Tatort

TV Kritik

Mut nicht ganz normalen Tatort

Ein fast ganz normaler Tatort mit den Ermittlern Leitmayr und Batic.

Ein ganz normaler Fall. Das war mutig, denn der Hauptabend ist bei ORF und ARD für die harten oder sentimentalen, vergnüglichen oder lehrhaften familientauglichen Unterhaltungsprogramme reserviert. Diesmal jedoch 90 Minuten im Milieu orthodoxer Juden, eine Handlung zwischen Synagoge und Gemeindezentrum, Dialoge zwischen den Kommissaren Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) über Schoah, Holocaust und die Schwierigkeiten, das „Fremde“ als Normalität anzunehmen. Dazu ein paar Einblicke in jüdische Riten, in jüdisches Familiendenken. Wer zuhören wollte, erhielt auch abseits der polizeilichen Ermittlungen Informationen über eine Religion, deren Nähe für viele Deutsche und Österreicher immer noch Schuldgefühle weckt, die man verdrängt glaubte.

Heikles Thema
Bewundernswert, mit wie viel Respekt, Sensibilität und Ehrlichkeit dieser Tatort dem Judentum begegnete. Dass zwischen den beiden Kommissaren plötzlich Ärger und Eifersucht keimten, weil sich unter bayrischen Kollegen herumgesprochen hatte, es dürfe nur „einer der unseren Münchens Polizist des Jahres“ werden, Batic sich daher ausgegrenzt fühlte, war eine beziehungsreiche Pointe der Haupthandlung. Das Manko an Spannung und Tempo musste und konnte man verschmerzen, weil die Regie (Torsten Fischer) für Atmosphäre gesorgt hatte. Schalom.

© TZ ÖSTERREICH
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(Karl Löbl)