Unsere Schweizer Nachbarn stellen dem Wiener ESC ein schlechtes Zeugnis aus.
Der Song Contest in Wien ist geschlagen: Bulgariens Sängerin Dara holte sich letztlich unerwartet die Krone beim größten Musikbewerb der Welt mit ihrem Partystampfer "Bangaranga".
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Während Österreich einen weitaus gelungenen ESC feiert, kommen aus unserem Nachbarland Schweiz harte Worte. Während der Song Contest im Vorjahr in Basel ein "Vollerfolg" war, sprang in Wien "der Funke nicht über", schrieb etwa der Blick. Der Show habe es an Originalität gefehlt.
"Eigentlich strafbar"
Besonders scharf kritisierte der Schweizer Erfolgsregisseur Max Sieber die Produktion des ORF. "Es klauen ja alle in dem Gewerbe. Aber so schlecht zu klauen, ist eigentlich strafbar", sagte er mit Blick auf mehrere Showelemente, die stark an Basel erinnerten. Gleichzeitig stellte er die Frage: "Oder waren Sandra Studer und Hazel Brugger einfach so gut?"
Die Schweizer werfen den Veranstaltern vor, die letztjährigen Schweizer ESC-Ideen einfach kopiert zu haben. So sei das humorvolle Aufzeigen der Unterschiede zwischen Österreich und Australien nur eine Kopie des Basler Pausenhits "Made in Switzerland", der mit Schweizer Klischees spielte, gewesen.
"Um Himmels Willen"
Auch der schwedische ESC-Kommentator Edward af Sillén sparte nicht mit Kritik. Nach einer umstrittenen Showeinlage meinte er spöttisch: "Es gibt ein Risiko, dass fünf weitere Länder den Event nach dieser Nummer boykottieren", womit er auf die Staaten anspielte, die wegen Israels Teilnahme fernblieben. Besonders das Moderationsduo Victoria Swarovski und Michael Ostrowski überzeugte viele Fans nicht. Nach einer humoristischen Eröffnungsnummer kommentierte af Sillén trocken: "Zum Glück ist das kein Humor-Wettbewerb, den wir hier schauen." Später reagierte er auf eine musikalische Einlage Ostrowskis nur noch mit: "Um Himmels willen ..."
Kritisiert wurde zudem die fehlende Harmonie der Moderatoren. Viele ESC-Fans vermissten die Begeisterung und Leidenschaft, die Sandra Studer und Hazel Brugger in Basel ausgestrahlt hatten. Auch organisatorisch lief nicht alles rund. Die Schweizer Teilnehmerin Veronica Fusaro berichtete von mehreren Pannen während der Proben. "Ich habe mir das professioneller vorgestellt", sagte sie, nachdem Requisiten falsch vorbereitet oder sogar versehentlich eingelagert worden waren.
Trotz einzelner positiver Aspekte – etwa der Gastfreundschaft der Wiener und eines Party-Trams zwischen Eurovision Village und Stadthalle – blieb der große ESC-Hype aus, urteilen unsere Schweizer Nachbarn.