brückner sauer

Unter Beschuss

Brückner will weiterkämpfen

Kritik am Teamchef lauter. Der will aber weiterkämpfen und kündigt für Test gegen Türkei Umstellungen an. Stickler steht zu Brückner.

Karel Brückner gibt nicht auf. Österreichs Fußball-Teamchef hat sich für den weiteren Verlauf seiner Amtszeit - der Vertrag des 68-jährigen Tschechen läuft bis Ende der WM-Quali im kommenden Herbst - zwei Ziele gesetzt. "Meine erste Pflicht ist es, weiter um die Qualifikation zu kämpfen. Zweite Pflicht ist es, eine gute Mannschaft zu schaffen", erklärte Brückner nach der bitteren 1:3-Niederlage am Mittwoch in Wien gegen Serbien, in der das ÖFB-Team unzählige Schwächen offenbart hatte.

Kreativität fehlt
Die größte Baustelle erkannte Brückner in der Offensive. "Die Kreativität ist nicht unser starker Punkt", betonte der Teamchef. "Im Angriff reicht es nicht, zu kämpfen." Laut Brückner handle es sich um ein langfristiges Problem, das sich schon beim 1:1 auf Färöer gezeigt hatte. "Wir spielen nicht mit viel Kreativität in der finalen Angriffsphase. Das ist unsere Schwäche." Viele Offensivspieler sind im Club nicht erste Wahl, dazu erwies sich auch das Experiment Erwin Hoffer rechts im Mittelfeld als Fehlgriff.

Stranzl-Out nicht zu verkraften
Entscheidender Rückschlag gegen Serbien sei aber die Verletzung von Abwehrchef Martin Stranzl in der Anfangsphase gewesen. Der 28-Jährige erlitt vom Stollen eines Gegners eine Muskelquetschung im Oberschenkel, dürfte seinem Club Spartak Moskau aber trotz starker Schmerzen nicht allzu lange fehlen. "Stranzl war aus dem Spiel. Diese Möglichkeit hat unser Gegner genutzt, aber das ist keine Ausrede", erklärte Brückner. "Wir haben nicht gut gespielt in der Abwehr. Gegen Frankreich ist das noch ganz anders gewesen."

Hoffnungen zu groß?
Das 3:1 vom September gegen den Vizeweltmeister scheint die große Hypothek zu sein. Zu groß waren die Hoffnungen gewesen, im Konzert der Großen eine Rolle spielen zu können - offensichtlich eine Illusion. Eineinhalb Monate später sind alle österreichischen Vereine aus dem Europacup ausgeschieden, ist eine erfolgreiche U21-Generation knapp an der erstmaligen EM-Teilnahme gescheitert und wankt das Nationalteam zwischen Chancen- und Hilflosigkeit.

Brückner verlangt Zeit
Für das Aufbauen einer funktionierenden Mannschaft bräuchte Brückner laut eigenen Angaben vor allem eines - Zeit. "In Tschechien hat das sechs Jahre gedauert", erinnerte der Startrainer, der sein Heimatland 2004 ins EM-Semifinale geführt hatte. Davor hatte Brückner 1998 als Assistent beim Nationalteam angeheuert, 2001 selbst den Cheftrainer-Posten übernommen. In Österreich hat sich vonseiten der Boulevardpresse dennoch bereits Kritik an Brückner gemehrt. Der Trainerfuchs wird am 13. November 69.

Fehler
Fehler gestand Brückner nach dem Serbien-Spiel zwar ein, darüber sprechen wollte er nicht. "Das ist meine eigene Sache." Die Enttäuschung war nach nur einem Punkt aus drei Spielen gegen Litauen, Färöer und Serbien aber nicht zu übersehen. "Das ist sicherlich zu wenig", gestand Brückner. Vor allem für das 1:1 auf Färöer gebe es "keine Entschuldigung". Ob er bei anhaltenden Misserfolgen um seinen guten Ruf fürchte? Brückner: "Nein."

Kampf um WM 2010 geht weiter
Vielmehr betrachtet es der Teamchef als seine Aufgabe, solange wie möglich um die schon nach vier Spielen unmöglich scheinende Teilnahme an der WM 2010 in Südafrika zu kämpfen. "Es ist unsere Pflicht, noch einen Versuch zu machen, um auf den zweiten Platz in unserer Gruppe zu kommen", erklärte Brückner. Selbst das könnte allerdings zu wenig sein. Der schwächste Gruppenzweite scheidet in der Europa-Zone vorzeitig aus, die acht anderen spielen in einer Barrage die weiteren Startplätze für Südafrika aus.

Für Österreich ist das nur noch eine Rechnung hypothetischer Natur. Fünf Punkte fehlen auf Spitzenreiter Serbien, laut Brückner der neue Gruppenfavorit, sowie Außenseiter Litauen. Frankreich und Rumänien sind punktegleich mit dem ÖFB-Team, haben aber je ein Spiel weniger ausgetragen und im Fall Frankreichs ein deutlich leichteres Restprogramm. Am 1. April empfangen die Österreicher in Klagenfurt Rumänien. Bis dahin muss sich einiges ändern.

Neue Spieler kommen
Bereits im Test am 19. November gegen die Türkei will Brückner neue Spieler ausprobieren - unter anderem aus der aktuellen U21. "Wir können jetzt aber nicht alles über den Haufen werfen", betonte Brückners Vertrauter Jan Kocian. "Auf den Positionen, auf denen wir Leute brauchen, werden wir mit Spielern aus der U21 nachfüllen. Aber das werden nicht acht Spieler sein. Die Mannschaft ist schon sehr jung", erklärte der Team-Trainer. Als einer der wenigen wurde der 19-jährige Marko Arnautovic mit Lob bedacht.

Stickler sauer, aber geduldig
ÖFB-Präsident Stickler zeigte sich in einer ersten Reaktion über den derzeitigen Zustand des Nationalteams zwar besorgt, stellte sich aber zugleich hinter Teamchef Brückner. So forderte Stickler "noch vor dem Testspiel im November gegen die Türkei eine Gesprächsrunde" mit allen beteiligten Personen und ließ dem Team ausrichten, dass man "nicht zur Tagesordnung übergehen" könne. "Jeder Einzelne ist gefordert und ich erwarte, dass das gesamte Team alles unternimmt, damit wir aus dieser Krise, in die wir trotz des hervorragenden Starts im September gerutscht sind, wieder herauskommen."

Dem Trainerstab stärkte Stickler den Rücken: "Unser Teamchef, der in der Vergangenheit über Jahre bewiesen hat, dass er ein exzellenter Fachmann ist, sowie sein Trainerteam stehen intern in keiner Weise zur Diskussion und es wird auch zukünftig und nach der vorher angesprochenen ausführlichen Analyse der aktuellen Situation seine Aufgaben für den Österreichischen Fußball-Bund wahrnehmen.”