Seit Jahrhunderten schwören Landwirte und Hobbygärtner auf ihn: den 100-jährigen Kalender. Für den Mai hat er eine Prognose, bei der vor allem alle ESC-Fans und Besucher besonders aufpassen sollten.
Der Blick auf das Wetter von morgen ist für viele ein tägliches Ritual. Doch während wir heute auf hochmoderne Apps und Satellitendaten vertrauen, orientierten sich die Menschen früher an Beobachtungen und Rhythmen der Natur. Eines der bekanntesten Werke aus dieser Zeit ist der 100-jährige Kalender.
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Dessen Prognosen haben schon oft gepasst und sind vor allem für Gärtner ein wichtiger Anhaltspunkt gewesen. Auch den trüben und kalten Winter hatte er für das Merkur-Jahr 2026 vorhergesagt und den ersten Sommertag am Ostersonntag sagte der Kalender mit den Worten "schön lieblich warm" vorher.
Auch im Mai soll es demnach großteils warm werden. Der bislang heißeste Mai-Tag seit der Aufzeichnung in Österreich datiert auf den 29. Mai 2008, als in Graz 35,0 °C gemessen wurden. Im Vorjahr war der Monatsanfang ungewöhnlich heiß mit Temperaturen um die 30 Grad.
ESC-Woche wird besonders heiß
Die Prognose für den heurigen Mai lässt vor allem von 8. Mai bis 18. Mai auf die erste Hitzewelle des Jahres schließen. Ausgerechnet in der Woche, wenn hunderte Millionen Menschen auf die Landeshauptstadt Wien wegen dem ESC (10. - 17. Mai) blicken, soll es besonders heiß werden.
Für diesen Zeitraum heißt es, dass es schön, warm und trocken, tagsüber sogar so heiß wird, dass "aller Wuchs verhindert" wird. Die saisonalen keimenden Gemüsearten Tomaten und Paprika halten brauchen Temperaturen bis etwa 25 Grad. Gut möglich, dass man beim Eurovisions Song Contest heuer nicht nur wegen der Acts auf der Bühne ins Schwitzen kommt.
Ursprung des Wetter-Orakel
Entwickelt wurde das bekannte Orakel im 17. Jahrhundert von einem Mönch namens Mauritius Knauer in Franken. Sein Ziel war es eigentlich nicht, einen Kalender für die Ewigkeit zu schaffen. Er wollte lediglich das Wetter für sein Kloster verlässlich vorhersagen, um die landwirtschaftlichen Erträge zu sichern und die Arbeit auf den Feldern besser planen zu können. Dafür beobachtete er sieben Jahre lang akribisch das Wetter und notierte alle Veränderungen.
Knauer basierte seine Aufzeichnungen auf der damaligen astrologischen Vorstellung, dass die Himmelskörper unser Wetter beeinflussen. Er ordnete jedem Jahr einen von sieben Himmelskörpern zu: Mond, Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus und Merkur. Nach sieben Jahren, so die Annahme, beginnt der Zyklus wieder von vorn. Ein Verleger druckte diese Aufzeichnungen später und nannte das Werk werbewirksam den „100-jährigen Kalender“.
Aus wissenschaftlicher Sicht hat der Kalender heute ausgedient. Meteorologen betonen immer wieder, dass sich das komplexe Wettergeschehen nicht in einen starren Sieben-Jahres-Zyklus pressen lässt. Dennoch erfreut sich das alte Buch bis heute großer Beliebtheit. Viele Menschen sehen darin ein Stück Tradition und greifen für die Gartenplanung immer noch gerne auf die alten Weisheiten zurück. Ob man nun daran glaubt oder nicht: Der 100-jährige Kalender bleibt ein faszinierendes Stück Kulturgeschichte, das uns daran erinnert, wie sehr wir Menschen schon immer vom Wetter abhängig waren.