Ein dröhnender Motor am Samstagnachmittag, fliegender Rasenschnitt und der unverwechselbare Duft von frisch gemähtem Gras: So beginnt für viele die Gartensaison. Doch wer seinem Garten und der Umwelt wirklich etwas Gutes tun möchte, zieht am besten direkt den Stecker.
Es ist das heilige Ritual für viele Gartenbesitzer, sobald die Sonne lacht: Der Rasenmäher wird angeworfen und alles, was wagt zu wachsen, wird gnadenlos niedergemetzelt. Doch während wir den perfekten Vorzeigegarten jagen, nehmen wir Schmetterlingen und Hummeln im wichtigsten Monat des Jahres das letzte Frühstück. Warum Sie den Mäher besser stehen lassen und sich stattdessen entspannt zurücklehnen sollten, verraten wir hier.
Das steckt hinter dem „Mähfreien Mai“
Es grenzt an Ironie: Ausgerechnet in Großbritannien, der Heimat des penibel auf den Millimeter getrimmten "englischen Rasens", nahm die grüne Revolution ihren Anfang. Die Naturschutzorganisation Plantlife rief dort im Jahr 2019 die Initiative "No Mow May" ins Leben. Die simple Botschaft: Lassen Sie den Rasenmäher im Mai einfach mal einen Monat lang im Schuppen stehen.
Mittlerweile ist der Trend über Belgien und die Niederlande in den deutschsprachigen Raum geschwappt. Immer mehr Gartenbesitzer lassen ihre Grünflächen im Mai sprießen, um der Natur eine Chance zu geben.
Warum Sie den Rasenmäher noch ruhen lassen sollten
Ein klassisch getrimmter Rasen mag zwar ordentlich aussehen, ist ökologisch gesehen jedoch eine Wüste. Im Mai erwacht die Natur mit voller Kraft, viele Insekten schlüpfen aus ihrer Winterruhe und sind auf der Suche nach Nektar und Pollen. Bleibt der Mäher aus, profitiert die Natur extrem:
Ein Festmahl für Bestäuber
Wenn das Gras ungestört wächst, bekommen wertvolle Frühblüher wie Gänseblümchen, Weißklee, Gundermann und Löwenzahn endlich die Chance, ihre Blüten zu öffnen. Für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge bilden sie das erste und wichtigste Nahrungsbuffet des Jahres.
Sicherheit und Lebensraum
Längeres Gras schützt nicht nur Käfer und Heuschrecken vor Fraßfeinden, sondern bietet auch Igeln und anderen kleinen Gartentieren wertvolle Deckung. Wo es summt und brummt, lassen auch Singvögel nicht lange auf sich warten. Sie benötigen die wimmelnden Insekten, um ihren im Mai geschlüpften Nachwuchs füttern zu können.
Schutz für den Boden
Das längere Gras schont nicht nur Tiere, sondern auch die Erde selbst. Längere Halme beschatten den Boden, wirken wie ein natürlicher Mulch und speichern die Feuchtigkeit effizienter. Das macht den Rasen deutlich robuster gegen kommende Sommerhitze.
Muss der Garten jetzt komplett verwildern?
Keine Sorge, Ihr Garten muss nicht direkt in undurchdringliche Wildnis verfallen oder gar "schlampig" wirken, nur weil Sie etwas für die Natur tun. Naturschutz-Experten raten zu cleveren Kompromissen: Es reicht völlig aus, gepflegte Gehwege oder eine klare Kante als Rahmen in den Rasen zu mähen. So behält der Garten Struktur und sieht gepflegt aus, während im Zentrum wilde "Blüteninseln" entstehen können.
Startschuss für den Rasenmäher
Wenn der Juni anbricht, sollten Sie nicht sofort die schwere Maschine anwerfen und den Rasen radikal raspelkurz stutzen. Das würde den neu geschaffenen Lebensraum auf einen Schlag zerstören. Besser ist es, in Etappen vorzugehen: Mähen Sie erst einen Abschnitt und ein paar Tage später den Rest. So haben kleine Insekten und Frösche Zeit, in sichere Bereiche zu flüchten. Wer ganz umweltbewusst vorgehen möchte, tauscht den motorisierten Mäher gegen eine gute, alte Sense. Das rettet zahlreiche Kleinstlebewesen und ist obendrein ein herrliches Workout.