Neues Buch

HAIG: Zugfahrt ins Jenseits

DIE MITTERNACHTSREISE ist das neue Buch von Bestseller-Autor Matt Haig.

„Muss ich denn sterben, um zu leben?“, fragt Falco in einem seiner letzten Lieder, und es wäre ein guter Soundtrack für Matt Haigs neuen Roman: Die Mitternachtsreise.
BookTok. Dass der Titel ähnlich klingt wie jener seines großen Hits Die Mitternachtsbibliothek ist wohl kein Zufall, sondern Marketing-Koketterie. Jenes Buch machte den Briten vor rund sechs Jahren – auch dank des Internettrends „BookTok“ - zum Bestseller-Autor. Es ist eine Parabel auf das Leben in Form einer episodenhaften Geschichte: Nora will sich das Leben nehmen, doch findet in einer Bibliothek in Form von Büchern immer neue Versionen und Perspektiven ihres Daseins.

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Am Lebensende zurückschauen

Zugfahrt. Statt einer Bibliothek ist jetzt ein Zug Ort der Wandlung, er ist die Verbindung zwischen Diesseits und Jenseits für den alten Wilbur. Dieser stirbt nämlich als erfolgreicher, aber einsamer Mann und begegnet im Zug Agnes Bagdale, deren Buchhandlung für ihn als Kind Zufluchtsort war. Zusammen mit ihr reist er noch einmal durch sein Leben... Dank Agnes müssen wir die Reise doch nicht ganz ohne Buch-Bezug bestreiten. Das wäre auch zu schade, immerhin sind Bücher laut eigener Aussage die Religion des Autors, Bibliotheken seine Kirche. 

Mischung

Klar, Rückschau am Ende des Lebens ist nicht das große innovative Thema - wir haben es in Werbespots gesehen, in Geschichten gelesen und können diesem Konzept vielleicht auch selbst etwas abgewinnen. Aber Haig hat mit seinen fein gezeichneten Figuren, der liebevoll erdachten, facettenreichen Story das Thema für sich eingenommen, etwas Rundes, Eigenes daraus gemacht, mit genau der richtigen Mischung aus Zauber und Realität, sodass es auch gut lesbar ist für all jene, die mit Geschichten mehr anfangen können als mit einer lieblos verpackten Eso–Metaphern.

Geheimnis

Auch Die Mitternachtsreise bietet in unsicheren Zeiten die Möglichkeit zur Reflexion – anhand von Wilburs Leben können wir eine Bestandsaufnahme unseres eigenen Lebens durchführen. Den Moment zu genießen, wie es auch im Buch von Maiwald ( lesen Sie dazu hier
) angeregt wird, scheint das Geheimnis zu sein. Dann klappt es auch mit einer zufriedenstellenden Rückschau, ganz am Ende des Lebens.

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