Beine trainieren, Gehirn schützen? Studien zeigen, dass vor allem Oberschenkel und Waden eine überraschend große Rolle für Gedächtnis, Konzentration und geistige Fitness spielen. Warum ausgerechnet Beintraining das Gehirn jung hält, lesen Sie hier.
Wer beim Training lieber den Oberkörper „pumpt“ und den Leg Day regelmäßig skippt, sollte jetzt vielleicht noch einmal umdenken. Denn aktuelle Studien zeigen: Ausgerechnet die großen Muskelgruppen in Oberschenkeln und Waden spielen eine entscheidende Rolle dafür, wie fit unser Gehirn im Alter bleibt.
Kurz gesagt: Beintraining ist nicht nur gut für die Figur, den Stoffwechsel und die Mobilität, sondern offenbar auch für die grauen Zellen.
Muskeln reden mit dem Gehirn und zwar ständig
Was viele nicht wissen: Muskeln sind nicht nur zum Bewegen da, sie sind auch ein richtig aktives „Kommunikationsorgan“. Werden vor allem große Muskelgruppen wie Oberschenkel und Waden trainiert, schütten sie sogenannte Myokine aus. Das sind hormonähnliche Botenstoffe, die über den Blutkreislauf bis ins Gehirn gelangen.
Dort unterstützen sie Prozesse, die für Lernen, Gedächtnis und Anpassungsfähigkeit der Nervenzellen wichtig sind. Gleichzeitig fördern sie die Durchblutung des Gehirns und wirken entzündungshemmend, beides gilt als wichtiger Schutzfaktor gegen altersbedingte Abbauprozesse im Nervensystem. Oder einfacher gesagt: Wer seine Beine bewegt, schickt seinem Gehirn biochemische „Bleib-fit-Signale“.
Starke Beine, langsameres geistiges Altern
Mehrere wissenschaftliche Arbeiten zeigen außerdem einen klaren Zusammenhang zwischen Beinmuskulatur und geistiger Leistungsfähigkeit. Besonders spannend ist eine große kanadische Langzeitstudie, die ältere Erwachsene über mehrere Jahre begleitet hat. Dabei wurde sowohl die Muskelmasse, vor allem in den Beinen, als auch die geistige Leistungsfähigkeit regelmäßig gemessen.
Das Ergebnis: Personen mit geringerer Muskelmasse in den Beinen zeigten einen deutlich schnelleren Abfall bestimmter kognitiver Fähigkeiten. Vor allem betroffen waren:
- Verarbeitungsgeschwindigkeit
- Aufmerksamkeit
- sogenannte exekutive Funktionen (also Planen, Steuern, Entscheiden)
Menschen mit gut erhaltener Beinmuskulatur schnitten dagegen bei Gedächtnis- und Konzentrationstests häufig besser ab, selbst im hohen Alter.
Warum gerade die Beine so wichtig sind
Oberschenkel und Waden gehören zu den größten Muskelgruppen des Körpers. Werden sie trainiert, ist der Effekt auf den gesamten Organismus besonders groß: Stoffwechsel, Hormonhaushalt, Durchblutung und Entzündungsprozesse werden gleichzeitig beeinflusst.
Genau diese systemischen Effekte scheinen auch im Gehirn anzukommen. Die Aktivierung der Beinmuskulatur wirkt dort wie ein biologischer Stimulus, der neuronale Schutzmechanismen unterstützt und altersbedingte Veränderungen verlangsamen kann.
So sollte das Beintraining aussehen:
Niemand muss jetzt täglich 100 Kilo squatten. Schon regelmäßige Reize zählen: Spaziergänge, Stiegensteigen, Radfahren, Tanzen, Kniebeugen, Ausfallschritte oder moderates Krafttraining aktivieren genau jene Muskeln, die laut Studien den größten Einfluss auf das Gehirn haben.