Anti-Alkoholiker Tuchel wurde zum Feier-Biest

Feucht-fröhlicher Abschluss

Anti-Alkoholiker Tuchel wurde zum Feier-Biest

"Ich kann auf jeden Fall gut feiern - Gin-Tonic wird dabei helfen."

Das Finaltrauma hat Borussia Dortmund nach dem 2:1-Sieg im deutschen Cup-Finale gegen Eintracht Frankfurt überwunden. Trainer Thomas Tuchel wirkte danach lockerer denn je. "Ich bin tief glücklich und fühle mich unglaublich leicht. Ich kann auf jeden Fall gut feiern - Gin-Tonic wird dabei helfen", sagte der als Asket geltende Fußballlehrer. Die Zeichen stehen aber weiterhin auf Trennung.

+++Wieder Drama um Reus - Kreuzbandriss befürchtet+++

Auf den ersten Blick herrschte pure Harmonie. Geradezu herzlich schloss Tuchel zunächst Sportdirektor Michael Zorc und dann Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in die Arme. Bei der Party in einem noblen Hotel am Potsdamer Platz war der Zwist vergessen - zumindest für kurze Zeit. Ausdrücklich schloss Watzke den Coach mit in seine Dankesrede ein: "Lieber Thomas, das ist dein erster Titel. Darüber freue ich mich total."

Trennung wahrscheinlich

Trotz des krönenden Abschlusses einer schwierigen Saison mit dem Sprengstoff-Anschlag gut sechs Wochen zuvor gilt es jedoch weiterhin als unwahrscheinlich, dass Tuchel auch in der nächsten Saison den BVB betreuen wird. In einer für die kommenden Tage anberaumten Unterredung soll über seine Zukunft entschieden werden.

Noch glaubt der vertraglich bis 2018 gebundene und von vielen Fans erstmals in Sprechchören gefeierte Tuchel offenbar an eine Chance: "Es scheint zumindest so, als sei das Gespräch ergebnisoffen. Ich will meinen Vertrag erfüllen, etwas anderes habe ich nie gesagt." Wie Tuchel versuchte auch Watzke zu nächtlicher Stunde, den Eindruck aufrechtzuerhalten, dass noch keine Entscheidung gefallen ist: "Wir haben uns nie gestritten. Es hat sich nichts geändert. Wir werden reden und dann sehen wir weiter."

Kritik von Kapitän Schmelzer

Gänzlich anders kann ein Statement von Marcel Schmelzer gedeutet werden, das ein vielschichtiges Bild auf das Binnenklima zwischen Trainer und Team wirft. Die Entscheidung von Tuchel, Mittelfeldspieler Nuri Sahin aus dem Kader für die Partie zu streichen, kommentierte der BVB-Kapitän mit deutlichen Worten: "Ich verstehe es einfach nicht. Wenn Julian Weigl ausfällt, ist Nuri Sahin der einzige Spieler, der es auf dieser Position mindestens genauso gut kann. Wir alle stehen hinter ihm."

Gut möglich, dass sich der BVB nicht nur einen neuen Trainer, sondern auch einen neuen Torjäger suchen muss. Einen Treueschwur blieb Bundesliga-Torschützenkönig Pierre-Emerick Aubameyang, dessen Elfmetertreffer in der 67. Minute für die Entscheidung sorgte, jedenfalls auch als Cupsieger schuldig. Zwar bestritt der bis 2020 gebundene Aubameyang Berichte, wonach er bereits um seine Freigabe für Paris Saint-Germain gebeten hat, kündigte aber Verhandlungen mit der Vereinsführung "für die kommenden Tage" an.

Reus erneut verletzt

Getrübt wurde die Freude über den Sieg durch die neuerliche Verletzung von Marco Reus. Der deutsche Nationalspieler zog sich schon nach wenigen Minuten eine Knieverletzung zu und musste in der Halbzeit ausgewechselt werden. Der erste Titelgewinn seiner Karriere tröstete den Pechvogel der vergangenen Jahre ein wenig über eine möglicherweise längere Zwangspause hinweg: "Es ist vielleicht ein bisschen Kreuzband. Aber heute nehme ich das in Kauf."

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