Pressestimmen zur WM-Auslosung

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Pressestimmen zur WM-Auslosung

Internationale Meinungen zur WM-Auslosung.

Greg Dyke strich sich lächelnd mit dem Zeigefinger den Hals entlang. Kopf ab, signalisierte Englands Verbandsboss nach der Fußball-WM-Auslosung, die den Kickern von der Insel im Juni 2014 Italien, Uruguay und Costa Rica als Gruppengegner bescherte. "Das ist die Todesgruppe", pflichtete ihm der italienische Nationaltrainer Cesare Prandelli bei.

So richtig freuen konnten sich auch andere Top-Nationen nicht über die Ziehung am Freitag. "Das wird nicht einfach", meinte Spaniens Coach Vicente Del Bosque zum Gegner Niederlande. Damit steht für den Titelverteidiger in Brasilien gleich zum Start die Neuauflage des WM-Endspiels von 2010 an - und daneben noch Duelle mit Chile und Australien.

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"Berliner Morgenpost"
"Gegen Ronaldo, Klinsmann und Boateng. Deutschland trifft in der WM-Vorrunde auf gute Bekannte aus Portugal, den USA und Ghana."

Die Franzosen zählten dagegen ganz klar zu den Siegern der Auslosung in Costa do Sauipe. "Schwein gehabt", meinte die Zeitung "Le Figaro" mit Blick auf die Gruppe E mit der Schweiz, Ecuador und Honduras. Die "L'Equipe" sah darin "ein Geschenk, das noch ausgepackt werden muss". Auch die Emporkömmlinge aus Belgien hätten es schwerer erwischen können, in Gruppe H warten Algerien, Russland und Südkorea.

Auch Deutschlands Medien waren rundum zufrieden. Nicht nur wegen der bekannten Gruppengegner Portugal, Ghana und USA, sondern vor allem wegen des günstigen Loses in der K.o.-Phase, da Rekordchampion und Gastgeber Brasilien, Titelverteidiger Spanien oder Angstgegner Italien erst frühestens im Semifinale zu Stolpersteinen werden können. "Der Weg ins Halbfinale ist geebnet. Es gibt aus deutscher Sicht keinen einzigen nachvollziehbaren Grund zur Beschwerde", kommentierte die "Frankfurter Rundschau" das DFB-Los.

England und Italien weinen
Die lautesten Wehklagen waren am Samstag aus England und Italien zu vernehmen. Vor allem die Italiener haderten mehr oder weniger mit allem, was ihnen bei der Los-Zeremonie widerfahren war: Zunächst die Verlegung von Topf 4 in Topf 2, damit verbunden in Gruppe D zwei starke Gegner und die Zuteilung des Spielorts Manaus in der tropischen Urwaldhitze.

"Skandal!", schimpfte der "Corriere dello Sport" über die "beschämende WM-Auslosung", bei die FIFA und UEFA Frankreich "begünstigt" hätten. Zur Erinnerung: Als schwächstes Team in der Oktober-Weltrangliste der FIFA nach der WM-Qualifikation hätten die Franzosen nach Ansicht der Italiener automatisch in Topf 2 gehört.

Teamchef Prandelli gab sich dennoch optimistisch: "Wir sind nicht beunruhigt. So eine schwierige Gruppe sorgt zumindest dafür, dass wir bestens vorbereitet sein werden." Einen Seitenhieb Richtung England und Uruguay hatte der smarte Coach des Vizeeuropameisters ebenfalls parat: "Der schwerste Gegner? Costa Rica, denn die kennen wir noch nicht..."

Revanche
Die Engländer sehnen die Revanche für das EM-Viertelfinale 2012 herbei - dass es in Manaus zur Hitzeschlacht kommen dürfte, bereitet aber auch den "Three Lions" Sorgen. "Rumble in the Jungle" titelte der "Mirror", bebildert in typisch englischer Boulevard-Manier mit Coach Hodgson samt Tropenhut, der beginne, "die Hitze zu spüren".

Verbandschef Dyke bemühte sich am Samstag übrigens klarzustellen, dass seine Geste am Vorabend scherzhaft gemeint war. Hodgson zeigte sich selbstbewusst. "Ich würde immer noch einen Zehner auf meine Mannschaft setzen", sagte er. "Unsere Gegner werden sich auch nicht vor Freude die Hände reiben, weil sie gegen uns spielen müssen."

Mit einem "brutalen Debüt" ("Mundo Deportivo") geht das Turnier für die Spanier los, wenn es im ersten Match zur WM-Revanche gegen die Niederländer kommt. "Donnerwetter!", titelte "AS". Erfolgstrainer Del Bosque, der Spanien zum WM- und EM-Titel geführt hat, blieb trotzdem gelassen. "Wir müssen einfach nur versuchen, die Gruppe zu gewinnen, mehr ist nicht zu tun", erklärte der 62-Jährige. "Ich würde nicht von einer Todesgruppe sprechen."