CL: Hoeneß poltert trotz Bayern-Aufstieg

"Spielen schönen Dreck"

CL: Hoeneß poltert trotz Bayern-Aufstieg

Coach Heynckes: "Mit blauem Auge davon gekommen"

Beim FC Bayern ist trotz einer bisher glänzend verlaufenen Saison plötzlich Feuer am Dach. Zwar schafften die Münchner am Mittwoch den Einzug ins Champions-League-Viertelfinale; dass der Aufstieg mit einem 0:2 vor heimischer Kulisse gegen Arsenal erzittert wurde, trieb Uli Hoeneß aber die Zornesröte ins Gesicht. "Der Trend ist your friend. Und wir spielen seit drei Wochen schönen Dreck", schimpfte der Präsident in typischer Manier nach der Partie in der Münchner Arena.

Hoeneß sauer, Beckenbauer kritisch
Dank des 3:1 in London zog der Finalist des Vorjahres trotzdem in die am Freitag in Nyon (12.00) ausgeloste nächste Phase ein. Für Hoeneß war dies jedoch kein großer Trost. "Wenn wir so wie heute spielen, gewinnen wir gegen keinen", sagte er. Kritisch gab sich auch Bayerns Ehrenpräsident Franz Beckenbauer. "Ich bin immer noch fassungslos, wie man so Fußball spielen kann", meinte der "Sky"-Experte nach Schlusspfiff. "So kannst du unmöglich weiterspielen, sonst bist du in der nächsten Runde draußen. Egal gegen wen."

Spieler sehen Warnschuss

Weitaus wenig dramatischer sahen den Fast-Selbstfaller die unmittelbar beteiligten Akteure. Sie werteten die Darbietung als Warnschuss. "Vielleicht war es am Ende positiv, eine Art Wake-up-call", meinte Arjen Robben. "Es ist ganz gut jetzt, dass wir mal wieder einen Dämpfer haben in unserer heiteren Sonnenscheinwelt", erklärte auch Thomas Müller nach der ersten Niederlage seit 23 Spielen. Jupp Heynckes war die Erleichterung anzumerken. "Wir sind noch mit einem blauen Auge davon gekommen. Es war ein Denkanstoß für uns alle. Es geht nicht von selbst", sagte der Trainer.

Spannung erst zum Schluss
Gegen den Hoeneß'schen Ärger sprach immerhin, dass die Bayern ohne ihre Antreiber Bastian Schweinsteiger (gesperrt) und Franck Ribery (verletzt) erst nach dem 0:2 durch ein spätes Kopftor von Laurent Koscielny (86.) in die Bredouille kamen. Zwar stolperten die Münchner beim 0:1 von Olivier Giroud (3.) auch in der Person von David Alaba in einen klassischen Fehlstart, zeigten sich danach aber weitgehend ungefährdet.

Konzentrationsschwächen bei Bayern
Für die Auslegung von Hoeneß sprach jedoch, dass die Bayern vier Tage nach dem mühevollen 3:2 gegen Düsseldorf erneut eine gewisse Konzentration vermissen ließen. Die Lust und auch der Druck zur Dynamik fehlten - so wie die Bereitschaft, sich ans Limit heranzutasten. Dass Arsenal erst in der Schlussphase mit dem Mut der Verzweiflung mehr nach vorne warf, sorgte ebenfalls für eine gewisse Gemütlichkeit bei den Bayern.

Große Erleichertung bei Spielern
Entgegen allen Prognosen hatten die Münchner, die die Bundesliga mit 20 Punkten Vorsprung anführen, schließlich bis zur letzten Sekunde zu leiden. Nach Koscielnys Treffer stürzte sich Torhüter Manuel Neuer auf den Ball, Stürmer Mario Gomez grätschte tief in der eigenen Spielhälfte und Verteidiger Philipp Lahm übte sich im Befreiungsschlag. Nach dem Schlusspfiff ballten die Bayern trotz der zweiten Heimniederlage der Saison erleichtert die Fäuste.

Deutsches Duell droht
Im Viertelfinale (2./3. und 9./10. April) stehen erstmals seit elf Jahren mit Bayern und Borussia Dortmund nun gleich zwei deutsche Mannschaften. Der FCB ist dabei zum insgesamt zwölften Mal in der Runde der letzten acht dabei und zog in dieser Statistik mit Manchester United gleich. Ein Duell mit Dortmund wie zuletzt 1998 wollen zumindest die Bayern vermeiden. "Ich würde mir wünschen, dass es kein deutsch-deutsches Duell gibt", sagte Vorstand Karl-Heinz Rummenigge.

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