Til Schweiger / Tatort

Til Schweiger als Kommissar

Der neue Tatort: Cool wie noch nie

Der härteste und teuerste Tatort aller Zeiten: Til Schweiger im ÖSTERREICH-Interview.

Das erste Wort, das Til Schweiger in seiner neuen Rolle als Tatort-Kommissar sagen darf, ist „Fuck“. Für Hardcore-Tatort-Fans ein klarer Hinweis darauf, wohin die Reise geht und vor allem wo sie ansetzt: und zwar bei keinem Geringeren als bei Tatort-Kult-Ermittler Schimanski, dessen erster Tatort 1981 mit dem Wort „Scheiße“ begann – dann flog ein Fernseher aus dem Duisburger Sozialbau.

Lethal Weapon
Ansonsten ist alles anders: härter, teurer, spektakulärer und vor allem voller Testosteron. Bubenkino vom Allerfeinsten mit Schmachtsequenzen für die Mädchen, adaptiert für den Sonntaghauptabend. Laut Regisseur Christian Alvart eine Art „Lethal Weapon an der Waterkant“. Und so ballert sich Til Schweiger als Nick Tschiller durch den 90-Minüter. Die Botschaft ist klar definiert: Hier lässt es einer lieber knallen, als er quatscht. Und das ist gut so. Dass der Tatort ein Quoten-Hit wird, ist sicher. Es ist Eventfernsehen im besten Sinne.

Til Schweiger braucht den Tatort nicht und die Tatort-Reihe braucht Til Schweiger nicht. Diese Erkenntnis hat klar Gelassenheit in den Film gebracht.

Darum geht’s
Til Schweiger ist Nick Tschiller, der Neue beim LKA Hamburg. Vorher war er beim SEK Frankfurt, und von dort hat er eine brutale Entschlossenheit und das passende Werkzeug mitgebracht, um Kriminellen das Handwerk zu legen. Vor allem Kriminellen wie dem mächtigen Astan-Clan, mit dem die Polizei einen Kiez-Frieden geschlossen hat, sodass die Astans in aller Ruhe Hamburgs männliche Oberschicht mit frischen Mädchen aus dem Ostblock versorgen können. Zu Beginn steht Tschiller in einer Wohnung, in der die Mädchen versteckt werden, und gibt ihnen ein Telefon, mit dem sie ihn rufen können. „Und wenn die uns totschlagen?“, fragt eine. „Dann schlag ich sie tot.“ So cool ist sonst nur Bruce Willis.

Dann wird Tschiller von Zuhältern überrascht und von Tereza, einem der Mädchen, verraten. Zu diesem Zeitpunkt sind zwei Minuten Tatort vergangen. Nach drei Minuten gibt es die erste Schießerei, nach zehn sind drei Mitglieder des Clans tot und Tschiller wird seine Notwehr der Staatsanwältin (die Wienerin Edita Malovcic) gegenüber rechtfertigen müssen, der zwar Tschillers Hintern gefällt, nicht aber, dass er gleich mehrere tödliche Schüsse auf seine Gegner abgefeuert hat.

Pro Jahr ein Tatort
Und so schießt sich Schweiger weiter durch den Sonntaghauptabend. Jedes Jahr wird er nun einen Tatort abdrehen. „Wenn es zur Regelmäßigkeit wird, eine nette Altersvorsorge“, wie er salopp im ÖSTERREICH-Interview sagt …
 

Schweiger: "So etwas gab es im 
TV noch nie!"

ÖSTERREICH: Am Sonntag im ‚Tatort‘ treten Sie eine Tür nach der anderen ein …
Til Schweiger: Naja. Manchmal klopfe ich auch an (lacht).

ÖSTERREICH: Der Tatort ist mehr ,Die Hard‘ als deutsches Psychokino. Mehr Stephen King als Peter Handke.
Schweiger: Uns ist mit unserem Tatort im deutschen Fernsehen etwas völlig Neuartiges geglückt. Wir haben mit dem Erzählmuster gebrochen. Normalerweise gibt es am Anfang eine Leiche, dann wird ermittelt, wer war der Täter? Bei uns gibt es gleich am Anfang drei Tote. In einem Akt der Selbstverteidigung erschießt der Kommissar eine Bande von Mädchenhändlern. Drei Tote in den ersten Minuten, das ist eine Revolution. Ich als Zuschauer will so etwas sehen. In der Rolle des Tschiller bin ich fast immer in Bewegung. Das war mir wichtig. Ganz ehrlich, ich hatte keine Lust, in irgendeinem Revier zu sitzen und am Computer Nummernschilder abzugleichen.

ÖSTERREICH: Warum haben Sie genau den Hamburger ‚Tatort‘ übernommen?
Schweiger: Hamburg ist die schönste Stadt in Deutschland, die außer Berlin die besten Film-Locations hat. Damals in L. A. habe ich schon gesagt, wenn ich nach Deutschland zurückgehe, dann nach Hamburg.

ÖSTERREICH: Mit dem ‚Tatort‘ kehren Sie nach fast 20 Jahren, in denen Sie erfolgreich Filme gedreht und produziert haben, wieder ins Fernsehen zurück. Was ist der Unterschied?
Schweiger: Das Arbeiten ist viel entspannter. Ich muss nicht aufs Budget schauen. Beim Tatort musste ich nur meinen Text können, meinen Charakter verinnerlichen und dann nur noch pünktlich zur Arbeit erscheinen.

ÖSTERREICH: Sie werden in Deutschland von der Kritik nicht für voll genommen. Warum ist das so?
SChweiger: Um in Deutschland Anerkennung zu finden, muss man sterben oder zurücktreten. Was gab es für wunderbare Nachrufe auf Thomas Gottschalk, als der sagte, er hört auf! Die gleichen Leute, die jede einzelne Wetten, dass ..?- Sendung in die Tonne getreten haben, nannten ihn plötzlich den „letzten großen Entertainer“. Ich werde auch erst „sterben“ müssen.