuerung der Gleise und Leitungen außer Frage steht und auch die Errichtung eines hochwertigen Radwegenetzes unterstützt wird. Als Beispiel für eine gelungene Umgestaltung wird auf die Altgasse verwiesen. Dort sei Veränderung angenommen worden, weil sie dem Grätzl einen erkennbaren Mehrwert gebracht habe. Bei der derzeit vorgesehenen Radwegführung in der Lainzer Straße sehen die Kaufleute diesen Mehrwert allerdings nicht.

Das Hauptproblem ist die Erreichbarkeit der Geschäfte. Viele Kunden würden mit dem Auto nach Hietzing kommen, auch aus anderen Bezirken oder von außerhalb Wiens. "Wer bei uns nicht mehr parken kann, weicht auf ein Einkaufszentrum aus", warnen die Kaufleute. Gerade kleinere Betriebe befürchten, dass mit den Parkplätzen auch ein Teil der Kundschaft wegfällt und die Umsätze sinken.

Auch ältere Kunden, Patienten von Ordinationen und Handwerker, die Werkzeug oder Material transportieren müssen, werden im offenen Brief als Beispiele genannt. Hietzing sei weitläufig und nicht jeder Weg ende an einer Haltestelle. Ein Garagenangebot, das den Wegfall der Parkplätze auffangen könnte, gebe es im Umfeld nicht. Gleichzeitig drohe eine lange Bauphase, die besonders kleine Familienbetriebe hart treffen könnte.

Gegenvorschläge liegen auf dem Tisch

Belebte Lainzer Straße mit Radweg, Fußgängern, Straßenbahn, Blumenbeeten und begrünten Bereichen.
Die Lainzer Straße im 13. Bezirk wird umfassend umgestaltet. © ZOOM visual project gmbh

Eine mögliche Alternative ortet der Einkaufsstraßenverein in einer Führung des Radverkehrs über die Wenzgasse zur bereits bestehenden Fahrradstraße in der Auhofstraße. Auch eine Verlegung des Radwegs auf die gegenüberliegende Seite der Lainzer Straße soll geprüft werden. Dadurch könnten mehr Parkplätze und Ladezonen im Einkaufsgebiet erhalten bleiben.

Zusätzlich verlangen die Kaufleute ausreichend Ladezonen, Kurzhaltemöglichkeiten bei Ordinationen und Nahversorgern sowie weitere Stellplätze im unmittelbaren Umfeld. Für Betriebe, die während der langen Bauzeit erhebliche Einbußen erleiden, soll außerdem eine Unterstützung nach dem Vorbild der Hilfen beim U-Bahn-Ausbau geprüft werden.

"Uns geht es um eine Frage: Wie entsteht eine sichere, zeitgemäße Radverbindung, ohne eines der letzten ursprünglichen Einkaufsgebiete Wiens in seiner Erreichbarkeit zu schwächen?“, schreibt Vereinsobmann Georg Fuchs im Namen der Unternehmer. Die Kaufleute seien überzeugt, dass beides möglich sei und wollen noch bestehende Spielräume bei der Planung genutzt wissen.

Bezirkschefin unterstützt Petition

Auch Bezirksvorsteherin Johanna Zinkl (ÖVP) zeigt Verständnis für die Anliegen der Initiatoren. "Die Petition unterstütze ich, weil ich die Sorgen hinsichtlich des Stellplatzverlustes und der Erreichbarkeit der Betriebe nachvollziehen kann", erklärt Zinkl. Die Zuständigkeit für das Projekt liege bei der Stadt Wien. Sie wolle sich weiterhin dafür einsetzen, vorhandene Gestaltungsspielräume zu nutzen und Verbesserungen prüfen zu lassen.

Karte zeigt neue Radwege, Gleissanierung und mehr Grün an der Lainzer Straße im 13. Wiener Bezirk.
Im Zuge der Gleismodernisierungen wird die Lainzer Straße mit Begrünung und einem neuen Zwei-Richtungs-Radweg aufgewertet. © Mobilitätsagentur Wien

Zinkl verweist zudem auf den laufenden Austausch mit Anrainern und Betrieben. Im Oktober sind zwei Informationsabende für Bürger sowie ein eigener Termin für Wirtschaftstreibende mit den Planungsteams der Stadt Wien, der Wiener Linien und der Wiener Netze vorgesehen. "Ich setze mich von Anfang an dafür ein, die negativen Auswirkungen für Hietzing bestmöglich abzufedern und über dieses umfangreiche Infrastrukturprojekt frühzeitig zu informieren", so die Bezirkschefin.

Planung laut Stadt eng mit Bezirk abgestimmt

Die Stadt weist die Kritik an der bisherigen Planung des auf oe24-Anfrage zurück. Laut der zuständigen Magistratsabteilung Straßenverwaltung und Straßenbau (MA 28) wurde das Projekt lange vorbereitet, jeder Schritt mit dem Bezirk abgestimmt und verschiedene Varianten geprüft. Über die Pläne sei bereits im Juli informiert worden, zusätzlich habe der Bezirk gemeinsam mit der Stadt eine Postwurfsendung an die Haushalte verschickt.

Am 20. und 21. Oktober folgen zwei Informationsabende mit Fachleuten der beteiligten Dienststellen. Selbstverständlich werde es auch Postwurfsendungen mit den genauen Verkehrsmaßnahmen für Anrainerinnen und Anrainern im Bezirk geben. An der geplanten rund 600 Meter langen Radverbindung hält die Stadt fest. Sie soll eine Lücke zwischen dem Wiental und Lainz schließen.

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