rapid gebeugt

"Mission 33"

Böse Auftaktpleite für Meister Rapid

Titelverteidiger startete mit 1:3 in Graz. Sturm vergab sogar Chancen auf noch höheren Sieg. Pacult bleibt trotzdem ruhig.

Nimmt man das Auftaktspiel als Maßstab, scheint Rapids "Mission 33" eine schwer erfüllbare. Der regierende Meister und 32-fache Titelträger der Fußball-Bundesliga überraschte bei der 1:3-Niederlage gegen eine über weite Strecken entfesselte Elf von Sturm Graz am Dienstagabend mit zuletzt kaum geahnten Schwächen, welche die mitgereisten Fans ratlos aus der Grazer UPC-Arena schleichen ließen.

Fehleranalyse
Während die Sturm-Anhänger schon während des vielversprechenden Auftakts in die neue Saison lautstark "Und ihr wollt der Meister sein?" skandierten und der gefeierte Coach Franco Foda auf die Euphoriebremse stieg, war bei Grün-Weiß Fehleranalyse angesagt. Eine trotz der EURO-Teilnehmer Patocka und Katzer löchrige Defensive, die mit den schnellen Gegenstößen der Grazer heillos überfordert war, ein wenig druckvolles Mittelfeld und ein harmloser Sturm entsprachen so gar nicht dem Rapid-Ideal der vergangenen Saison. Da passte es gut ins Bild, dass Payer-Ersatz Koch beim Führungstreffer der Grazer durch Sonnleitner (33.) im Tor ordentlich patzte.

Pacult "nicht enttäuscht"
"Ich bin nicht enttäuscht. Weil ich die Umstände kenne", meinte ein "nicht verärgerter" Trainer Peter Pacult nach der Partie und spielte damit wieder auf die seiner Meinung nach wegen der EURO schwierige Vorbereitung an. "Bis zum 1:0 war Sturm nicht besser, wir haben den Ball gut laufen lassen." Lange wird den Hütteldorfern jedoch nicht Zeit bleiben, die laut Pacult konditionellen und spielerischen Mängel aufzuholen. Bereits am Samstag kommt im Schlager der 2. Runde Red Bull Salzburg ins Hanappi-Stadion.

Hoffer alleine zuwenig
Im Prestigeduell mit dem abgelösten Champion dürfte sich Rapid auch wieder offensiver präsentieren als in Graz, wo mit Hoffer nur ein (kleiner) Stürmer an vorderster Front agierte. In allen Testspielen war Rapid, wie nach dem Seitenwechsel, mit zwei Sturmspitzen eingelaufen. "Maierhofer war in der Vorbereitung nicht ganz fit", wiegelte Pacult Fragen nach der Aufstellung ab. Man müsse sich auf die Partie gegen Salzburg nun in Ruhe vorbereiten. Trösten darf sich Rapid mit dem Fakt, dass auch im Meisterjahr der erste Saisonauftritt in Graz verloren wurde.

Starke "Blackies"
Des einen Frust, des anderen Lust. Diese packte nach der starken Vorstellung der Sturm-Kicker nicht nur das zahlreich erschienene Grazer Publikum. "Wir haben genau das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben", urteilte Stürmer Haas, der auf für ihn typische Art und Weise das 2:0 erzielt hatte. Die Aussage von Verteidiger Feldhofer, der in einer emotional geführten Partie (9 Gelbe Karten) bei einer Attacke an Maierhofer am Rande des Ausschluss stand, wirkte da schon fast wie eine Drohung an die anderen Teams: "Es gibt noch einige Abstimmungsprobleme, an denen wir weiter arbeiten müssen".

Nach dem Anschlusstor durch Dober (49.) wankte Sturm im Auftaktschlager, in dem auch der ORF mit bis zu 509.000 Sehern (Schnitt: 452.000) einen Spitzenwert verbuchte, nur kurz. Angeführt vom überragenden Muratovic kombinierten sich die Steirer oft mühelos durch die grün-weißen Reihen, allein Torschütze Stankovic (72.) hatte Chancen auf noch zumindest zwei weitere Treffer. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu euphorisch werden", meinte Trainer Foda, dem im Sommer gleich fünf Stammkräfte abhandengekommen waren.

Foda kritisiert Chancenverwertung
Als einzigen Kritikpunkt ortete der Deutsche, wie nicht anders zu erwarten, die Chancenauswertung. "Es gab keinen Schwachpunkt, sonst hätten wir gegen so eine starke Mannschaft nicht gewinnen können", teilte der Coach ein Pauschallob für seine Schützlinge aus. Die vier Neulinge in Sturms Startelf, Hlinka ("Es ist ein geiles Gefühl, wenn man gegen den Meister gewinnt"), Hölzl, Kandelaki und Feldhofer, machten nicht den Eindruck, dass sie erst seit kurzem mit der Mannschaft trainieren.

Nächster Schritt UI-Cup
Bereits am Sonntag geht es für Sturm international weiter, wenn die "Blackys" in Weißrussland gegen Soligorsk den Aufstieg in die 3. UI-Cup-Runde fixieren wollen. Nach dem 2:0 in Graz am vergangenen Wochenende steht einer Verlängerung des Erfolgslaufes aber nichts im Weg.