Rapid-Trainer Hoff Thorup ratlos: "Ein Spiel wie dieses sollten wir niemals verlieren."
Im Zuge der ständigen Berg- und Talfahrt in dieser Saison ist Rapid wieder einmal ganz unten angekommen. Durch die 0:2-Heimniederlage am Mittwoch gegen den TSV Hartberg ist wohl die letzte halbwegs realistische Chance auf den Fußball-Meistertitel dahin. Bei fünf Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Sturm Graz geht es für den Tabellenvierten in den letzten vier Runden vor allem darum, das Europacup-Ticket zu fixieren, und zwar am besten ohne Umweg über das Play-off.
In den beiden Partien gegen die als krasse Außenseiter in die Meistergruppe gestarteten Hartberger - das erste Duell hatte am Sonntag 2:2 geendet - verspielte Rapid genau jene fünf Zähler, die auf Rang eins fehlen. Dementsprechend gezeichnet wirkte Trainer Johannes Hoff Thorup und sprach von einer "sehr großen Enttäuschung" sowie der "härtesten Niederlage" in seiner Amtszeit.
Dabei hätte alles ganz anders kommen können. Rapid dominierte die Anfangsphase und ließ Topchancen wie einen von Bendeguz Bolla vergebenen Elfmeter aus. "In den ersten 25 Minuten hätten wir 2:0 führen können. Wir haben mehr als genug dafür getan, um das Spiel genau dort zu haben, wo wir es haben wollten", sagte Hoff Thorup. "Ein Spiel wie dieses sollten wir niemals verlieren."
"Volle Attacke" in den letzten Spielen
Dass es dennoch so weit kam, lag an eigenem Unvermögen, Pech und brutaler Effizienz der Gäste. Nun muss Rapid wohl weiter auf den ersten Titel seit 2008 warten, auch wenn Hoff Thorup Durchhalteparolen ausgab. "Der Fokus liegt jetzt auf dem Sonntag-Spiel gegen Salzburg, das wird ein komplett anderes Match. In den letzten Spielen werden wir noch einmal voll attackieren", versprach der Däne.
Rapid muss aber auch nach hinten blicken, denn der neue Fünfte Hartberg und die auf Platz sechs abgerutschte Austria liegen nur jeweils zwei Punkte zurück. "Wir haben noch vier Spiele, die wollen wir gewinnen. Dass wir nach Europa wollen, ist klar", betonte Hartbergs Trainer Manfred Schmid.
Mannschaft wurde "nicht zum falschen Zeitpunkt" informiert
Der Wiener hatte seiner Mannschaft nach eigenen Angaben eine Stunde vor Spielbeginn darüber informiert, dass er den TSV nach Saisonende verlassen werde, "weil ich das Gefühl hatte, das Thema beschäftigt sie. Ich war überzeugt, dass das Team so gefestigt ist, dass das nichts ausmacht, und man hat gesehen, es war nicht der falsche Zeitpunkt."
Schmid hatte den Hartberg-Job im September 2024 übernommen und die Oststeirer wenige Monate später ins ÖFB-Cup-Finale geführt, wo sie gegen den WAC den Kürzeren zogen. In dieser Saison gelang überraschend der Einzug in die Meistergruppe. "Für mich war es wichtig, einen Spielstil zu entwickeln, der anders war als der meines Vorgängers (Anm.: Markus Schopp), aber die Mannschaft hat sich damit identifiziert. Nicht gelungen ist es mir, die Infrastruktur zu verbessern", meinte Schmid.
Von seinen Spielern erhielt der 55-Jährige großes Lob. "Es ist extrem schade. Er ist ein Top-Trainer, hat uns junge Spieler richtig gut entwickelt und unterstützt. Ich kann kein schlechtes Wort über ihn sagen und wünsche ihm das Allerbeste. Wir geben in den letzten vier Spielen auch für den Trainer alles und hauen uns richtig rein", versprach Elias Havel, Schütze des zweiten TSV-Tores. Ähnlich äußerte sich Kapitän Jürgen Heil, der sein Team in Führung gebracht hatte: "Dieses Spiel ist ihm (Anm.: Schmid) gewidmet. Ich glaube, als alter Austrianer freut er sich über einen Sieg in Hütteldorf noch mehr. Wir haben schon auch für ihn gespielt."